Als jemand, der sich für etwas ungewöhnliche und/oder asiatische Spiele interessiert, ist mir der Stand von Bright Eye Games ins Auge gefallen, ein Britischer Verlag, der dort eine neue Auflage des sehr coolen Ponzi Scheme vorstellte. Weil ich mir Verlage am besten merken kann, wenn ich mich mit denen unterhalte (auch wenn es per Email ist), habe ich eben jenes getan:
Bitte stelle Dich und Deinen Verlag kurz vor!
Hi, Ich bin Mark Cooke und der CEO von Bright Eye Games. Wir wollen Freunde und Familie im gemeinsamen Spieö vereinen und zeigen, was großartige Spielerlebnisse für Freude bringen kann. Wir machen spaßige Brettspiele mit geringer Einstiegshürde und großer Bandbreite an interessanten Themen für jedermann.
Wenn man sich Eure bisherigen Spiele ansieht, fällt ein Trend zu ungewöhnlichen Themen auf, insbesondere bei den neueren Spielen. Ist diese Einschätzung richtig? War das beabsichtigt, eine Frage des Geschmacks oder nur Zufall?
Wir fühlen uns definitiv zu ungewöhnlichen Themen hingezogen, insbesondere wenn sie sich gut in die Spielmechanismen integrieren lassen. Es ist also insofern beabsichtigt, als dass wir bei der Bewertung von Spielen solchen mit einem einzigartigen Thema eher mehr Aufmerksamkeit schenken.
Auch ein Trend zu Spielen aus Fernost ist erkennbar. Habt ihr eine Verbindung zu der dortigen Szene oder mögt ihr nur den Stil?
Ich persönlich bin einer großer Fan von Ostasien, insbesondere von Japan und Südkorea, aber wir mögen auch eine Menge Spiele, die dort veröffentlicht werden. Die Spielekultur dort scheint eher darauf ausgerichtet zu sein, dass Autor:innen ihre Spiele selbst veröffentlichen und auf den Markt bringen, was zu einigen wirklich einfachen Spielen mit viel Tiefe geführt hat, also genau die Art von Spielen, nach denen wir suchen.
Wie findet ihr diese Art von Spielen? Kommen die Autor:innen direkt auf euch zu oder sucht Ihr gezielt im Internet nach interessanten Neuem oder geht es nach persönlichen Empfehlungem oder…?
So eine Mischung aus allem, tatsächlich. Wir nehmen Einsundungen von Autor:innen an und haben auch einige Spiele so zeichnen können. Wir gucken uns bestimmte Prototypenwettbewerbe oder Speed pitching events (Veranstaltungen wo Autor:innen mehreren Verlagen geichzeitig vor Ort Spiele vorstellen, Anm.d.Ü), wir gehen auf Cons und nehmen Spiele von Verlagen oder Spieleschaffenden mit, die Partner suchen.
Zum Abschluss: Was habt ihr für die Zukunft geplant?
Wir haben einige Spiele in der Pipeline. Als erstes wird es eine größere Auflage von Cat Chi Cat geben. Gemeinsam mit dem Hersteller versuchen wir zu eruieren, ob es möglich wäre, in jedem Spiel andersfarbige Katzen zu haben!
Wir sind aber nur ein kleines Team, daher konzentrieren wir uns pro Jahr auf 1-2 Spiele – denen wir dann unsere ganze Aufmerksamkeit widmen.
Vielen Dank für das Interview!
Von den Spielen des Verlages habe ich bislang nur Ponzi Scheme (von Jesse Li) spielen können (und das in der Originalausgabe) – auch wenn Tokkuri Taking schon lange auf meiner Liste steht.

Ponzi Sheme ist ein sehr lustiges Wirtschaftsspiel, bei dem man die ganze Zeit wie auf Messers Schneide steht. Im Prinzip versucht man (ähnlich wie beim Klassiker Big Deal) sich gegenseitig zu übernehmen: Ich bitte Dir einen Betrag für etwas an und Du nimmst das entweder an oder zahlst MIR denselben Betrag und nimmst das angebotene von mir. Dadurch spielt man sehr mit dem Wiederstand, dass man die eigenen Sachen eigentlich behalten will… und bietet daher zwangsläufig eigentlich zu viel. Oder zahlt mehr als man eigentlich sollte. Das ist deswegen wichtig, weil man genau genommen kein Einkommen generiert, sondern nur Schulden, dessen Zinsen man bedienen muss. Kann man das nicht mehr ist das Spiel zu Ende und man hat verloren (und die anderen machen den/die Gewinner:in unter sich aus). Man muss also irgendwie den Spagat hinbekommen, Dinge an sich zu reißen, aber gleichzeitig nicht zu verlieren – alle hoffen es würde nicht sie treffen, sondern jemand anderen, der/die noch etwas mehr über den Verhältnissen gelebt hat. Politisch wie spielerisch eine feine Sache, so ein bisschen wie QE, wenn auch noch etwas direkter, mit etwas mehr Blick in den Abgrund.
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