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Interview Houf games

Als Freund von schicken Tierspielen, ist mir auf der #Spiel2025 Nice to Know! Animals aufgefallen. Leider hatte ich vor Ort nicht genug Zeit, mir das Spiel näher anzuschauen – aber der Verlag HOUF Games ist als Türkisch-Britischer Verlag natürlich auch für unser Verlagsvorstellungssegment interessant! Also habe ich mich an den Verlagsvertreter gewandt und der war so freundlich Fragen zu beantworten und mir ein Exemplar des Tierspieles zukommen zu lassen. Wie üblich beginne ich mit einem kleinen Interview und leite dann zu meinen Eindrücken von Nice to know! Animals über.

Bitte stelle Dich und Deinen Verlag kurz vor!

Ich bin Halil, ich lebe in der Türkei und arbeite hier als Rechtsanwalt in meiner eigenen Kanzlei. Ich bin auch einer der Gründer von HOUF Games. Innerhalb meines Teams bin ich vor allem der Spieleautor, aber  auch für die administrativen Dinge und Rechtsfragen zuständig.

HOUF Games wurde von vier Freunden gegründet, die einfach etwas für unser geliebtes Hobby kreieren wollten. Die Dinge entwickelten sich sehr scnell und bevor wir uns versahen, waren wir eine der bekanntesten Türkischen Spieleverlage. Bislang haben wir zwei Spiele veröffentlicht und dabei eine Kickstarterkampagne ins Ziel gebracht. Unsere Spiele sind Nice to Know! Animals und Long Live the Captain. Vielleicht habt Ihr ja unseren Stand in Essen gesehen!

Auf Eurer Webseite schreibt ihr, dass ein wichtiger Aspekt der Nice to Know– Serie die Fakten sind, die im Spiel vermittelt werden. Würdest Du Eure Spiele als Lernspiele kategorisieren oder eher als Brettspiele, die eher nebenbei auch etwas Wissen vermitteln?

Nice to Know! Animals ist im Kern ein kompetitives Spiel, aber es ist ramdvoll mit faszinierenden Wissenshappen für alle. die gerne etwas neues beim spielen lernen. Es kann daher auf jeden Fall als Lernspiel dienen, aber das war nicht das Designziel. Hauptsächlich wollten wir, dass Leute Spaß haben, sich unterhalten und ein paar interessante Dinge über Tiere lernen, insbesondere über bedrohte Arten. Wie haben bei der Entwicklung mit Zoologen zusammengearbeitet und auch Wissenschaftliche Quellen benutzt.

Euer Verlag hat Büros in der Türkei und in Großbritannien. Wie funktioniert das und magst Du noch etwas über die Spielkultur der beiden Länder sagen?

Ich habe zwei Jahre im Vereinigten Königreich studiert und lebe jetzt in der Türkei. Allerding lebt einer unserer Partner im Vereinigten Königreich und unser Verlag ist auch dort registriert. Ihr seid vielleicht überrascht, aber es gibt eine starke wachsende Brettspielszene in der Türkei. Kulturell ist die Türkei da nicht so weit von Europa entfernt.

Nächstes Jahr soll Nice to know: Cosmos erscheinen. Ist das eine Variante von Nice to know: Animals oder haben die Spiele nichts gemein, außer dass Fakten auf den Karten beschrieben werden?

Nicetoknow ist als langfristige Serie angelegt. Cosmos ist der zweite Titel und wird im März 2026 auf Kickstarter landen. Hier kann man Updates bekommen.

In Animals waren wir Zoologen, aber in Cosmos sind wir alle Astronomen. Die Spielenden beobachten den Nachthimmel und versuchen der/die beste Astronom:in zu werden. Von den Mechanismen her ist das Spiel komplett anders als die Animals, aber wir behalten ein gemeinsames Element in allen Spielen: Eine 3×3-Auslage an Karten.  Das ist auch die einzige wirkliche Gemeinsamkeit zwischen Cosmos und Animals. In Cosmos werden die Karten natürlich auch interessante Fakten über den Himmel und den Weltraum zeigen, aber es ist nach wie vor kein Quizspiel!

Ich möchte auch den Raum nutzen, um bereits das dritte Nicetoknow-Spiel anzukündigen, weil ich mich darauf besonders freue: Dinosaurier!!

Die Nice to Know – Spiele sind in-House-Designs. Nehmt Ihr auch Spiele von Außenstehenden an?

Wir haben tatsächlich bereits ein Spiel von einem externen Autoren veröffentlicht: Long Live the Captain ist kein In.-House-Design, es ist das Debüt von Sinan Ince, einem jungen Lehrer aus der Türkei.

Im Moment entwickeln wir in erster Linie unsere eigenen Spiele, aber unser Ziel ist es, zu den größten Verlagen weltweit aufzuschließen. Daher sind wir offen für alle erfolgsversprechenden Spielideen!

Vielen Dank für das Interview!

Nice to Know! Animals war die diesjährige #Essen2025 Neuheit. Halil war so freundlich mir die Deutsche (sic!) Ausgabe des Spieles zukommen zu lassen. So kann ich ein bisschen darüber schreiben.

Wie der Titel sanft andeutet, geht es um Tiere, genauer gesagt um Tierkarten. Um schicke Tierkarten sogar! Anders als bei den anderen schicken Tierkartenspielen aus dem vergangenen Jahr ist Nice to Know aber kein Legespiel, in dem man Ökosysteme baut, sondern ein Sammelspiel: Man sammelt Tierkarten, um damit Aufträge zu erfüllen oder Mehrheiten (Meisten Tiere pro Kontinent, meisten Fleichfresser…) zu erlangen und ein paar Tiere sind zudem wertvoller als andere. Man sammelt also einigermaßen zielgerecht, aber da die Auslage begrenzt ist, nicht laserfokussiert.

Tatsächlich ist der Kartenerwerb recht einfach: Entweder man wirft eine Karte aus der Ablage ab, um Geld zu bekommen oder man kauft mit eben jenem Geld eine Karte, wobei der Preis von der Position der Karte und dem Kontinent auf dem man das letzte Tier gekauft hat, abhängt. Da mit jedem Zug die Auslage wechselt, ist der Kartendurchlauf hoch und je mehr Leute am Tisch sitzen, desto eher sollte man emotionale

Ein Spiel mit einem Schnabeltier kann gar nicht schlecht sein

Bindungen zu den gerade liegenden Karten vermeiden – Wie sang schon Wolfheim 2003: “Was jetzt ist, wird nie mehr ungescheh’n” Die Züge sind also potentiell von schnellen Entscheidungen geprägt. Ein Hauch von Auf den Wegen von Darwin weht über den Spieltisch. Letzteres hatte den Legeaspekt, Nice to know eine etwas herausfordernde -und interessantere – Logistik, die allerdings auch den Glücksfaktor noch etwas nach oben dreht (wenn partou keine Tiere von dem Ort auftauchen, an dem ich mich befinde,  wird es teuer und das kostet unterm Strich Zeit). Dies ist allerdings vermutlich sogar gewollt, um das Spiel etwas lockerer zu gestalten – Glücksfaktor gegen AP! Und was hilft noch gegen AP? Überforderung. Es gibt viele, viele Wertungen und zudem Aufträge und bis auf die Kontinente sind die da notwendigen Merkmale nicht gerade allzu übersichtlich. Wer da versucht die Auslagen der anderen noch mitzulesen, ist selber schuld. Ich lese nicht einmal meine eigene. Allerdings muss ich dennoch sagen: Das Nice-to-know-Prinzip, kleine Funfacts in das Spiel einzubauen ist hier eher mittelgut gelöst: Bei jedem Auftrag hat man die Wahl x Tiere vom gleichen Kontinent (da das Spiel endet wenn jemand 16 Tiere hat, kann man so kaum mehr als zwei  Aufträge mit erfüllen) oder ein ganz bestimmtes Tier (das erst einmal auftauchen muss). Das wird aber nicht genannt, sondern nur der dazugehörige Wissenshappen, etwa “Ein Säugetier, das Eier legt” – das einzige Kloakentier im Spiel ist das Schnabeltier. In der Praxis muss man entweder alle Funfacts bei jedem Tier lesen (oder auswendig lernen) oder in der Liste nachgucken, welches Tier gemeint ist. Die Existenz der Liste zeigt, dass erstes zwar wohl intendiert wäre, aber nicht wirklich zum schnellen Flow des Spieles passt. Zudem müsste eigentlich immer jemand vorlesen, denn die Schrift ist klein und nicht von überall gleich gut einsehbar. Es wäre mMn schon einfacher gewesen, die Tiernamen im Auftrag mitzunennen. Aber gut, vielleicht nächstes Mal.

Davon abgesehen spielt Nice to know: Animals sehr mit dem Sammeleffekt und der dynamischen Auslage: Ich will zur richtige Zeit zugreifen können. Besonders Ortswechsel sind knifflig und erfordern neben etwas Glück eine gewisse Vorbereitung. Das passt sicherlich auch zum Thema, wobei man hier kein Kavango erwarten sollte – schon weil Nice to Know eher eine SdJ-Kategorie tiefer unterwegs ist. Aber auch dort ist das potentielle Schaffen von zumindest etwas Umweltbewusstsein durch das Sammeln von schicken Zierkarten mit wenigen Regeln sinnvoll.

 

 

Peer Sylvester
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