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Der Fluch von Essen

… hat mich dieses Jahr auch erwischt. Leider ist meine Frau erkrankt (nichts ernsthaftes zum Glück) und ich musste bereits am Donnerstag abend wieder nach Hause fahren. Dankenswerterweise konnte ich alle meine Termine passend verschieben (Danke besonders an Wolfgang Lüdtke, der mich dazwichenschieben konnte!) und so fehlt mir “nur” Zeit, die ich zum spielen genutzt hat. Das heißt insbesondere Spiele wie London, Régents, La Cité und vor allem Cleopatras Caboose die ich gerne ausprobiert hätte, fehlen jetzt in meiner Sammlung (für einen Blindkauf waren die Inofs zu spärlich und/oder die Preise zu hoch). Wenn einer meiner Leser da Eindrücke schildern könnte, wäre ich dankbar :-)

Aber nicht nur mich traf der Fluch: Vinhos und Automobile kamen nicht rechtzeitig. Bei Queen war nur die Fresko-Erweiterung und (tada!) Discover India rechtzeitig fertig geworden (Das lag sicherlich auch mit an Scheer -oder deren Zulieferern –  aber auch an der Politik vieler Verlage alles auf den Punkt “Essen” fertig zu produzieren, um Lager- und Transportkosten zu sparen). Die Japaner von Japon Brand und B2F Games warteten am Donnerstag noch auf ihre Spiele, die ihm Zoll festhingen.  Fragor Games hatten die falschen Holzteile geliefert bekommen, so dass sich zwei Spielerfarben nur schwer auseinanderhalten lassen. Für Dragon Dawns “Phantom Leage” waren es die falschen Schachteln, die geliefert wurden – Das Spielmaterial passt nicht vollständig rein.  7 Wonders war (meinen Infos nach) bereits am Donnerstag ausverkauft. Von Bisicle waren auch viel zu wenig Spiele nach Essen gekommen (aber bei den Französischen Streiks ist es mir ohnehin ein Rätsel, wie die zahlreichen französischen Verlage überhaupt was nach Essen bringen konnten). Probleme gibt es jedes Jahr aber dieses Jahr dürften es mehr sein als im bisherigen Rekord-Katastrophenjahr 2008.

Trotz allem kam ich sogar irgendwie noch dazu ein paar kurze Spiele zu spielen. Außerdem noch ein Hinweis an alle ausländischen Spieleverlage: Wenn ihr nach Essen ist es hilfreich, wenn ihr Regeln nicht nur in -z.B. – chinesisch da habt, sondern vielleicht in mindestens einer gängigen europäischen Sprache. Macht euer Spiel interessanter für die Masse… (Ich hoffe ich hab die Erklärung für das Sushispiel noch richtig im Kopf, sonst muss ich die Regel mal dem Chinamann um die Ecke zeigen. Und wer in Halle 4 vorbeikommt möge mal nachfragen, was passiert wenn man schwarze und weiße Sushi nicht mit einem Ingwer trennt: 0 Punkte? 1 Punkt? Minuspunkte?)

Arlecchino hat mich interessiert, da es eines von zwei neuen Spiele von Bernard “Blokus” Tavitian ist (Nexos,  das andere habe ich nicht gesehen, hab aber auch nicht speziell danach gesucht). Hier wird der quadratische Spielplan zuerst mit Spielsteinen gefüllt. Diese sind quadratisch und unterteilt in 4 Dreiecke. Dabei sind die Dreiecke in den Spielerfarben gefüllt und alle Kombinationen kommen einmal vor: 3x rot, 1 grün, 2 blau, 2x gelb , 4x rot, etc. Ein zufälliges Feld bleibt frei. Wer an der Reihe ist nimmt einen Steinen und führt damit maximal so viele Bewegungen durch, wie die Anzahl seiner Dreiecke auf dem Stein beträgt. Eine Bewegung kann eine orthogonale Verschiebung um 1 Feld oder ein Sprung über einen anderen Stein sein. Letzteres muss mindestens einmal in einem Zug durchgeführt werden. Der übersprungene Stein wird entfernt. Wenn nichts mehr geht zählt jeder die Anzahl der übriggebliebenen Dreiecke auf dem Spielfeld. Eine Partie geht flott (höchstens 10 Minuten) so dass ich zweimal hintereinander zu dritt gespielt habe (gegen zwei ca. 12jährige Mädchen, die das Spiel anscheinend schon länger in Beschlag genommen hatten und auch nach meinem Abgang weiterspielten). Ich würde sagen: Das Spiel hat die Einfachheit von Blokus, ohne jedoch dessen Tiefe zu erreichen. Es steckt meht in dem Spiel drin als man nach den ersten Zügen (oder sogar der ersten Partie) meint, aber letztlich entscheidet sich alles erst am Svhluss: Durch die Bewegungsmöglichkeiten insbesondere der Steine mit mehreren eigenen Dreiecken kann man dasd Endspiel nur bedingt planen. Wird bei Blokus aufgebaut und abgesteckt wird hier abgebaut – enstsprechend ist hier nichts sicher. Das Spiel steigert sich zwar ähnlich wie bei Blokus langsam, aber mir persönlich wird zu viel in den letzten Zügen entschieden. Zudem sind 2 oder gar drei Gegenspieler schlicht zu unberechenbar. Sicherlich kein schlechtes Spiel für zwischendurch, aber nichts was ich haben müsste.

Lino von Giuoco hab ich nur gespielt, weil ich dachte es wäre ein anderes Spiel von meiner Liste – eine echte Verwechslung! Bemerkt habe ich das sobald mir gesagt wurde, dass es ein reines Zweipersonenspiel ist, aber gespielt habe ich es doch: Auf einem variablen (durch Plättchen gestaltetes) Brett werden Steine eingesetzt. Wird eine Reihe, Spalte oder Diagonale beendet bekommt man für jedes Feld der Reihe (oder Spalte oder Diagonale) Punkte. Bei Spielende bekommt man zudem für jede 4-er Reihe 10, für jede 5-Reihe 20 und für jede 6er-Reihe 30 Punkte. Weder originell noch gut, denn die Boni am Ende sind einfach so viel höher, als dass man im Endeffekt nur Gomuku spielt. Einen guten Bonus nimmt man mal mit, aber eine Reihe für 8 Punkte zu beenden bringt einfach weniger als eine Viererreihe zu beenden, die 10 Punkte bringt. Dafür ist es unübersichtlicher als Gomuku, denn man muss ja diese Boni doch irgendwie berücksichtigen. Eine Variante bringt weitere Bonuspunkte ins Spiel, aber da habe ich bereits abgewunken: Noch mal 4 Punkte Extra? Juhu! Ich baue dennoch 4er-Reihen. In meinen Augen ein überflüssiges Spiel – in dem Zweipersonensegment gibts bedeutend besseres.

Hinkel & Stein von Chili-Spiele ist ein reines 4-Personenspiel und kommt -wie beim Verlag üblich – mit tollem Material daher: Eine schicke Holzwippe und für jeden Spieler ein Satz echt aussehnder Steine aus dem Theta-Stone-Material (dass hier super eingesetzt wird, besser als in allen Theta-Spielen, die ich kenne jedenfalls). Ein Spieler bestimmt ob die Seite der Wippe gewinnen soll, die am Ende leichter (also oben) oder die am Ende unten ist. Außerdem bestimmt der Spieler die Reihenfolge in der seine Mitspieler und er dran sind. Wer an der Reihe ist, entscheidet ob er 1 oder 2 Siegpunkte in den Pott wirft oder aussteigt und einen Siegpunkt mitnimmt. Unabhängig davon platziert er einen Stein auf ein freies Feld – es gibt zwei auf jeder Wippenseite und jeder (bis auf einer) hat 4 unterschiedlich schwere Steine. Zudem hat jeder noch eine Spezialfähigkeit, die z.T. aber nur einmalig angewandt werden kann. Sind alle Steine platziert teilt sich die Gewinnerseite die Siegpunkte im Pott (es sei denn einer oder beide sind ausgestiegen) und der Spieler, der Verlierer, der weiter hinten eingesetzt hat, bestimmt in der nächsten Runde wer was macht. Nach vier Runden werden Punkte notiert, jeder bekommt einen anderen Steinsatz (und damit andere Spezialfähigkeiten) und es geht von vorne los. Durfte jeder einmal alle Steine ausprobieren gewinnt der Pubktbeste. Matreial ist -wei gesagt – toll. Das Spiel selbst ist originell und vor allem auch taktischer als man am Anfang denkt. Zwar gibt es nur wenig (oder am Ende keine) Felder zur Auswahl, doch die Sonderfähigkeiten lassen Platz zum taktieren und insbesondere der Bestimmer muss in der Reihenfolge aufpassen, dass er einerseits andere für sich arbeiten lässt und andererseits im rechten Moment die richtige Seite wählt. Ganz große Jubelschreie hats aber auch nicht erweckt, denn wer nicht bestimmt, ist ein Stückweit auch Spielball der anderen. Ein gutes Spiel, werde ich sicherlich noch mal spielen wollen, um zu sehen, wies mir mit Spielerfahrung gefällt, aber gekauft habe ich es erst einmal nicht (kommt vielleicht noch, mal sehen).

Escape from the Aliens in outer Space war von den von mir gespielten Spielen das beste. Das Thema ist einerseits recht gut umgesetzt, andererseits können auch Sci-Fi-Muffel was mit dem Spiel anfangen, denn es ist ausreichend abstrahiert. Die Spieler werden zufällig und geheim in zwei Teams aufgeteilt: In Aliens und Menschen. Menschen müssen zum Ausgang kommen, Aliens die Menschen fressen. Nicht nur die Teamzugehörigkeit ist geheim, auch die Bewegung ist es. Wer seinen Zug auf einen weißen Feld beendet, bleibt für seine Gegner versteckt. Die meisten Felder sind aber grau. Hier muss eine Karte gezogen werden, die dem Spieler anzeigt ob er seine Position verraten muss, ob er nichts sagt oder ob er eine falsche Position melden kann (Wer Spiele nicht mag, wo man keine Kontrollmöglichkeit hat, ob die Mitspieler ehrlich sind, sollte die Finger von diesem Spiel lassen, denn die Karte muss logischerweise geheim bleiben). Positionen sind also keineswegs sicher. Außerdem muss man noch sein Team finden, wobei die Aliens früher oder später angreifen und sich so verraten. Ein sehr subtiles Spiel, eine Mischung aus Mafia/Werwolf und Scotland Yard, würde ich sagen. Aber mir hats (trotz spartanischem Spielplan) echt gefallen und da es zumindest zu viert funktioniert, hat es dem strukturell ähnlichem Resistance (nicht gespielt, aber gekauft) zumindest bei wenig Spielern etwas vorraus. Rezi folgt wenn ich das Spiel intensiver gespielt habe, aber ein klarer Anspieltipp für alle, die dies hier noch vor Messeende lesen.

ciao

peer

Peer Sylvester
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