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Wo ist mein Popcorn?

Avatar ist jetzt der Film, der das meiste Geld eingespielt hat (ohne Inflation, berücksichtigt man die, ists wohl immer noch “Vom Winde verweht” ). Wer sich dafür interessiert. weiß es vermutlich schon, aber das ist egal, ist ja keine Filmseite hier! (Deswegen schreibe ich auch nicht meine Meinung über Avatar – Tolle Effekte, wirklich glaubhafte, atemberaubend aufgebaute Welt (nur die Tiere sind mir zu bunt), aber eine Story, die so vorhersehbar ist, als wäre der Subtext in jeder Szene eingeblendet. Insgesamt 3 von 5 Punkten – guter Popcornfilm, wenn man nix fürs Hirn erwartet)

Für mich interessant ist eher die spielerische Seite. Das Verhältnis von Filmen und Brettspielen ist ja doch eher gemischt. Gerade bei den Blockbustern gibt es das Problem, dass die Lizenzgebühren meistens doch sehr hoch sind. Harry Potter z.B. hat so manchen Spielzeugmacher in pleitenähe getrieben; die Lizenzgebühren sind so hoch, dass kaum noch ein Gewinn zu erzielen ist. ET hat damals Atari gegrillt (Die Firma wurde verkauft, Millionen von ET-Videospielen wurden in der Wüste von New Mexico zerstört – nein, das ist kein Mythos!). Und so wird auch Avatar zwar eine Menge Merchandising, aber kaum Brettspiele nach sich ziehen (Anders als z.B. New Moon, das von Kosmos bedient wird). Das ist vielleicht auch gar nicht schlecht, denn schlechte Filmumsetzungen gibt es bereits genug (wobei die Story durchaus Platz für Spiele gelassen hätte: Ein Coop für die grobe Filmhandlung, plus zahlreiche Möglichkeiten für Teilspiele: Das Reiten der Flugsauerier,  das tägliche Sammeln von Beeren…)

Damit ein Film Brettspieltauglich ist müssen vor allem zwei Faktoren stimmen:

1.) Die Lizenzen müssen günstig sein. Am besten gibt es gar keine. Spiele können z.B. problemlos ein Titanic-Thema haben (wurde damals auch ausgenutzt), denn die Titanic ist ja nicht an den Film gekoppelt. King Kong ist überraschenderweise auch lizenzfrei, das hatte ein Gericht in den USA entschieden (ob die Entscheidung auch für Europa gilt, weiß ich aber nicht).

2.) Das Spielthema muss spielerisch was bieten. Wie auch bei Büchern gibt es geeignetere und weniger geeignetere Filme für eine Spieleumsetzung. Vor allem muss man sich fragen: Was macht den Film aus? und: Ist das spielerisch umzusetzen? Eine Liebesgeschichte ist z.B. kaum umsetzbar. Auch Filme die übermässig verstrickt sind (z.B. Primer)  können kaum adäquat umgesetzt werden. Gut geeignet sind dagegen Filme, bei denen der Held etwas erreichen muss, natürlich Detektivfilme (Hercule Poirot z.B.) oder Filme mit einem prominenten Gegenspieler, denn gegen den können die Spieler (gemeinsam oder individuell) antreten – z.B. “The invisible Man”. Interessante Settings sind auch für Brettspiele interessant: Titanic ist ein solches, da sich das Spielende und Spannungskurve automatisch ergibt (dass es dennoch kaum gute Titanic-Spiele gibt hat wohl andere Gründe ;-) )

Warum gibt es relativ gesehen wenig Filmumsetzungen? Es ist nicht nur die Lizenz, denn Lizenzen zu älteren Filmen (wie “Vom Winde verweht”) dürften durchaus bezahlbar sein. Das Problem ist eher, dass die Zielgruppe als zu eingeschränkt gelten dürfte. Ich hatte Stefan Stadler mal nach Spielen zu Buchlizenzen gefragt und er meinte, es komme sehr, sehr selten vor, dass ein geeignetes Spiel eingereicht würde. Zum einen beschränken sich die Autoren ja selbst, wenn sie sich auf eine Lizenz festschreiben. Zum anderen ist da noch die Verlagsseite: Das Spiel muss gut genug sein, um überhaupt für eine Veröffentlichung in Frage kommt. Und dann muss die Lizenz eben auch verfügbar und bezahlbar sein (Die Wüstenplanetlizenz ist z.Z. vergeben, daher wird die Neuauflage von Dune nicht auf dem Wüstenplaneten spielen). Und dennoch müsste der Film bekannt genug sein (was schon fast ein Wiederspruch in sich ist) und darf die Zielgruppe nicht einschränken, sollte also auch Nicht-Filmfans ansprechen. Hinzu kommt noch die kurze “Halbwertszeit” von Filmen: Der Film muss noch in aller Munde sein, wenn das Spiel erscheint. Das lässt aber kaum Zeit, für eine Entwicklung. Klappen kann das nur mit Standard-Spielen (wie Quizs) oder wenn der Film seine Schatten lange genug voraus geworfen hat (wie bei Herr der Ringe). Oder es sind Filme zu Klassikern. Wobei die Frage wäre, ob ein E.T.- oder “Der weiße Hai” – Spiel heute noch zünden würde (Ich bin mir da echt unsicher, tendiere aber eher dazu, die Frage zu verneinen, es sei denn das Spiel wäre echt gut).

Letztlich glaube ich aber auch, dass es wenige Filme gibt, deren Verspielung mich wirklich reizen würde. Star Wars – Klar. Vielleicht auch Herschaft des Feuers und noch 1 bis 2 weitere Filme mit interessantem Setting (wie Postman, wobei das Buch da im Gegensatz zum Film recht gut war). Aber es gibt bedeutend mehr Bücher, deren Umsetzung ich erwarten würde – womit ich wohl nicht alleine stehe…

ciao

peer

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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6 Kommentare

  • Hallo Peer,

    warum möchtest Du den Bereich Film-Verspielungen fördern und bleibst nicht im bereit ausreichend schwierigen Bereich Literatur-Umsetzungen?

    Beispiel Twilight – Bei beiden Spiele zum Film hat Kosmos es nicht geschafft, sie zum Filmstart zu veröffentlichen. Zudem gab es Exklusiv-Lizensen für die Edeka-Märkte. Ist dieses Konzept anstrebenswert für einen Disigner?
    Anspruch ist eigentlich keiner gefordert. Es zählt nur der Wiedererkennungswert, damit sogar die Oma was erkennt, zu grabscht und das Enkel mit dem Schnäppchen (zweifelhaft) beglückt.

    (Trotz alle dem werde ich mich im Juli zum dritten Teil von Twilight wieder mal ins Kino stellen und die Gäste mit Spielverlosungen verwöhnen.
    http://aiblinger-zockerbande.de/kinopraesentationen.htm )

    Ich meine, dass die Literatur-Umsetzungen für den Autor reizvoller sind. Es ist nicht reines Merchandising, wo nur ein Fan-Artikel hergestellt wird, um eine Nachfrage zu befriedigen. Die Literatur-Umsetzung kann in der Regel auf eine langfristge Nachfrage rechnen.
    Was hier der größere kommerziellere Erfolg ist, weiss ich nicht zu beurteilen? Hier fehlen mir die Kenntnisse von Zahlen.
    Aber es sind doch wohl eher Spiele wie Herr der Ringe, Tintenherz oder Säulen der Erde die zufriedenstelende Auflagezahlen zusammen bringen und nachproduziert werden.

    Liebe Grüße

    Nils
    http://aiblinger-zockerbande.de

  • Hast Du meinen letzten Absatz gelesen? ;-)
    Ich denke allerdings schon, dass es (einige wenige) Filme gibt, die ein interessantes Spiel ergeben können. Seien es Spielwelten wie James Bond, Star Wars oder Indiana Jones oder gar konkrete Dinge wie eben Avatar (asyymetrisches Zweier: Einhimische gegen Militär) oder Herrschaft des Feuers.
    Anspruch darf es eben nicht sein, Merchandising zu produzieren, sondern ein interessantes Spiel. Aber aus o.g. ist das natürlich schwer, da geb ich dir recht… Obwohl ein “Ritter-der-Kokosnuss-Spiel”, dass den Geist des Filmes aufgreift wäre was feines… :-)

  • Hallo Peer,

    das Unternehmen Filmthemen zu verbraten, wurde sich bereits ein Mal getraut und ist nach zwei umgesetzten von drei Projekten eingestellt worden. Der von Dir geschärtzte Autor Teuber wagte, sich als Held in diese Bresche zu werfen. Wenn Du Dir die Schachtel von Im Reich der Jadegöttin anschaust, entdeckst Du darauf die Silluette eines Männerköpfes mit breitkrempligen Hut. :knall:
    Leider war des Konzept mit dem ausschließlichen Vertrieb über Vedees ein Rohrkrepierer.
    Viel besser erging es auch nicht dem zweiten Spiel der Reihe – Im Reich der Wüstensöhne. Da hat auch kein Anheben des Anspruch was geholfen. (Ja, ich mag das Spiel.)
    Der dritte Teil Im Reich der Dämonen wird nicht mehr realisiert.
    Ich meine, hier wurde schon versucht, vertraute Filmthemen (natürlich lizenzfrei) zu belegen. Trotz professionellem Umfeld (Kosmos) hat das Konzept den Verbraucher nicht erreicht.
    Aber vielleicht ist es doch eher eine Domäne von FFG, Heidelberger und Pegasus. Da ich weiß aber halt auch nicht von welchen Auflagen dort zu sprechen ist.
    Ich bin gerade von der Mystery Rummy Reihe (Fitzgerald) angetan. Zähle aber auch noch Wyatt Earp und Bonnie und Clyde dazu. Wurde alles auch schon verfilmt. Aber kommen die Spiele richtig gut an? Und sind sie kommerziell als erfolgreich hervorzuheben?

    Liebe Grüße

    Nils
    http://aiblinger-zockerbande.de

  • Ich denke was fehlt ist ein Verwertung von Serien (außer Kinderserien vieleicht). Mir ist auf Anhieb nicht bekannt wie viele Serien je umgesetzt wurden (habe zu Hause aber mieses “Friends”-Spiel, und für Haus von Anubis gibt es da ja auch gerade was). Es würde aber die Problematik lösen, dass die Marke schnell wieder durch ist. Es gibt genug Serien, welche mehrere Jahre laufen mit entsprechendem Erfolg und wo eine entsprechende Serie auch ein Spiel hergeben würde.

  • @Nils: Das die beiden Entdecker-Prinzip-Spiele Flops waren lag nicht nbedingt am Filmthema. Zum einem hätte ich beide Spiele nicht mit Filmen assoziiert (dafür gbts zu viele Spiele mit Wüsten/Aztekentempeltehemen), die Themen waren also nicht klar umgesetzt, zum anderen kann der Misserfolg auch daran gelegen haben, dass “Entdecker-Szenarien” einfach zu wenig Leute reizt. Ich z.B. brauche keine Szenarien für Entdecker.
    Die Rummy-Spiele laufen gut in den USA, Battlestar Galactica hat sogar -soweit ich das herausfinden konnte – eine sehr ordentliche Auflagenhöhe jenseits der 10.000 erreicht. Das zeigt, dass Filmthemen durchaus erfolgreich sein können….
    @ Matthias: Zweifellos – Siehe Galactica. Nur gibt es wohl noch weniger geeignete Serien als Filme ;-) Aus einer Sitcom kann man kaum ein vernünftiges Spiel schnitzen…

  • Wobei eine Sitcom auch durchaus beim Spieleverkauf helfen kann (Ich meine jetzt nicht aus einer Sitcom ein Spiel zu machen sondern ein Spiel in einer Sitcom einzuführen). In Holland gibt es wohl eine recht bekannte Sitcom wo die Akteure öfter mal mit dem Spiel “Rolit” von Goliath zu sehen sind. Dadurch verkauft sich das Spiel wie Butter&Brot hab ich mir sagen lassen, den jeder will das SITCOM-Spiel.