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Its the End of the World as we know it

In den 70er Jahren wurde das Ende der Brettspielwelt eingeläutet.

Dabei sah alles noch so harmlos aus: Elektronik wurde in Brettspielen eingebaut und Spiele wie Senso, Heiße Spur und natürlich Atlantis- der schwarze Turm galten gemeinhin als kleine Sensationen (Vielleicht sollte man von denen mal i-Phone-Apps erstellen, könnte ein Erfolg werden ;-) ). Aus diesen Anfängen erwuchsen langsam die Videospiele und die galten erst als Ergänzung zu Brettspielen (Parker machte ja z.B. Videospiele für die Atari-Konsole). Als der Videospielmarkt größer und bedeutender wurde, war klar: Bald sterben die Brettspiele aus. Als dann Ende der 80er /Anfang der 90er ein großes Verlagssterben begann wusste jeder: Jetzt ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis es keine nennenswerten Brettspiele mehr gibt.

Dann kamen die Siedler von Catan.

Oops.

Heutzutage weiß man: Brett- und Videospielmarkt sind zwei Welten und überschneiden sich in etwa so wie die Welten von Film und Literatur. Der Brettspielmarkt ist der Teil des Spielzeugmarktes, der kontinuierlich in den letzten Jahren gewachsen ist. Die Spieleszene ist größer und breiter und vor allem internationaler geworden. Gerade letzterer Trend sollte eine gute Versicherung gegen eine brettspiellose Zukunft darstellen.

Doch Spieler sind auch immer irgendwie Apokalyptiker und lassen sich durch gute Zukunftsaussichten nicht aus dem Konzept bringen. Diesmal stellen sie besorgt fest: “Spiele werden immer komplexer! Die Brettspiele richten sich immer mehr an Vielspieler und vergessen die breite Masse! Bald spielen nur noch Freaks! AAAARGH!”

(OK, Ich mag da vielleicht ein klein bischen übertrieben haben…)

Als Beweis wird gerne die Fairplay-Scoutliste zitiert und tatsächlich finden sich da einige Spiele, die in Punkto Komplexität und/oder Regelhürde die Siedler (die ich mal als Richtwert nehme) überflügeln; Genauer gesagt 9 der 10 Spiele dürften schwieriger sein; Egizia hab ich zwar selbst nicht gespielt, aber aus den Berichten schließe ich, dass das noch durchaus im Rahmen liegen dürfte (Natürlich ist diese Betrachtung recht subjektiv; je nach Blickwinkel ist alles unter Advanced Squad Leader zu seicht oder alles über Kniffel bereits zu schwer…). These bestätigt?

Weit gefehlt!

Offensichtlichster Fehlschluß ist natürlich, dass die Scoutliste von Leuten erstellt wird, die Vielspielerspiele lieben – von Vielspielern nämlich. Diese Liste ist keinesfalls repräsentativ für Essen. Gucke ich mir eine andere Liste an – die Liste der Spiele die ich mir in Essen angeguckt und/oder mitgenommen habe komme ich auf 26 Spiele deren Komplexität höchstens deren von den Siedlern entspricht gegenüber 10 deren Komplexität darüber liegt.  Macht man sich die Mühe die Spielbox-Messeliste durchzuarbeiten wird dies bestätigt: man findet dort deutlich mehr Normal- und  Leichtgewichte  als reine Vielspielerspiele (und das obwohl Hasbro fehlt).

Aber der eigentlich Grund für die schiefe Wahrnehmung ist sogar noch simpler: Es gibt mehr Spiele. Und damit mehr Vielspielerspiele. Ja mehr noch: es gibt mehr Kleinverlage, deren Produkte nicht mehr von denen der großen zu unterscheiden ist. Und diese Kleinverlage werden in vielen Fällen von Vielspielern geführt, die ihre Lieblingsspiele vermarkten. Nimmt man die klassischen deutschen Verlage Schmidt, Kosmos, Zoch, Hans im Glück, Ravensburger… stellt man dort keine Verschiebung in Richtung höhere Komplexität fest. Die einzigen größeren deutschen Verlage mit wirklich komplexeren Spielen sind eggertspiele und Alea und die haben sich schon immer auf Vielspieler-orientierte Spiele konzentriert. Die Menge der Familienspiele hat also nicht abgenommen, die Menge der Vielspielerspiele hat lediglich aufgeschlossen.

Puh – Apokalypse wieder einmal abgewendet!

Wir sehen uns 2012 wieder wenn sie Ms Piggy sagen hören: “Jetzt geht die Welt aber wirklich unter!”

(Wer nicht weiß was es mit 2012 auf sich hat, sollte mal googlen. Ist auch unterhaltsam)

ciao

peer

Peer Sylvester
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