Verlagsvorstellung Maxveld Games

Unsere Reise durch die Kleinverlage geht weiter! Maxveld Games ist ein amerikanischer Kleinverlag, der im Moment versucht, sein erstes Spiel, God Dice, in Europa zu vetreiben. Ich hab mit dem Verlagsgründer Rick Maxey gesprochen und brav mein Rezensionsexemplar gespielt (Ersteindrücke weiter unten)!

Bitte stelle Dich doch kurz unseren Lesern vor!

Hallo! Ich heiße Rick Maxey und bin ein Brettspieler, der die Idee zu God Dice einfach nicht vergessen konnte und daher seinen Verlag, Maxveld Games LLC, gegründet hat. Maxveld Games wurde 2008 in Salt Lake City, Utah gegründet und das erste Spiel (God Dice) kam zum Gen Con Indy 08 heraus.

Bitte erzähle uns mehr über God Dice!

God Dice (Der Arbeitstitel war übrigens “Doppelgaenger”) entstand aus dem Wunsch nach einer epischen Fantasy-Schlacht, die ohne den ganzen Aufbau auskommen sollte. I wollte ein schnelles Spiel spielen, dass mit meinen gelegenheitsspielenden Freunden gespielt werden konnte. Diese angestrebte Einfachheit war also die treibende Kraft. Nach Jahren der Entwicklung des Grundmechanismuses und des Ausbalancieren durch Testspiele erblickte God Dice das Licht der Welt.
God Dice ist ist ein strategisches Würfelspiel für 2-4 Spieler (ab 8 Jahren) wo die Spieler eine Gruppe von Fantasycharakteren auswählen und miteinander kämpfen bis nur noch einer steht. Die Charakterklassen, die zur Auswahl stehen sind Held, Kleriker, Mönch, Bogenschütze, Magier und Assassine. Jeder Spieler wählt einen Charakter aus, bis alle ein Team aus vier Charakteren (drei zu viert) zusammenhaben. Jede Klasse hat dabei ihre eigenen Spezialfähigkeiten: Der Kleriker kann heilen, der Assassine hat das Potential jeden anderen Spieler mit einem Schlag zu töten.
Das Spiel enthält natürlich alles was man zum spielen braucht: 9 Spezial-Angriffswürfel, 2 God Dice, 12 Charakterkarten, 12 Lebensaenergieanzeiger und 5 Counter, die zum Festhalten der neu geworfenen Würfel dienen.  Das Besondere an dem Spiel sind die namensgebenden God Dice. Die beiden Würfel werden am Anfang jedes Kampfes gewürfelt und können dramatische Konsequenzen haben; So ist es zum Beispiel möglich, dass die Götter den Gegner schon vor dem Kampf zu Staub zermahlen oder einfach nur den eigenen Kämpfer begünstigen.
Letztlich ist God Dice ein Prügelspiel mit viel Schadenfreude und gegenseitigem Ärgern mit einer Spieldauer von 40 Minuten. Mehr Infos gibt es auf Boardgamegeek.

Was hast Du für die Zukunft geplant?

Im Moment arbeite ich an einer Brettspielversion von God Dice mit Monstern, Schätzen, Magischen Gegenständen und einem Spielbrett, dass echte Dungeon-Crawler-Stimmung erzeugen soll. Außerdem arbeite ich an einem komplexeren Vampir-Strategiespiel und hoffe da bald einen funktionierenden Mechanismus für zu haben.

Was den Verlag betrifft arbeite ich zur Zeit an einer Vertriebnsmöglichkeit für Kanada und Europa. Ich werde 2009 wieder aug der Gen Con Indy sein und einige God Dice Wettbewerbe veranstalten, wer also Zeit hat…

Was hat dich dazu bewogen einen Verlag zu gründen? Bist du mit dem Ergebnis zufrieden?

Ich habe mich für die Verlagsgründung entschieden, nachdem ich mir ausgerechnet hatte, was die Entwicklung und Vertrieb kosten würde. Dann wurde mir klar dass ich das Spiel machen kann ohne die Gefahr zu viel Geld zu verlieren. Das Witzige war dass ich das Kapital für die Produktion aus meinen Aktien bekommen habe und ich damals Angst hatte, ich würde mein Erspartes aufs Spiel setzen.  Im nachhinein hatte ich natürlich unglaubliches Glück, dass ich das Geld nutzen konnte, denn jetzt wäre es unwiderbringlich verloren gewesen.
Die Vorteile der Selbstveröffentlichung sind die komplette Kontrolle über das Produkt und der Luxus dann zu arbeiten, wenn man kann und will. Wenn ein Verlag Dein Spiel macht besteht die Chance, dass es am Ende doch nicht veröffentlicht wird oder dass es Jahre dauert, bis es tatsächlich produziert ist. Der Nachteil ist dass Du lernen musst ,ein Geschäft zu führen, gleichzeitig deinen normalen Job zu behalten und eine Zielgruppe für dein Spiel zu interessieren. Wer ein Spiel produzieren will, sollte genug Geld haben, um es ohne Kredit zu finanzieren, denn das Geld kommt nur langsam wieder zurück.
Bin ich zufrieden mit dem Ergebnis? Ich würde sagen, ja! Zum einen war es möglich mein Produkt innerhalb von 7 Monaten zu produzieren (der erste Schritt war die Beschäftigung eines Graphikers). Was meine Investitutionen betrifft, so war mir klar, dass es einige Jahre dauern kann, bis sich eine Fanbasis gebildet hat und ich bin optimistisch, dass ich die erste Auflage komplett verkaufen kann.

Hast Du noch einen Rat für andere, die ebenfalls einen eigenen Verlag gründen wollen?

Wie gesagt: Der entscheidende Faktor sollte sein, ob man es sich leisten kann. Wenn ja habe ich ein paar Tipps: Als ich God Dice entwickelt habe, habe ich mir viele Gedanken gemacht, wie man die Teile besser nutzen kann und wo sich was einsparen lässt, so dass alles billiger in der Produktion wird. Das Spiel sollte preislich auf jeden Fall erschwinglich sein! Der beste Rat ist aber ständig auf Messen und im Internet präsent zu sein und die Zielgruppe anzusprechen. Letztendlich läuft alles darauf hinaus, wie weit du die Bedürfnisse der Spielewelt befriedigst!
Ein schönes Schlußwort! Vielen Dank für das Interview!

God Dice

Wer God Dice in Deutschland kaufen will, muss bislang in den USA direkt auf der Herstellerseite bestellen.
Max war so freundlich mir ein Rezensionsexemplar zu schicken und das habe ich mir näher angesehen:
Die Schachtel macht schon einmal einen höchst professionellen Eindruck. Auch das Material in der Schachtel kann sich sehen lassen, aber Counter und Würfel verraten hier schon eher, den Kleinverlagsstatus des Spieles. Aber schlecht ist das nicht, was hier geboten wird, auch der Preis ist in Ordnung. Die wirklich schön gezeichneten Charakterkarten sind ebenfalls gelungen. Wie spielt es sich? Wie bereits gesagt ist God Dice ein Prügelspiel und ein glücksabhängiges dazu. Das sollte man schon einmal vorab wissen. Was gut gelungen ist, ist der Würfelmechanismus: Die Würfel zeigen  drei verschiedene Symbole sowie zwei Fünfen und eine Null. Die Symbole geben in bestimmten Kombinationen Angriffe vor, die Zahlen (also die Fünfen) sorgen für den Schadenswert. Das Ziel ist also eine Kombination zu würfeln (als Angriff) und dann alle anderen Würfeln die “5” zeigen zu lassen. 5 Nullen sind übrigens ein Joker. Der Witz ist jetzt, dass man einmal in seinem Zug einmal alle Blitzsymbole, einmal alle Kraftsymbole, einmal alle Magiesymbole, einmal alle Fünfen und einmal alle Nullen erneut werfen darf – in beliebiger Reihenfolge! Hier kommt tatsächlich Taktik und Zock ins Spiel: Würfel ich jetzt die Fünfen neu und hoffe auf eine gute Kombination? Oder behalte ich die – es sind gerade recht viele – und hoffe, dass ich mit den anderen Würfeln eine Angriffskombi erreichen kann? Gemeinerweise müssen immer ALLE Würfel des Typs geworfen werden und das sind oft mehr als man will. Der Kampfmechanismus ist also echt topp. Längerfristige Taktik kommt erst mit mehr als 2 Mitspielern ins Spiel, denn dann ist die Reihenfolge viel wichtiger, in der man die Gegner angreift. Man darf nämlich immer nur den linken Nachbarn angreifen, will den aber nicht zu sehr schwächen, denn der soll ja den eigenen rechten Nachbarn aus den Weg räumen.
Allerdings macht sich spätestens zu viert ein Nachteil des Spieles bemerkbar: Wer nicht dran ist, kann nichts tun, nichts planen, kann eigentlich aufstehen und sogar Kaffee kochen – Die Wartezeiten in Vollbesetzung können (bis die ersten Helden einknicken) recht lang werden. Zu dritt ist das nicht ganz so übel, da hängt es ein wenig von der eigenen Begeisterungsfähigkeit ab, ob man durchhält. Zu zweit weiß God Dice innerhalb der Zielgruppe aber durchaus zu gefallen. Kein Spitzenhit, aber imho deutlich besser als z.B. Button Men. Ich kann mir vorstellen, dass es seine Freunde finden wird!
ciao
peer

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

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