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Computer vs.Mensch

Was für ein toller Jahresbeginn… Naja ich bin wieder da. Auch mit einer neuen Rezi.
Gestern habe ich -dank Drakes Flames – wieder einen Plagiatsfall gefunden. In diesem Fall hatte ein Amerikaner ein Fanspiel über die Videospielserie „Fatal Frame“ erstellt und kostenlos ins Netz gestellt (Hier). Da er ja keine Rechte an der Videoserie hatte, bemühte er sich nicht um einen Verlag.Ein Igor Krasnodymov brachte das Spiel mit abgewandeltem Thema im Eigenverlag in Russland raus (war wohl auch in Essen zu bekommen), jedoch ohne den Autor zu infomieren (geschweige denn ihn zu beteiligen). Regeltechnisch sind die Spiele identisch. Nachdem der Autor von BGG-Usern über das Spiel infomiert wurde, kontaktete er den anderen „Autor“. Der wird in einer zukünftigen Ausgabe zumindest Joe Fourhman als Autor angeben. Der hat natürlich wenig rechtliche Handhabe, da sein Spiel ja auf einer geschützten Serie basiert. Dennoch ein neuer trauriger Fall von Internationaler Urheberrechtsverletzung. Die dazugehörige Diskussion kann man hier (in englisch) nachlesen.

But now to something completly different. Am Mittwoch erschien bei XKCD ein Comicstrip der sich mit Spielen beschäftigt. Genauer gesagt eine Graphik, die angibt, wie sich Computer bei diversen Spielen so schlagen (wie immer bei XKCD mit ein paar nicht ganz ernstgemeinten Einträge) :

Ganz oben sind die „gelösten“ Spiele. „Gelöst“ heißt, dass es eine Gewinnstrategie gibt, die einer der Spieler (in der Regel der zweite) verfolgen kann, um nicht zu verlieren. Stellenweise sind die recht einfach (Nim, Tic-Tac-Toe) meistens aber so komplex, dass in der Tat nur Computer diese anwenden können. Das Spielen gegen einen Computer ist da einigermaßen sinnlos, zumindest wenn man gewinnen will. Zu der Aufzählung hinzu käme übrigens noch Mühle (und ich vermute Halma). Hinter „Ghost“ verbirgt sich das Spiel „Geist“, dass ich in Jam Dudel in einer Variante beschrieben habe. Die hiesige Einteilung bezieht sich auf das Zweipersonenspiel:  Einer nennt einen Buchstaben. Abwechselnd ergänzen die beiden die sich bildene Buchstabenkette um einen Buchstaben. Wer ein gültiges Wort bildet, verliert (damit handelt es sich um eine Nim-Variante). Wer auf Nachfragen kein Wort mit der bereits gebildeten Kette nennen kann auch. Die Strategie des Nachfolgespielers ist es also die Buchstaben so zu wählen, dass nur noch ein mögliches Wort entsteht, dass aber eine ungrade Anzahl von Buchstaben enthält (damit der andere verliert). Gelöst ist das Spiel nur für englische Lexika, am Duden hat sich meines Wissens noch niemand versucht. Wenn sich also einer meiner Leser berufen fühlt :-)

Dame ist für die normalen Startpositionen gelöst, weswegen in Turnieren die ersten drei Züge ausgelost werden. Auch Gomuku  („5 in einer Reihe“) ist gelöst, allerding meines Wissens nur ohne die neue Regel, dass es verboten ist, zwei offene dreier (oder Vierer) Reihen mit einem Zug zu bilden. Insofern ist Munroes Diagramm hier etwas ungenau.

Werden die Spiele komplexer und gibt es damit auch mehr mögliche Stellungen, wird es natürlich immer schwieriger. Dann sind die Spiele nicht mehr gelöst, jetzt gehts darum, ob der Computer besser spielt als ein Mensch. Das bekannteste Beispiel ist natürlich Schach. Die Beispiele sprechen weitestgehend für sich (Backgammon fehlt noch, Beer Pong ist natürlich ein Gag – zwar gibt es einen entsprechenden Roboter, der muss jedoch keinen Alkohol konsumieren ;-) ). Jeopardy war ja letztes Jahr, als ein Computer mit Hilfe eines Suchalgorythmus die wahrscheinlichste Lösung herausfilterte und zwei Champions schlug.  Ganz soweit sind die Computer bei anderen Spielen nicht. Bei Go und Arimaa sind die Zugmöglichkeiten zu hoch, um die Spiele durch bloßen Durchrechnen zu gewinnen. Das heißt aber nicht, dass Computer immer unterlegen sein werden – Ich schrieb bereits über die steigenden Fähigkeiten der Go-Programme. Bei Poker liegt es eher an der psychologischen Komponente. Das Berechnen der Wahrscheinlichkeiten liegt den Computern vermutlich mehr, aber das Einschätzen wann es sich lohnt zu riskieren, wann es sich lohnt zu bluffen etc. hängt auch an der Empathie. Das ist aber wirklich nicht mein Gebiet ;-)

Die Spiele die laut Munroe niemals von Computern ausreichend beherrscht werden, sind allesamt Gags der einen oder anderen Sorte: Snakes & Ladders ist natürlich ein reines Glücksspiel, bei dem der Computer keinerlei Vorteile hat – ebenso gut könnte man Bingo oder Krieg + Frieden (das Kartenspiel, nicht das Brettspiel) nennen. Mao ist ein Spiel, bei dem man die Regeln herausfinden muss – ähnlich den Dumbbatz-Dribbeleien in Jam Dudel (sowas wie „Willy Rutsch“). Computer sind zwar sehr gut darin Muster zu erkennen, aber ich nehme an, dass sie hier Probleme haben werden – vor allem, wenn die Regeln etwas mit dem Meta-Spiel wie Körpersprache o.ä, zu tun haben. Seven Minutes in Heaven ist das unter amerikanischen Teens früher (?) beliebte Spiel : Mädchen + Junge werden 7 Minuten in einen Schrank gesperrt und dürfen dort machen, was sie wollen. Warum das Computer nicht so gut können, darf sich jeder selbst ausmalen. Calvinball ist ein Spiel ohne Regeln aus den Calvin & Hobbes -Comics. Ich würde noch Scharade ergänzen wollen (das darstellen mag vielleicht noch mit Hilfe von YouTube-Videos gehen – aber das erkennen?) und natürlich alle Assoziations/Einschätzspiele.Weitere Vorschläge in die Kommentare :-)

ciao

peer

P.S. Das Einbetten des Comics ist ausdrücklich erlaubt, sofern der Autor (Randall Munroe) und die Quelle angegeben wird.

Peer Sylvester

2 Kommentare

  • Normalerweise trage ich ja gerne weitere Spiele in Geeklists von mir ein. Dieses Mal nicht. Diesen Fall habe ich vor einigen Tagen nachgetragen …
    http://www.boardgamegeek.com/geeklist/68755/plagiarism-games-very-similar-to-others

    Schlagreimlos geht`s weiter: Freeze, bzw. neuerdings „Bühne frei!“ bei Ravensburger sollte von Computern auch eher schwer zu meistern sein …
    „Gelöste“ Spiele gibt es viele (Binnenreim!), Hex von Nash/Hein ist bei kleineren Brettern ebenfalls eine sichere Sache für den Startspieler.

    Bei „Calvinball“ bin ich mir nicht so sicher, da der Computer ja auch für ihn günstige Regeln erfinden könnte – z.B.: Wer nicht blinkt, muss sofort für den Gegner spielen!

  • Ich bin froh, dass du diese Geeklist pflegst. Die ist sehr wichtig. Wenn es hier Links gäbe, würde ich sie als „List of Shame“ eintragen – vielleicht macht das ja die SAZ mal.