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Sector 41

Verlag: Scimitar Games
Autoren: Michael Lachtanski und Dave Long
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 8 Jahre
Spieldauer: 60-90 Minuten

Der Verlag hat mir ein Rezensionsexemplar geschickt. Das kommt vor. Diesmal wollte einer der Autoren aber sicher gehen, dass ich die Rezi ja auch erst nach einer ausreichenden Anzahl an Partien verfasse. Er wusste schon warum!

Bei Sector 41 geht es darum, mit seinen Erkundungsraumschiffen über eine zufällige Auslage an Plättchen zu ziehen und Scheiben mit Glynium (romulanisch für „Siegpunkte“) einzusammeln. Diese Plättchen müssen aber erst erkundet, also aufgedeckt werden. Und jedes Plättchen zeigt eines von 22 verschiedenen Weltraumphänomenen und jedes Phänomen hat eine andere Wirkung auf das Raumschiff: Sonnenstürme bewegen es, Wüstenplaneten blockieren es und schwarze Löcher zerstören es gar. Und das sind erst drei Plättchen. Die meisten sorgen für irgendeine Art von Bewegung und schubsen das kleine Erkundungsschiff hin und her, bis es irgendwann auf einem Plättchen landet, wo keine Bewegung mehr stattfindet oder möglich ist.
Hat es dann irgendwann einen Planeten mit Glynium erreicht (und vorher gefunden – wie gesagt sind am Anfang alle Plättchen verdeckt), muss noch die Rückreise angetreten werden. Und die muss über offene Plättchen gehen, denn wer Glynium transportiert darf damit nicht in unbekannte Gebiete fahren. Eine schöne Regel, um Glücksritter in ihre Schranken zu weisen.

Als Start- und vor allem Zielpunkt fungieren die Mutterschiffe der Spieler, die sich nur an einer Kante der Spielfläche aufhalten dürfen, die Plättchen selbst also nicht betreten können. Dafür haben sie noch einen Spezialtrick drauf: Sie können die Plättchenspalte oberhalb ihres Schiffes um ein Plättchen nach oben verschieben – das oberste Plättchen landet dann in der untersten Reihe, also direkt vor dem Mutterschiff. Die Verschiebeaktion bringt zwar potentielles Glynium in der Regel dichter zum Gegner (es sei denn, es liegt in der letzten Reihe), dient aber in erster Linie dazu, Kettenzüge vorzubereiten: Hätte mich vorher der Sonnenwind neben meinem Erkundungsraumschiff in ein Asteroidenfeld geführt, so zeigt er nach der Verschiebung auf einem Pulsar, mit dem mein Explorer direkt über einen Leitstrahl (ein weiteres Plättchen) zum Mutterschiff bugsiert wird.

Von solchen Zügen lebt das Spiel, aber ein solcher Zug wird bei der ersten Partie noch kaum gelingen. Zwar reicht es völlig aus, wenn man Neulingen die Plättchen in dem Moment erklärt, wo sie erstmals auftreten, aber um die Verschiebeaktion und die Wirkungsgeflechte der Plättchen untereinander nutzen zu können, sollte man jedem Plättchen dessen Funktion sofort zuordnen können. Und dazu sind mehrere Partien nötig. Die Graphik auf den Plättchen sieht zwar wirklich gut aus (anders als das Cover, das eher wirkt wie gewollt, aber nicht gekonnt), lässt aber nicht intuitiv auf die Funktion schließen. Und das erschwert das Hineinkommen in die erste Partie.

An diesem Punkt muss ich sagen, dass mir Sector 41 wirklich gut gefällt. Das überrascht mich nicht wirklich, denn ich liebe diese Spiele, bei denen man den besten Zug suchen muss. Expedition von Wolfgang Kramer ist hier der Primus – Sector 41 ist regeltechnisch weniger elegant, erlaubt dafür aber noch mehr Überraschungen. Allerdings ist es auch brutaler, denn gegnerische Raumschiffe können zurück zum Mutterschiff geschickt werden. Und das erhöht die Einstiegshürde noch etwas und auch die Spieldauer. Und gerade die liegt in Vollbesetzung doch etwas über der Zeit, die ich für so ein Spiel einplanen möchte. Damit die Zeit überhaupt im Rahmen bleibt, gibt es noch zwei Kunstgriffe: Zum einen eine neutrale Figur, die am Anfang beim Aufdecken der Plättchen hilft und am Ende Plättchen aus dem Spiel nimmt. Zum anderen eine Schlagverbotsregel, die so abstrakt ist und mit dem Holzhammer aufgesetzt wirkt, dass sich mir ihr Sinn (und die korrekte Interpretation) erst bei einem Schreibwechsel mit den Autoren erschloss. Überhaupt ist die Regel sehr kompakt geworden. Zwar steht alles Wichtige drin, aber der eine oder andere klärende Satz hätte nicht geschadet. Und einige Formulierungen sind doch sehr umständlich geraten.

Wem das alles nicht abschreckt, der findet ein durchaus interessantes und letztlich recht abstraktes Denkspiel vor. Es muss etwas Zeit in einige Übungspartien investiert werden, aber dann wird man schnell Gefallen an den möglichen Kettenzüge und Kombinationsmöglichkeiten finden. Der Glücksfaktor ist vorhanden, stört aber nicht. Wäre die Spieldauer etwas kürzer und das eine oder andere Detail eleganter gelöst, hätte ich eine ganz große Empfehlung geben können. Aber auch so zeigt der Daumen klar nach oben!

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
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