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Verlagsvorstellung: Ninja Star Games

Die Verlagsvorstellungen hier sind ja eher unregelmäßig und völlig davon abhängig, wie viel Zeit ich habe, ob ich Verlage finde und ob die Verlage zuverlässig antworten (was bemerkenswert selten der Fall ist). Um so schöner, wenn ein Verlag mich findet und vor allem ein Verlag, dessen Ausrichtung zu meinem Spielegeschmack passt – beides ist/war bei Ninja Star Games der Fall!

Bitte stelle Dich und Deinen Verlag kurz vor!

Ich heiße Dan und ich möchte hier Ninja Star Games vorstellen, einen kleinen Verlag aus Südkalifornien.
Unser Ansatz ist die Erkenntnis, dass es viele tolle Brettspiele von unabhängigen Autoren auf der Welt gibt, die nicht den Weg zu den Massen finden. Diese Spiele sind oft sehr beliebt, aber aufgrund der Sprache, und der Qualität des Spielmaterials doch auf einen sehr kleinen Markt beschränkt. Unser Ziel ist es diese verdeckten Schätze zu finden, aufzupolieren und für die internationale Brettspielszene fit zu machen. Im Moment konzentrieren wir uns dazu auf Spiele von japanischen Autoren, die beim Tokyo Game Market erschienen sind.
Bitte erzähle uns ein bisschen etwas über Eure  Spiele!
Alle unsere Spiele stammen von japanischen Autoren. Die Spiele waren zuvor nur in sehr kleinen Auflagen auf dem japanischen Markt erhältlich. Wir entdecken die Spiele durch verschiedene Methoden und arbeiten eng mit dem Entwickler zusammen, um das jeweilige Spiel für ein internationales Publikum zu veröffentlichen
Was habt Ihr für die Zukunft geplant?
Auch in naher Zukunft werden wir weiterhin Spiele von japanischen Autoren veröffentlichen und mit Hilfe unserer Kontakte Spiele finden, die auf dem Europäischen und US-Amerikanischen Markt unbekannt sind. Bislang haben wir immer Kickstarter für unsere Projekte verwendet und werden das auch weiterhin tun.
Auf lange Sicht würden wir gerne unseren Einfluss erweitern, zum Beispiel auf andere Südostasiatische Länder. Unser Fokus wird weiterhin auf das Ausgraben und polieren von einzigartigen Spielen liegen. Unser Motto ist “Verlegen von geheimen Schätzen”.
Wie unterscheiden sich Japanische und Europäische/Amerikanische Spiele?
Viele Japanische Spiele haben sehr ungewöhnliche Themen, die man normalerweise nicht in Europäischen oder Amerikanischen Spielen findet. Diese Themen sind nicht immer für eine breite Masse geeignet, aber es ist dennoch interessant zu sehen, dass es sie gibt. Einer der Gründe dafür ist, dass die Kleinverlagsszene in Japan sehr stark ist; Da der Japanische Markt immer noch stark im Wachstum begriffen ist, kann man viele einzigartige Spiele und Konzepte in den dortigen Messen wie dem Tokyo Game Market finden, ohne dass die Nischen von großen Verlagen abgedeckt worden wären.
Auch sind japanische Spiele oft sehr viel kleiner und benötigen weniger Platz auf dem Tisch. Das hat mit dem sehr viel eingeschränkterem Wohnraum in Japan zu tun.
Versucht Ihr die ungewöhnlichen Themen beizubehalten oder eher mit etwas passendem zu ersetzen?
Wir versuchen in der Regel das Thema beizubehalten. Wir versuchen auch die Graphik zu behalten oder zumindest mit dem Graphiker des originals zusammenzuarbeiten. Allerdings ist das nicht immer möglich, denn manche Themen sind tief in der japanischen Kultur verwurzelt. So befassen sich viele Spiele auf sarkastische Art und Weise mit der Work Ethic oder den großen Firmenimperien Japans. Das ist für Außenseiter nur schwer zu verstehen.
Auf der anderen Seite gibt es auch Spiele wie Who soiled the toilet? (“Wer hat das Klo verschmutzt?”)  von vor ein paar Jahren. Wir haben das Spiel aus diversen Gründen nicht verlegt, aber es ist ein Beispiel für ein sehr ungewöhnliches Thema, dass von jedermann überall auf der Welt verstanden wird.
Sucht Ihr die Spiele selbst oder können Asiatische Autoren euch direkt kontaktieren?
Wir akzeptieren Einsendungen und auch Vorschläge Dritter. Tatsächlich haben wir viele unserer Spiele durch Empfehlungen gefunden. Jedes Jahr werden Hunderte von Spielen beim Tokyo Game Market vorgestellt, aus allen möglichen Ländern Südostasiens. Oft werden sue nur in kleinen Auflagen produziert (In der Regel weniger als 100 Exemplare, manchmal sogar weniger als 50!), daher ist es schlicht unmöglich für mich alle interessanten Spiele zu finden. Daher sind wir persönliche Empfehlungen von Mitspielern, Einsendungen von Autoren oder auch öffentliche Postings angewiesen!
Vielen Dank für das Interview!

Ninja Star Games waren so freundlich mir eine “Pre-Production Copy” vom noch nicht erschienenen Construction Fever zukommen zu lassen. Zufällig kenne ich zudem Tamamooool:Defend the eggs, die Vorlage von Wolf&Hound.

Letzteres ist ein einfaches Partnerärgerkartenspiel: Man spielt Karten um den Wolf und den Hund zu bewegen, die -je nach dem wo sie stehen – dem Besitzer Schafe bringen oder stehlen. Wäre das ein “normales” Alle-gegen-Alle wäre das reines Chaos. Als Partnerspiel hat das ganze aber durchaus Reiz und Charme, denn natürlich kann man versuchen zumindest dem Partner ermöglichen zu punkten, wenn man das schon selbst nicht kann. Der Glücksfaktor ist dennoch hoch, aber dank verschiedener Wölfe, die leicht unterschiedliche Eigenschaften haben, ist hier durchaus ein gewisser Wiederspielreiz gegeben. Sicherlich kein “Must-Have”, aber ein netter Absacker, den ich durchaus in geeigneter Runde hervorhole und der immer wieder Lacher und Table-Talk produziert.

Construction Fever hieß ursprünglicher “Bidders!” und der Name trifft es genau: Construction Fever ist ein reines Bietspiel mit gleich drei ineinandergreifenden Bietmodi (Kurze Anmerkung: Wie erwähnt, habe ich ein Vorab-Exemplar ob und was sich noch bis zur Veröffentlichung ändert – insbesondere bezüglich Graphik und Material, aber auch kleine Regeländerungen sind vermutlich nicht ausgeschlossen – weiß ich nicht). Es werden erst zwei Karten versteigert: Ein “grünes Projekt”, dass positive Reputation bringt und ein schwarzes Projekt mit negativer Reputation, aber dafür mit einem Ertrag an Siegpunkten. Das grüne Projekt wird ganz normal mit Arbeitern an den Meistbietenden versteigert. Das schwarze Projekt kostet dem Erwerber eine feste Anzahl von Arbeitern – bekommen tut es derjenige, der bereit ist, auf am meisten Siegpunkte zu verzichten – die verschmähten Siegpunkte wandern zum grünen Projekt, das damit attraktiver wird. Man darf nur bei einem Projekt Höchstbietender sein, sonst könnte man das System aushebeln. Haben beide Projekte ihgren Besitzer gefunden, so bekommt das grüne Projekt noch einen Partner: Die beiden Sitznachbarn des Besitzers bieten mit geheimen Gebot (Blind bidding) gleichzeitig Arneiter um sich zu beteiligen. Das Projekt zähöt anschließend für den Gewinner dieser Auktion und dem Besitzer. Die Arbeiter kommen nur langsam wieder zurück in den eigenen Vorrat, was ganz clever gemacht ist, aber ein bisschen verquer, um es hier kurz zusammenzufassen. Nach einer festen Rundenanzahl scheidet der Spieler mit der nniedrigsten Reputation aus – sofern es nur einen gibt. Von den anderen gewinnt derjenige mit den meisten Siegpunkten.

Diese doppelte Wertung haben wir mittlerweile bei vielen Versteigerungsspielen gesehen – etwa bei Q.E. oder High Society. Hier ist es allerdings echt schwierig all die vielen Quellen für positive und negative Reputation im Auge zu haben. Das ist Fluch und Segen zugleich: Segen, weil nur Rainman in der Lage sein dürfte, mitzuzählen, Fluch, weil ein Versteigerungsspiel ein bisschen auch von der Übersicht lebt. Überhaupt ist das ganze sehr interessant konstruiert -und sogar einigermaßen thematisch – aber leider nicht so schön auf den Punkt gebracht, wie ich es gerne hätte. Die Versteigerungen pendeln sich für meinen Geschmack auf einen zu engen Bereich ein, bieten wenig Varianz. Der im Spiel interessanteste Mechanismus ist tatsächlich das zweite Bieten – aber auch wenn man als Besitzer oft eine klare Vorliebe für eine Seite hätte, hat man leider auf den Ausgang keinen Einfluss. Ich glaube das Spiel würde durch mehr Varianz in den Karten und mehr Bietmasse gewinnen. Das sind aber kleine Änderungen, die durchaus noch drin wären. Construction Fever bietet auf jeden Fall viel Potential!

 

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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