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Sanssouci

Verlag: Ravensburger
Autor: Michael Kiesling
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 8 Jahre
Spieldauer: ca. 45 Minuten

Ein Spiel wie Sanssouci stellt einen Rezensenten vor kleinere Probleme: Wie fängt man an? Über das Thema geht es schon mal nicht, denn trotz netter Gartengraphik ist Sanssouci ein im Kern abstraktes Legespiel. Ein abstraktes Legespiel heißt hier sogar „sehr abstrakter Mechanismus, der gar nicht leicht zu erklären ist, schon gar nicht in einer Rezi“. Das Problem beim Mechanismus ist, dass die Spieler einerseits Handkarten spielen, um Plättchen aus der Auslage zu nehmen, um diese Plättchen in ihren Garten zu legen, um die entsprechende Plättchenkategorie zu werten, aber das alles nicht ganz so einfach ist: Die Plättchen liegen nicht irgendwo, sondern auf Farbfeldern. Der Ort, wo ich ein Plättchen hinlegen kann, wird nicht nur von der Plättchensorte (Spalte) sondern auch von eben diesen Farbfeldern (Reihe) bestimmt. Ich werte nicht immer nur die gelegten Plättchen, sondern baue manchmal einen Weg zu einer anderen Kategorie (die Wertungssteine müssen nur in ihrer jeweiligen Spalte enden, sie können aber über Nachbarfelder gehen. Aber nicht über noch unbesetzte Felder. Sonst würde der Umweg keinen Sinn machen). Und manchmal nicht einmal das: Ist ein Feld bereits besetzt, kann ich das Plättchen irgendwo in derselben Reihe oder Spalte anlegen – aber so, dass der Wertungsstein dort nicht stehen bleiben kann. Dennoch eine sinnvolle Aktion, einmal weil es für das lückenlose Füllen von Reihen/Spalten Punkte gibt und eben weil man dadurch Wege für Wertungssteine schafft. Das ist dabei selbst dann nicht ganz intuitiv, wenn der Spielplan vor einem liegt und daher ist die erste Partie immer eine Kennenlernpartie: Was kann ich machen? Was wenn die Karte nicht passt? Was wenn das Plättchen nicht passt? Die Einstiegshürde mag nicht ganz zu einem Familienspiel passen.

Wenn Thema und Mechanismus sich einer lustigen Beschreibung versperren, hilft oft der Gang über die Emotionen: Was passiert beim Spiel? Nun, alle spielen mehr oder minder vor sich hin (vom gelegentlichen Plättchen, das weggeschnappt wird, einmal abgesehen). Die Emotionen sind: „Schaffe ich es noch?“, „Nein. Mist“ und „Ich habs geschafft!“. Damit gehört das Spiel für mich irgendwie in dieselbe Kategorie wie Don Quixote oder Take it easy – und das obwohl die Spieler gar nicht alle dieselben Plättchen zur Verfügung haben. Aber: all diese Spiele leben vom Nebeneinanderher-Puzzlen und von der Frage, ob Fortuna einem das richtige Plättchen schenkt. Sanssouci ist dabei etwas sperriger, aber nach einer Partie wollten eigentlich fast alle Testgruppen noch eine zweite sofort nachfolgen lassen. Insofern sei dem Spiel verziehen, dass man darüber keine originelle Rezension verfassen kann.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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