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Ein Schwung Spiele

Nach den grundsätzlichen Betrachtungen der letzten zwei Wochen, wollte ich mal einen Schwung Spiele aus Essen vorstellen. Dabei ist mir bewusst, dass die Spielbar vermutlich die letzte aller Spieleseiten ist, die das tut, aber im Neudeutsch heißt dass dann eben „Slow Journalismus“. Außerdem habe ich mich in vorauseilendem Gehorsam unserem Chefhunnen unterworfen und mich eher auf die abseitigeren Spiele konzentriert.

Ich fasse mich kurz – es sind ja nur meine Eindrücke. Ganz schnell, ganz ungefiltert und ungerecht. Und ich verzichte auf Kinderspiele, Quizspiele und Spiele, die ich vergessen habe. Und auf Wir sind das Volk. Das wäre nicht  fair, den anderen gegenüber (den WSDV ist sowieso das beste)

 Essen 2013: Ein netter Gag: Echte Spiele aus dem letzten Jahr, die Stände sind da, wo sie sein sollen und die Spieler müssen Spiele einkaufen und in ihr Auto lagern. Leider hört der Spaß auf, wenn das Spiel anfängt. Das Spiel ist unübersichtlich und das ständige Suchen und Abgleichen bringt nicht so wahnsinnig viel, weil die wichtigen Dinge außerhalb der Kontrolle der Spieler liegen. Mehr ein Spiel zum haben, als zum spielen.

Yardmaster: Schnelles Handmanagement-Kartenspiel. Im Prinzip unspektakuläres Sammel/Auslegespiel, aber flott gespielt. Eiun „Spiele ich mit meiner Mutter“-Spiel. Graphikstil spricht mich sehr an.

Yardmaster Express: Gleicher Anlegemechanismus, aber diesmal als Draftingspiel. Sehr kurz (5 -10 Minuten) Zu trivial für meinem Geschmack. FunFact: Auch der Erklärbär meinte nach der Partie, dass ihm das „echte“ Yardmaster viel besser gefalle.

Kobuyakawa: Poker mit einer Karte. Funktioniert überraschend gut, wenn man mindestens zu viert ist (nicht ganz perfekt in Höchstbesetzung). Pokerähnliche Spiele (mit Glücksfaktor, Bluff und Einsatz etc.) muss man aber natürlich mögen. Empfehlung!

Doodle City: Stadtbau mit Würfeln. Nett, aber nicht trivial. Irgendwo zwischen Quixx und Take it Easy, gefällt mir aber besser als ersteres (aber nicht so gut wie letzteres). Wegem hohen Solitärcharakter eher mit wenigen Spielern gut. Empfehlung!

Find… Die Liebe: Gibt es auch als „Find den Mörder“, aber die Liebe ist cooler und lädt mehr zu Sprüchen ein. Schon alleine, dass ich am Stand sagen konnte: „Einmal die Liebe für 10€!“ war den Kauf wert. Das Spiel ist extrem originell und ein nettes Wartespiel. Ehrlich gesagt, weiß ich nicht, ob ichs gut finde, aber ich finde es zumindest interessant. Spielablauf- dauer und Regellänge machen das Spiel aber zum perfekten Geschenk für Nichtspieler.

Secret Moon: Werwolf-ähnliches Spiel ohne Lügen und Bluffen. Wie üblich braucht es zwei Partien, um die Möglichkeiten zu genießen. Kann mit weniger als 7 blöd laufen, wenn ein Team fast komplett aus dem Spiel ist. Davon ab aber eine erfreulich interessante Alternative zu The Resistance. Empfehlung!

Abraca…What?: Hanabi ist toll, aber sehr Logikaufgabenlastig. Abraca…What ist Hanabi als Spiel. Echt spannend, schönes Riskmanagementaspiel mit mehr Einfluss, als es auf den ersten Blick scheint. War auf der Messe zu Recht ausverkauft, aber das kommt wieder. GROSSE Empfehlung!

Night of the grand Octopus: Süsser Kitschlovecraft? Das sprach mich an. Leider ein ziemlich überproduziertes Blind-Biddingspiel ohne wirkliche Kniffe. Um es mit Otto zu sagen: Von solchen Spielen sollte es Hunderte geben. Leider gibt es davon Tausende.

 

Kryptos: Logik-Deduktionsspiel. Nimmt den Grundmechanismus von Da Vinci-Code auf und entwickelt daraus ein sehr viel deduktiveres Logikspiel. Etwas unübersichtlich, aber interessant. Leider offenbarte unsere Testpartie einen offensichtlichen Designschnitzer. Wie sich später herausstellte, fehlte aber eine Re. gel bei der Erklärung, also halte ich mich mit meinem Urteil erstmal zurück.

Nika: Auch hier halte ich mich mit einem Urteil zurück. Das Spiel ist offensichtlich für genau vier Spieler entwickelt, ich habe es aber nur zu zweit gespielt. Da wurde schon deutlich: Es ist abstrakt, bietet viele Möglichkeiten bei geringer Regeltiefe und ich bin auf das Viererspiel gespannt, denn es ist ein Partnerspiel und sowas mag ich.

Astro Jam: Eigentlich ein Logikpuzzle, bei dem jeder nacheinander versuchen muss möglichst effizient seine Karten zu nutzen um Gegenstände von A nach B zu bringen. Ich mag Logikpuzzle, aber hier wurde das Spiel drumrum vergessen. Wer nicht dran ist, dreht Däumchen. Wer dran ist, sieht sich seine Auslage an und löst das Problem mit seinen Karten, wenn es möglich ist und er löst es nicht, wenn nicht. Zu allem Überfluss gibt es auch noch einen großen Glücksfaktor. Das ist kein Spiel, dass ist eine zufallsgesteuerte Durchclick-App als Brettspiel. Nur unübersichtlicher.

Wash Dash: Im Prinzip ein Hektik-Reaktions-Schnell-als-erster-ein-Muster-Nachbauspiel, aber herrlich überproduziert: Man hängt Kleidungsstücke mit echter Wäscheklammer an eine Pappwäscheleine. Wer bei dieser Beschreibung denkt, dass wäre nichts für ihn, hat vermutlich recht. Wer denkt, dass das lustig klingt, auch.

Blocky Mountains: Erinnert mich an diese Klingeldrähte aus Schul- und Strassenfesten, aber anders als die, mag (und kann) ich Blocky Mountains. Nettes Geschicklichkeitsspiel, dass auch meiner Tochter gefällt.

 

Circus Spiel aus Halle 4: Titel und Verlag sind mir entfallen, aber das macht nix, denn es war die größte Graupe, die ich in Essen gespielt habe. Absolut belangloses Sammel- und Ablegespiel bar jeglicher Originalität oder Spielkontrolle. Kickstarter gone bad.

Badgers cant be choosers: Leider hatte der Verlag keinen Stand, man konnte das Spiel nur in der VIP-Lounge auf Einladung spielen (und bis Donnerstag auch kaufen). „Leider“, denn dieses asymmetrische (!) Dachseinsetzspiel spielt sich extrem flott, hat ein straffes Regelwerk und spielt sich immer wieder anders (Zugegeben: Ich konnte nur zwei Partien spielen…). Jeder Zug eine spannende Entscheidung, hohe Interaktivität und ein originelles, starkes Thema. Was will man mehr? GROSSE Empfehlung!

Castle Crush: Man baut ein Schloß mit Bauklötzen und dann lassen die Mitspieler abwechselnd einen Holzklöppel darauf fallen und kassieren Punkte für alles, was abfällt. Mehr muss man nicht sagen, oder? Schönes Funspiel, mir persönlich aber als Absacker mit 40€ zu teuer. Aber auch das kommt wieder.

ciao

peer

P.S. Wer sich wundert, dass ich Badgers can be choosers nicht bereits letzte Woche erwähnt habe, dem sei gesagt: Das liegt daran, dass ich mir das Spiel komplett ausgedacht habe. Ich meine ein Spiel dass es nur in der VIP-Lounge gab? So ein Blödsinn!

 

Peer Sylvester
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