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Im Paralleluniversum

Anlässlich der Wahl zum lustigsten Gesellschaftsspiel darf man sich mal den harmlosen Spaß machen und fragen: Was wäre, wenn Monopoly nicht erfunden wäre?

Hätte es ein anderes Monopoly gegeben? Wenn ja welches? Viele kämen nicht in Frage, denn Monopoly war nun ein aussergewöhnliches Spiel, das nicht umsonst so eingeschlagen ist. Scrabble wäre es kaum gewesen – als Wortspiel hat es eine bestimmte Zielgruppe und die hat es komplett erfüllt. Memory, MÄDNT etc auch eher nicht, denn Parkers Internationalität war eine große Vorraussetzung für die Verbreitung. Mögliche Kandidaten wären Cluedo oder Risiko, aber auch da denke ich nicht, dass die diese Universalität gehabt hätten – Cluedo ist als Deduktionsspiel zu viel Denkarbeit und Risiko ist ein Kriegsspiel. Wenn es ein Spiel geschafft hätte, dann vielleicht Careers, dass hierzulande ja nun fast komplett unbekannt ist. Aber es bietet bei einfachen Regeln zumindest diese Sehnsucht bestimmte Berufe zu erreichen – Karriere zu machen eben. Aber spielerisch fehlt dieses interaktive Handelselement, dass sicherlich großen Anteil an Monopolys Erfolg hatte (ähnlich wie die Handelsphase bei Siedler – warum gibt es eigentlich so wenig gute, einfache und effiziente Handelsspiele, wenn die so beliebt sein können?). Meine Einschätzung: Ohne Monopoly hätte die Durchschnittsfamilie tatsächlich ein Spiel weniger im Schrank. Ich halte es für unwahrscheinlich, dass ein anderes Spiel dessen Platz hätte einnehmen können.

Und natürlich bietet sich die zweite Frage an: Was wenn es Monopoly nicht gäbe und es jemand jetzt (2011) erfunden hätte – wäre es veröffentlicht worden? Die Kommentare bei Gutefrage zeigen: Einige finden es total gut (nicht umsonst gibt es Weltmeisterschaften etc.) und einige mögen es aus guten Gründen (Spieldauer, Ausscheiden…) komplett ab. Sicherlich beruht Monopolys standing zu einem guten Teil auch darauf, dass alle es irgendwo kennen, niemand Regeln lernen muss und viele Leute Kindheitserinnerungen damit verknüpfen. Das würde definitiv wegfallen. Es bleibt ein Spiel, das nach heutigen Gesichtspunkten eine Menge Mangel aufweist. Einige dieser Mängel würden aber wegfallen, denn es würde vom Verlag ja korrekt gespielt werden (mit Versteigerungen etc.) während ein Großteil der Bevölkerung mit Hausregeln spielt (wie „frei parken“). Weiterhin darf man nicht vergessen: So schlecht kann es nicht sein, denn viele von uns haben es mal mit Begeisterung gespielt – auch wenn wir veilleicht nichts besseres kanten (und es gab durchaus Spiele, die fand ich schon schlecht, als ich noch nicht viele Alternativen hatte). Auch hat es eine große Fangemeinde und das sind nicht nur Leute, die nichts anderes kennen – man denke nur an Phil Orbanes (Spielerfinder und Kopf vom amerikanischen Winning Moves und Schiedrichter bei den Monopolyweltmeisterschaften).

Rein neutral betrachtet passt das Spiel nicht in das Verlagsprogramm eines deutschen Verlages. Ich glaube also nicht, dass es hierzulande Erfolg hätte. In den USA aber vielleicht schon. Sicherlich würden bestimmte Mechanismen erneuert und verändert werden, aber die Handelsphase und das Mieten und Errichten von Wohnhäusern würde bleiben. Meine Einschätzung ist: Es ist leicht Monopoly zu hassen und es ist kaum neutral zu betrachten – zu viel Geschichte und Klischee steckt drin. Aber letztlich funktioniert das Spiel und ist auch Zielgruppenkompatiebel – das muss man anerkennen. Hätte es heute diesen Erfolg? Kaum. Wäre es heute marktfähig? Mit Sicherheit!

ciao

peer

Peer Sylvester
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