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Master Word

Verlag: Scorpion Masque
Autor: Gérald Cattiaux
Spieleranzahl: 2-6
Alter: ab 12 Jahren (ohne Zeitlimit auch schon etwas früher)
Spieldauer: ca. 15 Minuten

Die größte Überraschung bei Master Word ist, wie schwierig es tatsächlich ist.

Damit meine ich nicht die Regeln – die sind tatsächlich in einer Minute gelernt, wie auf der Schachtel behauptet wird. Nein, es gab tatsächlich noch keine Runde, die sich nicht schwer getan hätte, wie gefordert, den gesuchten Begriff zu erraten.

„Begriffe raten“  ist ja nun kein neues Prinzip. In diesem Fall funktioniert das vollkooperativ und nach dem Mastermind-Prinzip: Die Spielenden kennen den Oberbegriff und schreiben unter Zeitdruck passende Eigenschaften oder Kategorien auf (Beim Oberbegriff „Tier“ könnte das z.B. „Fell“ oder „Lebt in Wasser“ sein). Eine Person kennt den Begriff und gibt für jeden Durchgang bekannt, wie viele dieser Kategorien zutreffen, aber nicht welche. Theoretisch schließt man also aus den Antworten, was zutreffen müsste, stellt clevere Fragen und kreist den gesuchten Begriff immer weiter ein, bis man ihn schließlich errät.

Nun, Theoretisch funktioniert auch der Kommunismus. Denn was sich einfach anhört, ist schwieriger als es klingt (wie der Kommunismus). Wenn von 4 Begriffen zwei richtig sind, ist das selten hilfreich und man muss spekulieren. Natürlich kann man sich absprechen, so dass mehrmals eine ähnliche Frage gestellt wird, aber wenn dann die Richtung nicht stimmt, verliert man eine Fragerunde und es gibt nur deren 7. Wie bei vielen Spielen dieser Art muss daher auch bei Master Word erst einmal herausgefunden werden, wie man brauchbare Informationen ermittelt, ergo wie man geschickt fragen kann. Das ist nicht nur eine Frage der Kreativität, sondern erfordert eben auch ein Gespür dafür, welche Fragen zusammenpassen und welche Kombinationen nicht weiterhelfen. Bis der Punkt erreicht ist, kann Master Word durchaus auch ein bisschen frustrieren, da man das Gefühl hat, sich in konzentrischen Kreisen um einen eigentlich gar nicht mal so schwieirgen Begriff herumzubewegen. Das wird noch verstärkt da  man oft schon eine gewisse Vorstellung hat, um was es geht, aber eben nicht genau und sich etwas hilflos ist, wie man sich dem Ziel jetzt weiter nähern kann.

Das alles wird mit Erfahrung freilich einfacher. Das wurde von Entwicklungsseite antizipiert und so steigen die Begriffe immer weiter im Schwierigkeitsgrad – was freilich bedeutet, dass es an Runden mit fluktuierenden Mitspielenden besonders hohe Herausforderungen stellt. Das Problem wird durch den kooperativen Charakter, der Absprachen ausdrücklich erlaubt, abgeschwächt, kann aber auch bedeuten, dass einer das Geschehen an sich reißt und allen anderen Fragen vorschlägt. Da fordert Master Word ein gewisses pädagogisches Grundgespür von der Gruppe, sonst zieht sich jemand als Befehlsempfänger zurück und guckt defacto nur zu.

Eine interessante Frage ist auch, inwieweit „inoffizielle Hinweise“ genutzt werden dürfen oder gar sollen. Die Person, die den Begriff kennt und die Eigenschaften bewerten soll, muss tatsächlich überraschend häufig um Präzisierungen bitten („Bedeutet ´Lebt in Europa´: Lebt es ausschließlich in Europa?“) und gelegentlich sogar mal das eine oder andere googeln, um nicht versehentlich falsche Informationen zu streuen (was tödlich sein kann). Das sind Informationen, die bewusst zu ignorieren, anstrengend ist, aber dessen Verwendung sich auch nicht ganz korrekt anfühlt. Wirklich zu vermeiden sind die aber nicht – zumindest nicht mit dem schlanken Regelwerk, das Master Word zugrunde liegt.

Der Weg zum Meister-Wort beginnt nicht umsonst erst mit 12 Jahren. Obwohl es so harmlos daherkommt, beruht Master Word am Ende des Tages auf Überlastung: Karten mit Kategorien müssen gelesen und miteinander in Beziehung gesetzt werden. Gleichzeitig müssen Fragen erdacht und sich untereinander abgestimmt werden und auf den Begriff will man ja auch erst noch kommen!  Das alles zudem in 90 Sekunden. Das ist so manchem Spielenden unangenehm. Ohne Zeitlimit können sich die Diskussionen aber ziehen, da ja keiner das endgültige Wort hat. Allerdings kann ich es so auch mit meinen Kindern spielen, die aufgrund der Überlastung an die Hand genommen werden.

Begonnen habe ich den Text mit Mastermind. Aber Mastermind hat diese zentrale Überlastung gar nicht! Ein besserer Vergleich wären kooperative Stressspiele wie Magic Maze, Dim Sum Jam oder das leider nicht auf deutsch verfügbare Stay Cool aus demselben Hause; Das Gefühl die eigene Überlastung zu meistern, muss man schon mögen, wenn man ein Meisterwort werden will! Dieses Gefühl kann aber eben auch gerade sehr angenehm sein, es ist eben ein Gefühl ein klein bisschen etwas geleistet zu haben.

Peer Sylvester