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Zombie Kidz Evolution

Verlag: Le Scorpion Masque / Asmodee
Autorin: Annick Lobet
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 7 Jahre (6 geht auch schon problemlos)
Spieldauer: 5 – 15 Minuten

2013 erschien mit Zombie Kidz ein einfaches kooperatives Kinderspiel. Die große Stärke des Spiel war, dass es in vier  Sätzen erklärt werden konnte: 1.) Das Spiel ist kooperativ und zum gewinnen müssen alle vier Friedhofstore geschlossen werden. 2.) Wer dran ist bringt zuerst per Würfel einen neuen Zombie aufs Brett, setzt dann optional auf ein Nachbarfeld und metzelt alle Zombies nieder, wo man gerade steht. 3.) Sind zwei Spieler gemeinsam auf einem offenen Torfeld, wird das Tor geschlossen. 4.) Felder mit drei oder mehr Zombies sind blockiert und wenn keine Zombies mehr aufs Spielfeld können, endet das Spiel mit einer Niederlage.

Die Herausforderung war ganz nett und man musste schon ein bisschen abschätzen, ob man was riskieren möchte oder nicht, aber wenn man den Dreh erst einmal raushatte (was höchstens zwei Partien dauert), merkt man, dass in erster Linie der Würfel über Wohl und Wehe entscheidet und dass die Einfachheit hier eben auch bedeutet, dass man bald alles gesehen hat und das Spiel etwas schal wirkt. Entsprechend ist die aktuelle BGG-Bewertung (von der ich ja ungemein viel halte, wie meine Leser wissen) eine müde 5,8.

2019 kam in Deutschland jetzt Zombie Kidz Evolution heraus. Abgesehen davon, dass das Geschehen jetzt in eine Schule verlegt wurde und der Spielplan anders aussieht (aber topologisch identisch ist) ist diese Version regeltechnisch exakt dieselbe. Die BGG-Wertung liegt bei 8,0 (so viel dazu) – damit ist Zombie Kidz Evolution das laut Boardgamegeek ZWEITBESTE KINDERSPIEL ALLER ZEITEN!!1!. Wie konnte das passieren?

Das Zauberwort ist „Evolution“ und das bedeutet so viel wie „Legacy“. Ja, bei dieser Version von Zombie Kidz dürfen Aufkleber geklebt und so Regeln verändert werden. Das ändert wortwörtlich alles!

Ganz nüchtern betrachtet ist die „Legacysierung“ eines einfachen, schnellen Spieles tatsächlich eine ziemlich gute Idee: Ein Spiel das schnell gespielt ist, kann problemlos mehrfach hintereinander gespielt werden und so kommt man schneller und problemloser in den Genuss Umschläge öffnen zu dürfen – und die Neugier macht ja durchaus einen Teil des Reizes eines Legacyspieles aus. Ein Spiel mit einer einfachen Struktur kann zudem leichter manipuliert werden, ohne dass die Balance zum Teufel geht und man muss sich nicht Hundertausende Regelfeinheiten merken, die sich unter Umständen vielleicht über mehrere Partien hinweg geändert haben könnten. Tatsächlich bleibt Zombie Kidz Evolution auch mit den drei Regelstickern, für die Platz im Regelheft ist, im Wesentlichen Zombie Kidz. Das Ein- und Aussteigen von Geschwistern, Cousinen, Basen und anderen Mitspielern ist und bleibt problemlos. Stickern macht Kindern Spaß und gestickert werden darf sogar jede Partie, gewissermaßen zum Nachhalten des „Ich habe gespielt!“. Wurde gewonnen, darf man sogar ein „Archievement unlocken“ wie es so schön heißt (im Spiel heißt das „Missionen erfüllen“), was bedeutet, dass man zwei Sticker aufkleben darf – und das bedeutet man kommt auf der „Fortschrittsleiste“ zwei Felder statt einem Feld vor und das ist gut, denn hier sind alle paar Felder Umschläge aufgezeichnet. Werden die erreicht, darf man Umschläge öffnen und das ist ja irgendwie das Highlight eines Legacy-Spieles. Häufiges gewinnen sorgt also für schnelles Vorkommen und für neuen Krams. Nicht nur für Kinder eine hohe Motivation!

Zombie Kidz Evolution macht also vieles richtig im Legacy-Bereich und nicht umsonst haben wir Zombie Kidz Evolution anfangs fast täglich gespielt.

Leider wirft Zombie Kidz das Erreichte durch einige weniger gute Ideen wieder um und daher liegt die letzte Partie mittlerweile schon einige Wochen zurück…

Wie oben schon geschrieben ist das schnelle Spielen für ein Legacy-System richtig knorke: Zack-Zack-Zack und man darf einen Umschlag öffnen. Das Problem ist: Selbst wenn es optimal läuft -also in jeder Partie gewinnt und eine Mission erfüllt – bräuchte man 20 Partien, da das kaum gelingen dürfte, in der Praxis aber deutlich mehr. Zumal man hinten raus auch nicht mehr in jeder Partie eine Mission erfüllen kann und dann trotz Sieg nur ein Feld auf der Fortschrittsleiste schafft – ganz so als hätte man verloren, was sich komisch anfühlt. 54 Felder sind verdammt viel um sie zu überbücken, vor allem weil nach der Hälfte klar ist, was in den verbleibenden Umschlägen wohl drin ist (wenn auch nicht in welcher Reihenfolge der zu erwartende Krams kommt).

Bei einer so großen Zahl macht sich dann auch wieder das simple Grundkonstrukt bemerkbar, dass hier auch mit den Zusatzregeln nicht wesentlich verändert wurde. Es kommen kleine Details dazu, die vor allem die Kinder thematisch freuen, aber es passiert nichts weltbewegendes neues. Bis auf kleinere Verschiebungen in den Schwerpunkten und im Würfelglück spielt man eben bis zum Ende quasi „Zombie Kidz mit Mini-Erweiterungen“ und da bietet das Spiel einfach zu wenig für die gut 30 Partien, die man realistischerweise schon veranschlagen muss. Ich vermisse hier etwas den Mut etwas wirklich neues einzufügen – und sei es nur eine Geschichte, die weitererzählt wird.

Trotz dieser Kritik muss man natürlich sagen, dass die Schwachpunkte die Stärken nicht völlig neutralisieren – Zombie Kidz bleibt für eine flotte Würfelei zwischendurch gut. Das zweitbeste Kinderspiel aller Zeiten oder auch nur der letzten paar Jahre ist es aber mit Sicherheit auch nicht – da hätte es mehr Mut bedürft, um entweder wirkliche Änderungen am Grundsystem zuzulassen oder das Spiel nach bereits 20 Partien abzuschließen. Ein Ende zur rechten Zeit hätte hier viel mehr Good Will erzeugt, zumal man das Spiel nach Kampagnenende ja problemlos weiterspielen kann. Im nachhinein wird man sich daher leider eher daran erinnern, dass die Partien zunehmends verflachten und sich das Ende mehr und mehr zog, statt an die euphorischen ersten Partien. Was schade ist.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
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