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Mehr cover wagen

Anm. von Peer: Wie Florian letzte Woche angekündigt hat, kommt jetzt ein Artikel von unserem Matthias über Spielecover aus Verlagssicht. Im original hingen die beiden Artikel zusammen, aber wir haben uns entschieden, den langen Artikel in zwei Teile zu teilen, weil die Schwerpunkte so unterschiedlich sind und sonst einiges verloren geht. Da ich für diese Anpassung zuständig bin, wird unten mein name angezegt. Der Artikel ist aber von Matthias, angestoßen von Florian. Viel Spaß!

 

Cover sind ein großes Problem von vielen Verlagen. Während Florian einen Blick auf Videospiele gibt, sollte einem bewusst werden, dass da Profis am Werk sind, plus Eitelkeiten, welchen die Größe des Logos wichtig ist. Ein Logo, welches 95% der Kunden nicht mal wahrnehmen. Ravensburger ist eine bekannte Marke und jeder setzt viel dran eine Marke zu sein, die jeder Hinz und Kunz kennt, aber wenn wir ehrlich sind, wissen 90% der Kunden nicht mal dass es Pegasus oder Kosmos gibt und entsprechend denken sie, dass alle Spiele von Ravensburger sind.

Aber was ist die Aufgabe einer Marke? Sie soll Vertrautheit transportieren und das gute Gefühl zu wissen, was man da kauft. Das funktioniert in der Bubble, für die Verlage, aber außerhalb schon nicht mehr. Und der Bubble ist das Logo so egal, das sie am liebsten Cover ohne Logo hätte.

Wie sieht es also um Cover auf Brettspielschachteln aus? Kleine Verlage machen hübsche Cover. Sie wollen die Bubble bedienen und oft entscheidet der Bauch, ob es gefällt. Große Verlage sind da deutlich ausgefuchster und wissen, wie der Kunde so informiert werden kann, dass es den Kaufimpuls auslöst. Die Abbildungen von Spielmaterial auf dem Cover sind dabei unerlässlich, wie wir oben schon erfahren haben. Schaut euch mal einige Cover von den kleinen Ravensburger-Spielen an. Oder Schmidt. Oder das meiste von moses. was deutlicher kaum sein konnte.

Da sehen wir Karten, wir sehen Würfel, wir sehen Stifte. Diese Elemente sorgen dafür, dass der Endkunde weiß, was er bekommt, und mit einem Mindset rangeht, der ihn bewusst neugierig macht. Denn wenn die Schachtel im Handel erstmal in die Hand genommen wurde, ist schon einiges gewonnen. Bei Ravensburger legen die Redakteure zum Teil noch nicht mal fest, wie das Spiel heißt. Das macht eine andere Abteilung.

Funktioniert das auch bei den großen Spielen. Also denen, die mehr als 20 Euro kosten? Denen, die nicht von der Masse als Mitbring-Element angesehen werden? Hier werfen wir mal einen Blick auf „Hadara“ von Hans im Glück. Das Spiel hatte ein zweites Cover erhalten. Hans im Glück hatte mal Geld in die Hand genommen und versucht rauszubekommen, warum sich das Spiel unterhalb der Erwartungen verkauft. Es kam raus, dass die Kunden das Cover als zu dunkel und zu anspruchsvoll wahrgenommen haben. Sie hatten Angst davor, von dem Spiel überfordert zu sein. Die Neugestaltung zeigte Elemente des Spiels, wie die fünf Farben und war deutlich heller gehalten. Aber den meisten bleibt nur der Try and Error. Auch „Carcassonne“ hat sein Cover wieder überarbeitet. Wir sehen nun Plättchen und bekommen erzählt, worum es in dem Spiel gehen könnte.

Bei „Reykholt“ hatte ich ein traumhaftes Cover, welches von vielen als positiv angenommen wurde, aber das Spiel war dann zu teuer im Regal. Wer an großen Massen verkaufen möchte, muss auch im Preissegment der Massen arbeiten. Einen Vielspieler der monatlich sein Gehalt auf Kickstarter lässt, schreckt der Preis nicht ab. Da muss das Cover nur schön aussehen. Aber was die Kunden wirklich schön finden versuchen wir im Brettspielbereich gerade herauszufinden. Ein großes Logo ist es jedenfalls nicht.

Matthias

Peer Sylvester