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Kurze Geschichten aus der Welt der Spiele

Kickstarter ist wieder in aller Munde: The Doom that came to Atlantic City hat wieder alle bestätigt: Zum einen, dass Spiele mit Cthulhu-Thema grundsätzlich ankommen, zum anderen das Kickstarter sowieso riskant ist – Die 122.000 eingenommenen Dollar sind weg. Der Macher hatte wohl etwas hochtragende Pläne: Er gab seinen Job auf und zog erst einmal um – offiziell um eine Firma zu gründen, die das Spiel produzieren und vertreiben sollte. Das Geld ist jetzt alle und alle sind sauer… Anscheinend ist da jemanden der warme Regen zu Kopf gestiegen. Natürlich wird das gleich als Zeichen erkannt, dass man Kickstarter grundsätzlich nicht trauen sollte. Und ja: Es gab einige Projekte die aus den unterschiedlichsten Gründen nicht zu stande kamen (Darunter einige Fälle, die an Betrug grenzen. Ein Fall sticht besonders hervor: Die Köpfe hinter PURGE wurden wegen Brandstiftung verhaftet). Das gab es aber auch schon der Prä-Kickstarter-Ära – wer erinnert sich noch an Huang Di oder Alien Ascendacy? Immerhin hat Cryptozoid jetzt angekündigt, das Spiel zu übernehmen und an die Backer zu schicken. Großzügig, kann man da nur sagen! (Wobei der Werbeeffekt sicherlich nicht zu verachten ist…) (Huang Di erscheint übrigens als Island Fortress. Und davon haben die alten Backer nichts)

Ich hatte es bereits geschrieben: Kickstarter macht es leichter, für alle Beteiligten eine Finanzierung zu erstellen – aber die Produktion muss jeder dennoch hinbekommen. Das ist weit schwieriger als es scheint, eben weil viel von der Auflage abhängt und sich Kosten aufgrund prozentualer Anteile schnell potenzieren. Das betrifft insbesondere Stretch Goals, die sich kaum kalkulieren lassen. Wer begeistert ist, lässt sich schnell zu Dingen hinreißen, die er später bereut. Glory to Rome war ein solches Beispiel – schlecht kalkuliert und zu wenig Reserve. Und schon ist man ruiniert.

Andere Leute ruinieren sich, obwohl Kickstarter nicht erfolgreich war. Es gibt sie tatsächlich noch: Leute, die Einhundertausend (100.000!) Exemplare ihres Würfelspieles drucken und denken, die gehen schon weg. Mehr noch: Der Autor ging davon aus, dass die Erstauflage (wie gesagt Hundertausend Stück – zwei Zehnerpotenzen über dem Üblichen) komplett an Sammler gehen würde. Eine an und für sich traurige Geschichte, die einmal mehr zeigt, dass man erst einmal Leute fragen sollte, die sich mit sowas auskennen. Die hätten ihm gesagt, dass der absolute Großteil der Spiele Auflagen von unter 5000 Stück haben dürfte.

Enden wir mit einer heiteren Note: Einige Zeitungen haben beim Wall Street Journal abgeschrieben. Die meldeten fälschlicherweise (z.B. hier), dass Monopoly das Gefängnis abschaffen würde, weil Kinder zu wenig Zeit hätten. Nun, das war eine Ente, es lässt sich nicht mehr rekonstruieren, wie das WSJ darauf kam. Die kürzere Version von Monopoly – Monopoly Empire – hat auch ein Gefängnis und ist eben nicht Monopoly (ebensowenig wie andere Spin Offs wie das Kartenspiel, Monopoly Express oder U-Monopoly) Hasbro wirft fast jedes Jahr eine neue Variante auf den Markt, um mehr Zielgruppen anzusprechen. Soweit nichts neues. Es hätte mich nach der großen Bügeleisen-Kampagne auch gewundert, wenn Hasbro ihr Flagschiff so mir-nix-dir-nix beschneiden würde. Freuen wir uns aber, dass zumindest ein Spiel immer noch regelmäßig in den Nachrichten auftaucht. Wenn auch als Ente im Sommerloch.

ciao
peer

 

Peer Sylvester

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