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Cluedo: Verrat in der Villa

Verlag: Hasbro
Autor: ohne Angabe
Spielerzahl: 1-6
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 90 Minuten

Branding. So wichtig! Nicht nur wollen Spieleverlage mit einem Franchise, Varianten ihrer erfolgreichen Spiele verkaufen, sie wollen auch die Zugkraft eines eigentlich unverwandten Spieles erhöhen, in dem sie diesen im „Universums“ eines Bestsellers spielen lassen. Gerade Hasbro betreibt reichlich Markenpflege. Da fallen dann zwangsläufig ein paar Spiele ab, die mit ihren Markennamen eigentlich nichts am Hut haben – die ausgezeichneten Star Wars Risiko und Trivial Pursuit Team seien hier einmal beispielhaft genannt (auch weil es mir die Gelegenheit gibt, noch einmal zu bedauern, dass das Team-Editions-Konzept leider schnell wieder eingestellt wurde). Auch Cluedo hatte in seiner langen Geschichte schon einige Iterationen, die nur vom Setting an das Original angelehnt waren. Beispielhaft sei hier Cluedo Video genannt, ein bereits 1985 erschienenes Spiel mit vorgefertigten Fällen – und einer Videokassette, auf der tatsächlich 20 Fälle Platz hatten und die so nicht nach einmaligem Abspielen bereits bekannt war (wie das damals üblich war – siehe Atmosfear). Tatsächlich bietet es sich das Konzept „Krimispiel mit Fällen“ bei Cluedo natürlich an – das Setting entspricht ja bereits dem typischen Whodonit? Tatsächlich überrascht es eher, dass es in der aktuellen Hochphase der narrativen Kriminalfall-Rätselspielen so lange gedauert hat, bis ein narratives Cluedo-Spiel auf den Markt kommt.

Der Markt ist mittlerweile natürlich schon sehr gesättigt und als Neunankömmling seine Nische zu finden, sicher nicht einfach – auch nicht mit mit einem starken Markennamen (sicherlich wird sich Cluedo:Verrat in der Villa dank des Namens und dank der Marktpräsenz von Hasbro besser verkaufen als ein Großteil der Konkurrenz – es muss sich aber eben auch für Hasbro-Verhältnisse ausreichend verkaufen). Als Einmalspiel (bei dem nichts zerstört wird) mit einem Preis von z.Z. knapp über 20 Euro muss man gerade die Zielgruppe der Cluedo-Spielenden überzeugen, zuzugreifen. Auch gerade, weil sie ja bereits Cluedo im Schrank stehen haben. Insofern macht es sinn, dass sich Cluedo:Verrat in der Villa vor allem als Einstiegsspiel in die Welt der Krimispiele versteht. Der Schwierigkeitsgrad ist mit 2/5 angegeben und man wird mit einem Quasi-Tutorial langsam in das Spiel eingeführt, ohne dass groß Regeln gelesen werden müssten. Das Setting entspricht dabei weitestgehen dem alten 80er-Film Cluedo- Alle Mörder sind schon da: Ein Erpresser lädt die bekannten Figuren (von Baronin von Porz bis Oberst Gatow sind alle vertreten) auf seine Villa ein, um denen das Geld abzuknöpfen. Das Licht geht aus, wir gehen nach Haus, der Erpresser ist tot und wir sind eingeschlossen und müssen nicht nur den Weg nach draußen finden, sondern natürlich auch ermitteln, wer von uns, wo mit was herumgemordet hat.

Spielerisch orientiert sich dieses Spiel absichtlich oder unabsichtlich an dem herausragenden Nightmare-Das Thrillerspiel: Das Haus entsteht erst langsam nach und nach, wenn bestimmte Rätsel gelöst werden. In jedem Raum gibt es ein paar Orte die besucht werden können, in denen die entsprechende Karte gelesen wird. Auch kleinere LARP-Elemente werden verlangt, insbesondere wenn man etwas falsch macht, doch das erreicht nicht annähernd das Level von Nightmare. Das System hat den Vorteil, dass niemand überfordert wird, die Gruppe wird wirklich an die Hand genommen und an die Rätsel herangeführt. Das Kombinieren von Karten, wie es aus Unlock bekannt ist, ist hier noch einmal deutlich vereinfacht, so dass oft klar ist, was kombiniert werden muss. Die Rätsel sind klassische Escape-Room-Rätsel  auf Anfänger-Niveau (Cluedo-Puristen werden sich aber vermutlich an einem leicht übernatürlichen Rätsel stören) und wer tatsächlich keinen Plan hat findet in einem gestuften Hilfesystem unkompliziert Hilfe.

Am Ende muss der Fall aufgeklärt werden und wer diesen Punkt erreicht hat, muss eigentlich nur die bis dahin erhaltenen Karten auswerten. Die Lösung des Falles liegt ziemlich auf der Hand und anders als bei etwa Nightmare oder auch City of Angels wird es kaum gelingen, nicht alle Hinweise beisammen zu haben. Das Rätsel-Niveau im Abschluss liegt sogar noch unterhalb der Echoes-Reihe und sollte niemanden , der Cluedo-Deduktion beherrscht vor Probleme stellen. Dadurch fühlt sich der Fall etwas zu weichgespült an – man wird die ganze Zeit an die Hand genommen und durchs Haus geführt. Dadurch wird man durchaus eine gewisse Zeit gut unterhalten und bekommt auch immer mal wieder etwas zu tun. Doch im Vergleich zu anderen Spielen mutuet das Spielerlebnis Cluedo::Verrat in der Villa seltsam passiv an. Die Agency, zu entscheiden, wohin mn kann, weicht bald der Erkenntnis, dass man sowieso überall hin geht. Was bleibt sind einige Anfänger-Rätsel. Allenfalls gut, um Neulinge in das Krimisystem einzuführen und tatsächlich würde mich der zweite Fall, der immerhin schon einen Schwierigkeitsgard von 3 besitzt, reizen. Kann sich der Fall imhaltlich steigern, dann wäre Verrat in der Villa immerhin eine kleine Testfahrt, um das System zu erkunden. Möglich ist dies, weil das System mechanisch solide ist.

Peer Sylvester