Verlagsvorstellung Grouper Games

Spiele für mehr als 5 Personen sind selten -sicherlich auch ein Grund für den Erfolg von 7 Wonders. Spiele für mehr als 8 Personen kann man an einer Hand abzählen. Kommt dann ein Verlag mit einem Spiel für maximal 11 Personen und handelt es sich explizit NICHT um ein Partyspiel, dann schauen wir von der Spielbar ganz genau hin!

Bitte stelle Dich und Deinen Verlag kurz vor!

Ich heiße  Britton Roney and  ich habe Grouper Gamesmit einigen Geschäftspartnern gegründet, um Strategiespiele für Gruppen herauszubringen. Ich komme aus einer großen Familie und wir hatten immer das Problem, dass zu viele Leute mitspielen wollten. Kommt ein sechster Spieler hinzu wird die Liste der guten Strategiespiele sehr kurz. Sind es zehn Spieler und die Liste ist praktisch nichtexistent. Das Ziel von Grouper Games ist es, die Lücke mit Strategiespielen für große Gruppen zu füllen.

 Bitte erzähle uns mehr über Masters of Commerce!

Die Idee für Masters of Commerce kam uns nach einem Skiausflug. Ich arbeite für eine private Aktiengesellschaft und die Firma war gerade an dem Kauf eines bankrotten Einkaufzentrums beteiligt. Mit dieser Erfahrung im Kopf leerten wir diverse Spielschachteln auf dem Tisch aus und begannen die Grundidee des Spieles auszuarbeiten. Von dem Punkt an dauerte es noch mehr als ein Jahr bis das Spiel fertig war.

Um eine Zusammenfassung des Spieles selbst zu geben: Masters of Commerce ist ein schnelles Wirtschaftsstrategiespiel, dass in dem Aspekt einzigartig ist, als dass es für eine große Gruppe von Spielern designed ist: Bis zu 11 Spielern können mitspielen, Spieldauer ist 30-40 Minuten (egal wie viele Spieler mitspielen) und es kann in 5 Minuten erklärt werden. Die Grundidee ist, dass die Spieler in zwei Gruppen eingeteilt werden: Vermieter und Händler. Um zu gewinnen muss jeder Händler mehr Geld verdienen, als die anderen Händler. Dasselbe gilt für die Vermieter. Jede Runde konzentriert sich auf 2 Minuten laute, wild durcheinander geführte Verhandlungsrunde zwischen den Vermietern und den Händlern. Die Händler bekommen dann Einkommen, je nach Gebäude dass sie mieten. Vermieter kassieren Miete von den Händlern, zahlen Steuern und können neue Grundstücke kaufen. Nach 5 Runden gewinnt sowohl der reichste Händler als auch der reichste Vermieter.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Wir haben einige Erweiterungen für Masters of Commerce in Arbeit, inklusive einer, bei der ein Spieler für die Regierung arbeitet. Auch arbeiten wir an einigen anderen Großgruppenspielen. Ich möchte noch keine Details bekanntgeben, aber ich bin von einem bestimmten Projekt besonders begeistert. Das zielt ebenfalls für eine große Gruppe an Spielern ab, ähnlich wie Masters of Commerce, konzentriert sich aber auf Politik statt auf Wirtschaft.

Vielen Dank für das Interview!

Zwar funktioniert Masters of Commerce offiziell (mit Sonderregel) auch für 3 oder 4 Spieler, aber so richtig gedacht ist es doch ganz klar für Gruppen ab ca. sechs Personen. Wer also Mühe hat überhaupt drei Leute für einen Spieleabend zusammenzubekommen, kann sich den Kauf sparen. Wie sieht es aber mit den Großgruppenspielern aus?
Zwei Dinge muss man wissen, um einzuschätzen zu können, ob Masters of Commerce für einen interessant ist:
Erstens ist es ein absolut reines Verhandlungsspiel. Wie Britton schon gesagt hat, ist die Kernphase die Verhandlungsphase zwischen Mietern und Vermietern. Dabei ist es wichtig zu wissen, dass der Wert der Gebäude nur sehr grob einschätzbar ist: Der tatsächlich Betrag wird ausgewürfelt (ja, ausgewürfelt), wobei die Wahrscheinlichkeiten für einzelne Farben unterschiedlich sind (und von dem Wert vor dem Würfeln abhängt). So ist rot deutlich spekulativer als blau, welches eher eine Farbe für konservative Anleger ist. In diesem Aspekt errinnert es mich rudimentär an den Klassiker Stocks & Bonds, bei dem es ja auch darum geht sich zu überlegen, ob man eher spekuliert oder eher anlegt weil einige Aktien sehr schwanken können, während andere sich nur langsam (und eher aufwärts) bewegen. Allerdings ist Stocks & Bonds nun überhaupt nicht interaktiv, während bei MoC in erster Linie geschachert wird. Insofern ist es ein “echtes” Verhandlungsspiel mit spekulativer Komponente.
Zweitens ist ungewohnt, dass es zwei Sieger gibt: Den besten Händler und den besten Vermieter. Das macht Sinn, denn die beiden Gruppen spielen völlig unterschiedlich: Die Händler müssen sich überlegen, in welche Farben sie investieren (also welche Gebäude sie mieten), die Vermieter ersteigern Gebäude in der Hoffnung, das Geld durch Mieten wieder reinzubekommen (Mir persönlich erscheint die Vermieter Rolle etwas interessanter, aber die Händler sind geradliniger, ist also Geschmackssache). Im Prinzip kann man sich vorstellen, dass man eigentlich zwei verschiedene Spiele spielt, nur dass es in der Verhandlungsphase einen Berührungspunkt zwischen den Partien gibt. Extrem ungewöhnlich! Etwas vergleichbares gibt es höchstens in der Mehr-Tisch-Variante von Friedemanns Fische, Fluppen, Frikadellen. Und selbst da spielt man eigentlich dasselbe Spiel.
Wenn diese Punkte nicht stören – sondern eher begeistern – dann ist Masters of Commerce sicherlich keine schlechte Wahl: Das Spiel ist solide ausgestattet mit klaren Regeln und sehr auf den Punkt (Spieldauer liegt bei 30-45 Minuten). Durch die zufällige Preisfluktation entwickeln sich schöne Dynamiken, was die Verhandlungen betrifft. Auf jeden Fall also ein interessantes Spiel!
ciao
peer

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.