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Phantastische Ausnahmen und wo sie zu Marken werden

Das Jahr 2016 neigt sich dem Ende und die Frage die für mich hängen bleibt ist eigentlich eine so einfache wie schwere: Wie treu muss ein Verlag sich als Marke bleiben.

Stephen Buonocore, Eigentümer von Stonghold Games hatte in einem seiner vielen vielen spannenden Interviews erzählt, dass er Stronghold Games als Marke nicht in eine Ecke drängen möchte. Er hat Familienspiele, Eurogames, Kartenspiele, Würfelspiele und inzwischen sogar ein Wargame in seinem Programm. Er hat nur einen Ansatz: Das Spiel soll gut sein.

Das widerspricht im ersten Moment dem was Verlage seit Jahren den Autoren sagen: Schaut das ihr das Spiel beim richtigen Verlag vorstellt. Ein schweres Ameritrash Spiel bei Amigo im Programm? Schwer vorzustellen. Jeder Verlag hat sein Profil und das möchte bedient werden. Wer daraus ausbricht, wie es Hans im Glück vor ein paar Jahren getan hatte, als es mit Ranking ein Spiel auf den Markt brachte, welches der typischen Klientel gar nicht gefiel, da wurde deutlich wie sehr der Verlag mit Kenner und Expertenspielen in Verbindung gesetzt wird.

Und gerade Hans im Glück hat dieses Jahr aber den Kinderspiel des Jahres Pöppel gewonnen. Es war nicht ihr erstes Kinderspiel, sondern ihr drittes. Aber das erste war ein großer Flop und das zweite in der Carcassonne-Linie, wo es keinen Überrascht hat. Dennoch hat der Verlag aber etwas gemacht was da rein passt. Es ist der Marke treu geblieben seine Spiele zu pflegen. Stone Age ist deutlich ein Longseller. Die Linie auszubauen ist wichtig und ein Kinderspiel ist da ein logischer Schritt.

Auch Haba ist ausgebrochen. Haba stand schon immer für Kinderspiele und der Gewinn selbiger Preise war schon oft genug ausschlaggebend für diese Sicht. Der Start mit einer Familienspielreihe war schon lange geplant, aber es hat immer etwas gefehlt um es wahr zu machen. Nun ist es wahr und mit einem nominierten Spiel für den roten Pöppel gleich im ersten Jahr kann man sehr glücklich sein.

Aber was bedeutet das? Ist ab sofort wieder jeder Verlag freiwild? Sollen wieder alle Ideen jedem vorgestellt werden? Definitiv nicht. Der alte Spruch, Die Ausnahme bestätigt die Regel bleibt auch hier oben. Das nächste Kinderspiel das Hans im Glück anfassen wird, wird vielleicht Russian Railraods sein, aber auch das werden sie nicht dieses Jahr angehen, sondern später, wenn die Marke sich noch mehr gefestigt hat. Und da werden sie sicher vorgehen wie bei den letzten zwei Kinderspielen. Sie suchen sich einen Autor, der das im Auftrag für sie erstellt.

Amigo wird vielleicht ein deutlich komplexeres Spiel rausbringen als etwas was auf die rote Liste passt, aber es wird die Ausnahme bleiben. Und es wird nicht passiert sein, weil ein Autor es ihnen vorgeschlagen hat, sondern weil die Entscheidung gefallen ist eine Ausnahme zu machen um das Angebot rund zu halten. Auch Haba hat nur einen kleinen Schritt weiter gedacht und sich mit einfachen Familienspielen auf den Markt getraut. Ein Kennerspiel sollte da keiner in den nächsten Jahren erwarten.

Portal Games besinnt sich auch zurück auf die Marke die es sein möchte. Nach dem Versuch ein sehr einfaches Familien/Kinderspiel zu machen sind sie davon wieder weg. Die Konzentration liegt auf der Marke die sie sein wollen. Tolle thematische Spiele, sehr gerne auch mit einem SciFi-Thema. Ein 51st State, ein Neuroschima Hex, ein Cry Havoc und auch ein Alien Artifacts passen in diese Kategorie.

Die Marke ist das was einen Verlag nach außen präsentiert. Die Marke ist auch das was einen Autoren nach außen präsentiert. Der Knizia der letzten 10 Jahre ist nicht der Knizia der 10 Jahre davor. Und ein Stefan Feld ist ein Alea/Hall Games-Stefan Feld. Und was ist mit Stronghold Games? Stronghold Games ist vor allem Stephen. Er ist die Marke und da wird er sich selber sehr treu bleiben.

Matthias Nagy

SPIEL.digital

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