Im Max Planck Insititut für empirische Ästhetik (ja, das gibt es wirklich) wurden im vergangenen Jahr einige Studien zur Musikwahrnehmung durchgeführt. Insbesondere wurde untersucht, welche Passagen und welche Stimmen Menschen als “Schön” empfanden. Zwei zentrale Erkenntnisse: Die befragten Personen konnten sehr genau und nachvollziehbar begründen, warum sie etwas schön fanden. Außerdem ist das Schönheitsempfinden subjektiv – inwieweit die Aussagen der Befragten sich objektiv messen ließen, spielte nur eine untergeordnete Rolle. Eine Folgestudie mit eineiigen Zwillingen bezifferte zudem den Einfluss der Genetik auf das Musikempfinden auf 54%. Zwar gibt es klare Kriterien für Dinge, die als Schön empfunden werden – in der Musik sind das z.B. überraschende Tempowechsel – aber ob eine konkrete Anwendung dieser Dinge tatsächlich als Schön empfunden wird und von wen, lässt sich im Vorhinein nicht mit Bestimmtheit sagen – nur eben im Rückblick begründen.
Ganz groß überraschen werden diese Ergebnisse mit Sicherheit nicht, gehört “das ist alles subjektiv!” doch zu den Standardsätzen, wenn es um die Diskussion geht, ob ein Spiel Spaß macht oder nicht. Dennoch ist das Ergebnis mehr als eine (nicht unwillkomende) Bestätigung des Alltagswissens: Das Entscheidende ist, dass die Befragten eben für andere nachvollziehbar begründen konnten, warum sie etwas als schön empfanden, auch wenn diese anderen die Meinung nicht teilen mussten.

Diese Begründung ist kein im nachhinein ausgedachtes Luftschloss (oder zumindest nicht nur), es ist eine konkrete Analyse des eigenen Geschmacks. Ich denke, ich lehne mich nicht allzu weit aus dem Fenster, wenn ich sage, dass man die Ergebnisse recht leicht auf das Empfinden von Spaß übertragen kann: Es ist durchaus möglich im Rahmen einer Kritik etwa nachvollziehbar zu begründen, warum ein bestimmtes Spiel Spaß macht und ein anderes, vergleichbares Spiel nicht. Oder warum ein Spiel einem mehr Spaß macht. Oder warum ein Spiel in einer bestimmten Runde mehr Spaß gemacht hat, als in einer anderen Runde. Dass diese Begründungen nicht universell für jede/n gelten, ist kein Grund auf diese Aussagen zu verzichten; es ist wichtig, ja geradezu der Kern einer guten Analyse, wo ein Spiel vermeidlich seinen Spaßfaktor hernimmt und ob es damit erfolgreich ist. Dass sich das “erfolgreich” in erster Linie auf die eigene Gruppe bezieht ist dabei kein Malus, da die Analyse an sich der Teil ist, der etwa in einer Kritik interessieren sollte, der Teil, wo sich der/die Kritiker:in mit dem Spiel auseinandersetzt. Eine Kritik ist eben keine Umfrage, wieviel Prozent der Bevölkerung Spiel X als “ganz gut” einordnen würden – eine solche Umfrage würde tatsächlich nicht nur weniger Aussagekräft darüber haben, was ein Spiel überhaupt macht, sondern auch weniger wie ein Spiel bei einem selbst ankommt – das eigene Spaßempfinden ist ja -siehe oben – höchst individuell. Die Eindordnung -sofern sie denn gewollt wird – ist sinnvoller, wenn die Analyse und die Begründungen transparent sind und mit den eigenen Vorlieben und Kriterien vergleichbar gemacht werden können. Als weitere Ebene ist es auch interessant und hilfreich zu untersuchen, was die Spaßquellen überhaupt sein können, was Menschen als Quelle für Spaß ausmachen können – und was eben auch nicht oder nur sehr bedingt.
Ich muss an dieser Stelle aber natürlich noch einmal auf die bedeutung von “Spaß” an sich eingehen. Es gibt zahlreiche Stimmen (z.B. Amabel Holland) die argumentieren, dass ein Spiel gerade als Kunstform nicht unbedingt Spaß machen muss, um eine Existenzberechtigung zu haben. Es können durchaus auch andere Emotionen geweckt werden, ein Spiel kann aber auch dazu dienen, sich mit einer Sache auf bestimmte Art und Weise zu befassen. Georgios meinte in einem Podcast neulich,dass es momentan eher Neugierde als Spaß ist, was ihn antreibt, bestimmte Spiele auszuprobieren. Das sind alle valide Punkte, aber ich möchte den Spaßbegriff für diesen Artikel etwas weiter gefasst wissen: Für mich ist “Spaß” in diesem Sinne erst einmal nicht zwangsläufig mit den positivem Glücksgefühlen zu assoziieren, sondern dient als Platzhalter für den allgemenen Drang, sich mit einem bestimmten Spiel zu beschäftigen- Der Spaß, der auf der Neugierde fußt, ein Spiel soielerisch zu untersuchen, sich im Wettstreit zu messen oder miteinander Theater zu spielen mag sich unterscheiden, er ist aber in allen genannten Fällen die Triebkraft, die Motovation, warum ich mich gerade mit diesem Spiel beschäftige und nicht mit einem anderen, warum ich mich mehr oder weniger in der Aktivität verliere und nicht einfach das Spiel beende, um mich lieber am Tisch zu unterhalten oder mit Fremden im Internet streite. Mir ist bewusst, dass dadurch eine gewisse Doppeldeutigkeit des Begriffes hergestellt wird (Der Haha-Spaß als Teilmenge des übergeordneten Spaß-als-Motivationsbegriff), aber für die Übertragbarkeit der Studie auf den Spielebereich, scheint mir das ein kleiner Preis zu sein – der Begriff “Schönheit” ist ja ebenfalls nicht klar abgegrenzt. Beide Begriffe sind am Ende etwas unscharf, ja mysteriös. Und eben doch wichtig.
ciao
peer
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