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Interview mit Formal Ferret Games

Ein kleiner Vorgeschmack auf Essen: Formal Ferret Games bringt The Networks mit, ein Spiel, dass mir schon auf der Uk Games Expo aufgefallen war (leider hatte ich keine Gelegenheit es auszuprobieren) und mit einem ziemlich unverbrauchtes Thema aufwartet: Dem managen einer Fernsehstation. Ich musste da gleich an den Computerspiel-Klassiker Mad-TV denken, dessen Brettspielumsetzung schon lange auf meiner “Was man auch mal machen müsste”- Liste steht. Ob Gil Hova, Autor von The Networks, denselben Gedanken hatte, erfahrt ihr in meinem Interview!
 Bitte stelle doch Dich und Deinen Verlag kurz vor!
Ich heiße Gil Hova und ich veröffentliche meine eigenen Spiele unter dem Namen Formal Ferret Games. Seit 2000 entwickle ich Spiele, aber ich habe nichts veröffentlicht, bis Z-Man mein Spiel Prolix in 2010 veröffentlichten. Seitdem sind drei weitere Spiele von mir erschienen, zwei davon in meinem Eigenverlag.
Warum “Formal Ferret”?
“Ferrets” sind Frettchen. Ich bin ein großer Fan von Frettchen! Seit 20 Jahren halte ich Frettchen als Haustiere.  Ich liebe diese Viecher und ich kann mir nicht vorstellen, ohne sie zu leben.
Als Avatar hatte ich lange ein Foto von einem Frettchen mit Schlips. Als ich dann über Namen für meinen Verlag nachdachte, wollte ich etwas wählen, dass meine Freunde mit mir verbinden und so dachte ich an den Avatar. Ich konnte das Foto aber nicht nehmen, denn ich habs von einem Online Frettchen-Fachgeschäft übernommen, das war ziemlich pixlig und das Geschäft gibt es auch nicht mehr. Also habe ich den Graphiker Scott Hartman gebeten, ein entsprechendes Bild zu zeichnen. Seine damalige Verlobte und heutige Frau schlugf vor, dem Frettchen auch einen Zylinder aufzusetzen und das Logo ist fertig. Es ist sehr beliebt – ich verkaufe es als T-Shirt!
Bitte erzähle uns ein bisschen etwas zu The Networks!
Mein neuestes Spiel ist The Networks, in dem alle Spiele Fernsehsender übernehmen. Die Spieler starten mit ein wenig Geld und drei furchtbaren Sendungen und sie versuchen die meisten Zuschauer nach 5 Jahres zu bekommen. Das Spiel kam bislang bei Kritikern und Spielern gleichermaßen sehr gut an und in Gen Con war ich innerhalb von sechs Stunden ausverkauft!
 Was hast du für die Zukunft geplant?
Bereits für den Oktober plane ich eine Kickstarter-Kampagne für mein Spiel Wordsy. Es ist eine Bearbeitung von Prolix, aber mit viel einfacheren Regeln, nur halb so langer Spieldauer und doppeltem Spaß. Ich weiß, ic bin nicht neutral, aber es ist das beste Wortspiel, dass ich kenne, denn es belohnt explizit das Spielen längerer Wörter.

Als nächstes arbeite ich an einer Erweiterung für  The Networks. Damit können die Spieler ihre Startsendungen draften und die wiederrum bestimmen die Ressourcen, mit denen sie anfangen können. Auch wird jeder Sender einzigartig sein, mit jeweils eigenen Vor- und Nachteilen. Ein staatlicher Sender etwa, wird mit viel Geld beginnen, aber sehr bürokratisch geführt werden – sie müssen ein Rondell für ihre Aktionen benutzen. Es gibt einen offenen Kanal, der keine Werbung schalten darf und generell weniger Einkommen bekommt, aber eine Aktion “Fundraser” durchführen kann, mit dem er Geld von den anderen Spielern erhält. Es gibt einen Streaming Service, der sich nicht an Zeiten halten muss und Zusachauer gegen Geld tauschen kann. Ich freue mich sehr auf die Erweiterung – sie eröffnet viele Möglichkeiten!

Wirst du in Essen sein?

Ja, in Halle 4, StandD113 (Gemeinsamer Stand mit 2Tomatoes).Diese oder nächste Woche hoffe ich eine Möglichkeit angeben zu können, wie man vorbestellt – sobald ich weiß, wie viele Spiele ich mitbringen kann!
 Das Thema ist ja sehr originell – Stand das von Beginn an fest oder hat sich das erst bei der Spieleentwicklung ergeben?
 Tatsächlich begann ich mit dem Kernmechanismus! Das Spiel war ursprünglich ein Versteigerungsspiel namens MacGuffin Market. Ich hatte diesen tollen Versteigerungsmechanismus aus noch einem anderen Spiel, das aber nicht 100%ig funktionierte. Also habe ich MacGuffin Market um die Versteigerung herumgebaut
MacGuffin Markets Thema war, dass es kein Thema hatte und ich dachte das geht schon. Aber die Testgruppen waren ob der Themenlosigkeit verwirrt, also überlegten wir uns Themen, die passen könnten. Wir kamen erst auf Filme, aber Traumfabrik deckt das Thema schon sehr gut ab [Sehe ich genauso! – Anm.d.Ü]. Es gab aber keine Spiele, bei denen man Fernsehsender übernimmt (außer dem alten Avalon Hill – Spiel TV Wars).
Das war vor einigen Jahren. Dann dauerte es einige Zeit, die Mechanismen dem Spiel anzupassen. Dabei flog der Versteigerungsmechanismus raus – er passte einfach nicht.
Viele Jungautoren fragen sich ob man mit dem Mechanismus oder dem Thema anfangen soll. Ich glaube nicht, dass das eine Rolle spielt, so lange beide zusammenpassen.
Danke für das Interview!

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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