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Akkon

Verlag: Goldsieber Spiele
Autor: Christian Fiore und Knut Happel
Spieleranzahl: 2-5
Alter: ab 10 Jahre
Spieldauer: 60-90 Minuten

“Drei Schritte vor und zwei zurück.
Alle bewegen sich im Einheitsschritt“
-Einheitsschritt von isecs

Rezensieren ist ja weitestgehend eine dankbare Aufgabe: Ein Spiel ein paar mal in verschiedenen Besetzungen spielen. Ein paar Zeilen verfassen. Online stellen und auf die Rezensionsexemplare warten, die jeden Moment zur Tür reinkommen…
Naja, mit den Rezensionsexemplaren klappt es nicht immer so – bislang schickt mir nur Goldsieber Spiele und die auch nur, wenn ich sie auch rezensiere. Aber man kann nicht immer gewinnen.
Knifflig wird’s wenn man ein Spiel rezensieren soll, das …äh… nicht so richtig begeisterungswürdig ist. Das schwierige ist dabei weniger sich zu überwinden, die Graupe noch einmal auszupacken, sondern das schlechte Gewissen, das einsetzt, wenn man ein Spiel, das die ersten Male schon keinen Spaß gemacht hat, seinen ahnungslosen Mitspielern mit den Worten andrehen muss: „Wir können das ja mal spielen. Ich glaub, das könnte ganz gut sein.“…

So, nach dieser – natürlich absolut bedeutungslosen – Einleitung kommen wir zu der eigentlichen Rezension der Goldsieber-Essen-Neuheit Akkon. Wer es nicht wusste (wie ich): Akkon ist eine Stadt, die bei den Kreuzzügen eine wichtige Rolle spielt. Es geht also um Tempelritter und Kreuzzüge. Und um Glauben, Macht, Ansehen und Gold.

Oder auch nicht, denn im Prinzip geht es nur darum auf vier Punkteleisten möglichst weit nach vorne zu wandern. Um das zu erreichen, bedarf es Karten. Diese sind sehr schön gestaltet (ähnlich denen aus „Säulen von Venedig“) und kommen in verschiedenen Sorten. Unterscheiden tun sie sich aber eigentlich nur darin, welche Leiste betroffen ist, um wie viele Felder es geht und ob jemand anderes auch betroffen ist. Allerdings ist nichts umsonst und die Karten sind keine Ausnahme: Zum einen müssen sie erst erworben werden (dazu gleich mehr), zum anderen haben sie auch laufende Kosten. Diese werden mit Klötzen bezahlt, die für die erwähnten Tempelritter stehen und belaufen sich zwischen 1-3, wobei unter Umständen ein Rabatt drin ist.
Gemeinerweise benötigt man diese Tempelritter auch um die Karten überhaupt zu bekommen – und das ist der Kernmechanismus des Spiels. Jede Runde beginnt damit, dass die Spieler die Tempelritter verdeckt zu den 6 Kartenstapeln spielen. Haben alle gepasst, wird aufgedeckt (die Ritter haben unterschiedliche Werte. Hinzu kommen 3 Spezialritter) und die oberste Karte jeden Stapels geht an den Punktbesten vor Ort. Bei Gleichstand gehen alle dort leer aus, was – nebenbei bemerkt – den Führenden begünstigt. Die nicht verwendeten Ritter werden dann benutzt, um die Karten durchzuführen. Wer sich also auf den Erwerb von Karten konzentriert kann wenig durchführen und umgekehrt.

Das klingt vielleicht etwas abstrakt und mechanisch, aber… Nicht aber! Das Spiel IST abstrakt und mechanisch und hat außer den Kartennamen nichts mit dem Thema am Hut. Das wäre nicht weiter schlimm, doch es hat auch ein paar ernsthafte Macken. So geht es wirklich nur darum auf den Leisten nach vorne zu gehen und die Gegner zurück zu schicken. Gezählt wird erst bei Spielende – bis dahin wandern die Spieler vor und zurück, ohne kurzfristiges Ziel. Zwar gilt es jede Runde Bonusgegenstände abzugreifen, aber das beseitigt das Problem nicht, es verschärft es eher: Zu dritt ist es schwer einen Führenden zu stoppen, denn besonders die Vorteile Macht und Gold resultieren praktisch einmal in dem automatischen Gewinn einer Karte und einmal in einer zusätzlichen Aktion. Zu viert können die Karten den aktuell Führenden leichter zu Fall bringen. Das Resultat ist ein uninspirierendes Hin- und Hergeschiebe, das an das o.g. Zitat erinnert: Der Führende geht 2 Schritte vor, der nächste setzt ihn 2 zurück, der dritte tauscht mit ihm die Plätze und nächste Runde geht alles mit dem neuen Führenden von vorne los. Manchmal kann sich einer absetzen, aber das hat eher mit Glück als mit Können zu tun: Wie bei Blind-Bidding-Spielen oft der Fall, ist der Ausgang einer Versteigerung nicht vorhersehbar. Zu dritt dürfte jeder irgendwo gewinnen (wenn sich nicht gerade zwei überall streiten – wobei sich der dritte folgerichtig freut), bei größeren Spielerzahlen ist das Gewinn einer Karte auch Glückssache. Und wer sich in seiner Runde auf das Ersteigern von Karten konzentriert hat, nur um überall zu verlieren oder ausgepattet zu werden, kann sich zurecht gespielt fühlen. Hier fehlt das Spiel, das zu dem Kartenversteigerungsmechanismus passt. Jede Runde passiert dasselbe, wenn auch anderen Spielern. Es gibt keine echte Progression, keinen nennenswerten Spannungbogen, nur die wage Hoffnung, bei Spielende hat sich zufällig eine Konstellation ergeben, bei der ich der Punktbeste Spieler bin.

Das alles wäre nicht weiter schlimm, wenn Akkon in die Pecunia non olet – Kerbe schlagen würde. Aber Akkon ist erst beendet, wenn einer der Stapel aufgebraucht ist und das dauert selbst in kleiner, schnell spielender Runde eine Stunde, was etwa 30-40 Minuten zu lang ist. Zu viert dauert es naturgemäß länger, zumal durch das dann häufigere Auspatten die Kartenstapel langsamer schmelzen. Und zu fünft? In Vollbesetzung ist das Spiel in der vorliegenden Fassung schlicht unspielbar: Der fünfte Spieler muss nämlich die schwarzen Steine nehmen, die mit – ACHTUNG! – schwarzen Zahlen und Symbolen bedruckt sind. Die Lampe, bei deren Licht man die Steine unterscheiden kann, muss noch erfunden werden. Auch der blaue Spieler braucht gute Augen, aber zu viert würde ich Akkon eh nicht empfehlen. Allerdings würde ich es GAR nicht empfehlen wollen (Ich würde eher empfehlen etwas anderes zu kaufen), aber zu dritt ist es noch am erträglichsten.
Vermutlich nicht das Votum, was der Verlag gerne hören würde, aber was solls.

Nach dem soliden Pecunia non olet und dem wirklich guten Säulen von Venedig nun ein sehr unterdurchschnittliches Spiel, das ich ohne Rezensionsverpflichtung nach einer Partie verkauft hätte. Schade!

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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