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Simon Flash

Verlag: Hasbro
Autor: keine Angabe
Spieleranzahl: 1
Spieldauer: 5 Minuten

Senso schaffte es 1979 auf die Auswahlliste zum Spiel des Jahres. Warum auch immer. Ganz ehrlich, ich fand das Spiel damals bereits nicht so wahnsinnig aufregend. Sicherlich: Dieser kurze Memorytest in welcher Reihenfolge die Farben aufblinkten war beim ersten Mal ansehen ganz interessant. Aber mehr als zweimal hintereinander? Niemals! Der Wiederspielreiz verflog deutlich schneller als eine Lebensversicherungsprämie für Eintagsfliegen. Die begeisterte Stimmung aus dem Senso-Werbespot jedenfalls habe ich in meinem ganzen Leben nie live erleben dürfen. Für mich war Senso immer ein Kind seiner Zeit, als die Brettspielbranche erste Gehversuche mit Elektronik machte (aus der Epoche stammen auch „Stop Thief“ und „Atlantis – der schwarze Turm“, die deutlich mehr auf dem Kasten hatten, wenngleich auch diese Spiele heutzutage schwer veraltet wirken).

Der Leser mag sich also meine Freude vorstellen, als ich feststellen durfte, dass Senso ‑ jetzt unter dem internationalen Namen „Simon“ – wieder zurück ist. Und das im Zeichen der Smartphones und i-Pads, in denen Blinklichter gerade einmal meine dreijährige Tochter hinter dem Esstisch hervorlocken können.

Die neue Form basiert auf den quadratischen Würfeln, die sich gegenseitig erkennen können und die bereits in „Boggle Flash“ Verwendung fanden. Hier sind sie aber eher noch sinnloser, denn beim klassischen Senso/Simon-Spiel, ist die Reihenfolge, in der die Würfel liegen ja egal – es geht ja nur darum die Lichter in der richtigen Reihenfolge zu drücken. Und das macht immer noch genauso viel Laune wie Anno Dunnemal (Falls das jemand nicht mitbekommen haben sollte: Das war sarkastisch gemeint). Eher sogar noch weniger, denn manchmal registrieren die Knöpfe hier das Drücken nicht und dadurch registriert die Maschinerie mehr Fehler als gemacht wurden.

Ok, abgehakt. Sicherlich bieten die Würfel noch mehr?

Sicher! Im „neuen“ Simonmodus blinken die Lichter nicht mehr, sondern bilden eine Reihenfolge, die wiederhergestellt werden muss. Sich die Reihenfolge von vier Farben zu merken klingt nicht sonderlich anspruchsvoll? Genau!

Dann gibt es noch zwei „reine Solospiele“ (Wie man die Sensovarianten mit mehreren sinnvoll spielen kann, verrät die Anleitung nicht. Ich tippe auf: „Du merkst dir die ersten beiden Lichter, und ich die anderen beiden“). Hier gilt es einen „Code zu knacken“, sprich die Lichter in eine bestimmte Reihenfolge zu bringen (davon zwei Varianten, einmal bleiben die Farben erhalten, einmal nicht). Das klang erst einmal interessant, aber trotz zahlreicher Versuche habe ich noch keine bessere Methode gefunden, als „Blindes Probieren“.

Ich will mir nicht nachsagen lassen, ich hätte es nicht probiert. Oder ich wäre ein negativ eingestellter Mensch. Ich habe Simon Flash in allen Varianten in allen möglichen Konstellationen mit mehreren Personen ausprobiert und die einzige, die das Spiel einigermaßen interessant fand, war tatsächlich meine dreieinhalbjährige Tochter. Die fand die Farben schön, aber selbst die spielte lieber mit dem System herum, als tatsächlich das Spiel zu spielen. So ein richtiges Spiel haben wir hier nicht. Simon Flash ist nichts anderes als ein Spielzeug; die angebotenen Varianten sind im Jahre 2012 schlicht nicht mehr zeitgemäß. Jedes Browsergame, jede App, die man umsonst bekommt bietet mehr Spielddesign. Man merkt Hasbro förmlich an, dass sie irgendwas mit diesen coolen Würfelsystem anfangen wollen – aber leider nicht wissen was.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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