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Essen, Agenten und Roboter

Noch 39 Tage bis zur Messe in Essen.

Sicherlich etwas zu früh für meinen obligatorischen “Das sind tolle Spiele” – Eintrag. Also wird der aufmerksame Leser folgern, dass es im folgenden um meinen eigenen Beitrag zur Neuheitenschau gehen wird.

Richtig geraten!

Ich habe am Dienstag ein Vorab-Exemplar der fertigen Schachtel “König von Siam” bekommen (der eigentliche Produktionsteil kommt erst kurz vor der Messe) und ich muss sagen: Ich bin vollauf zufrieden! Der Druck kam genauso rüber, wie erhofft und zwei Probepartien mit dem neuen Material zeigten auch, dass alles funktional ist. Das ist natürlich ein gutes Gefühl und ich freue mich auf Essen.
Es ist ein komisches Gefühl: Ich bin einfach einmal gespannt, wie das Spiel so ankommt. Wie sind die Rezensionen, wie die ersten Eindrücke. Eigentlich bin ich sehr zuversichtlich (bislang fand jeder Vertreter der Zielgruppe das Spiel gut), aber man weiß ja nie. Besonders im Forum ist die Stimmung sehr davon abhängig, wie die ersten Einträge ein Spiel bewertet. Ein paar Beispiele gefällig?

1) Als Pingvinas erschien war ich gerade in Thailand. Die Meinungen im Forum schwankten zwischen “Ganz nett” und “Langweilig”. Später kam es dann noch einmal als Packeis am Pol bei Phalalanx heraus. Dasselbe Spiel mit etwas anderem Material. Jetzt waren die Meinungen plötzlich fast ausschließlich positiv.

2) Goldland wurde damals sehr negativ im Forum dargestellt. Ein Jahr später flog es bereits wieder aus dem Verlagsprogramm und ein Leser fragte damals ob das Spiel empfehlenswert sei (so dass er es kaufen konnte, so lange es noch verfügbar ist). Die Antworten waren mit 1,5 Ausnahmen durchgehend positiv.

3) Zansibar (Ich habs noch nicht gespielt) wurde in dem Forum kurz nach erscheinen in einigen Postings sehr negativ bewertet. Seitdem hört man gar nichts von dem Spiel. Sicher, schlechte Spiele fallen durchs Raster, doch in diesem Fall waren es vielleicht drei Poster, die sich geäußert haben…

Also hängt viel vom ersten Eindruck und Zusammensetzung des Forums ab, wie ein Spiel von der deutschen Community wahrgenommen wird (und ob überhaupt). Das wird sehr spannend für mich zu beobachten sein! Zumal ich bislang als Rezensent ja immer auf der anderen Seite des Zaunes saß (Monochrom wurde noch nirgendwo rezensiert).
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Einige Monate nachdem er ein Interview mit mir abgelehnt hat, gibt Christian Beiersdorf jetzt ein Interview mit dem Reich der Spiele. Offensichtlich hängt es doch von der Größe der Seite ab, wen er seine Aufmerksamkeit schenkt. Interessantester Punkt war, dass nach wie vor kein Projekt-Spiel-Spiel bei Ravensburger erschienen ist. Das überrascht nicht, wenn man sich das Programm der Ravensburger so anschaut. Ich habe sogar den Verdacht, dass sich der Verlag mit dem blauen Dreieck jetzt ganz auf Auftragsarbeiten und Wiederauflagen konzentrieren will und gar keine Verwendung für neue Prototypen hat. Damals schrieb ich, dass PS ohne Veröffentlichung bei Ravensburger ein bisschen die Glaubwürdigkeit verliert. Das gilt nach wie vor. Zwar weist Herr Beiersdorf darauf hin, dass er bereits mit anderen Verlagen abgeschlossen hat. Allerdings liegt zwischen Ravensburger und Spiel + Spass (kennt jemand deren aktuelles Programm?) doch ein kleiner Unterschied. Und die Frage ist, ob es einer Agentur bedarf, um mit einem kleinen Verlag abzuschließen.

Apropos kleiner Verlag: Ich habe Robot Martini Games entdeckt (www.robotmartini.com). Ein kleiner Verlag (dieses Jahr leider nicht in Essen vertreten) mit interessantem Konzept:
Zum einen verfolgt er das Cheapass-Modell: Viele Spiele mit minimalem Material und minimalem Preis und originellem Thema raushauen. Zusätzlich ein größeres Spiel (Das ist dieses Jahr Get Bit). Die bisherigen Spiele sehen z.T. recht interessant aus (besonders Get Bit, bei dem ein Hai Körperteile der Spiele abfrisst, aber auch Nerd Trivia, bei der man rät, wer eine Frage am wahrscheinlichsten beantworten kann).
Bemerkenswert wird es aber durch die Philosophie, dass sich der Verlag zur Aufgabe macht, unbekanntere (oder auch bekannten) Autoren eine Plattform zu geben, ihre Spiele vorzustellen. In der Atomic Sushi-Reihe ist das Material auf 49 Karten beschränkt und die erste Auflage beträgt etwa 100 Stück (+5 für den Autoren). Danach kann der Autor entscheiden, ob er die Rechte zurücknimmt (um sie z.B. einem anderen Verlag, der Interesse hat, zu geben) oder ob er die Rechte bei Robot Martini belässt (falls die das Spiel weiterverkaufen wollen). Ein recht großzügiges Konzept und ich probiere es auch gleich aus. Ein Spiel von mir wurde angenommen und wird gerade passend umgearbeitet. Der Kontakt ist sehr nett und das Entwicklerteam macht einen sehr fitten Eindruck: Die vorgeschlagenen Änderungen haben wirklich Hand und Fuß. Wenns soweit ist, melde ich das natürlich hier.

ciao
peer

Peer Sylvester
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3 Kommentare

  • Ich glaube nicht, dass es von der Größe der Seite abhängt, wem Christian Beiersdorf ein Interview gibt, sondern mehr davon, ob er kritische Fragen erwartet. Eine Interview-Zusage für die Spieleautorenseite hatte er im letzten Jahr zurückgezogen, da Diskussionsverhalten nicht erwarten ließe, daß ‘ein fairen Ablauf gewährleistet’ werde (siehe komplette Begründung unter http://www.spieleautorenseite.de/ Projekt Spiel: Kein-Spiel – kein Interview …”

    Michael Weber hatte sich dagegen schon früher recht positiv zur Gebühr geäußert: http://www.reich-der-spiele.de/specials/Ravensburger-Autoren.php Eine Haltung, die wie im Artikel zu lesen ist, auch auf der zustimmenden Erklärung der damaligen SAZ-Führung beruhte.

    Nun, immerhin hat Christian deutlich gemacht, dass es darum geht, Kosten auf unerfahrene Autoren abzuwälzen (was ja durchaus ein professionelles Verhalten ist) und den Redakteuren die Arbeit zu erleichtern, getreu dem Motto: Was gut ist für den Verlag, nutzt den Autoren. Warum gilt das eigentlich nicht umgekehrt?

  • Ob es wirklich an der Erwartungshaltung lag? Mag sein. Andererseits habe ich meine Haltung nie ganz so publik gemacht wie du. Naja. Letztlich fand ich das Interview zumindest etwas ehrlicher als alles was ich bisher von Beiersdorf gelesen habe (z.B. in Bezug mit “Noch kein Ravensbruger Abschluss”).
    Mein Lieblingssatz war aber natürlich “Am Ende gewinnen alle bzw. können gewinnen” Ja ja, theoretisch funktioniert auch der Kommunismus ;-)