Verlagsvorstellung: Adventureland Games

Ferienzeit = Urlaubszeit! (OK, nicht für mich, ich mache gerade “Babypause”) Und auch wir hier auf der Spielbar reisen weiter um die Welt. Nächster Stopp: Australien! Hier besuchen wir den Kleinverlag Adventureland Games, der immerhin schon einmal einen australischen Spielepreis abgreifen konnte.

F: Stelle Dich doch bitte unseren Lesern kurz vor!

A: Hallo! Ich bin Phil Harding und ich lebe in Sydney, Australien. Brettspiele zu erfinden ist ein Hobby von mir und im Jahre 2007 habe ich Adventureland Games gegründet,um meine Spiele selbst zu verlegen. Entsprechend besteht Adventureland Games nur aus mir selbst. Ich erfinde die Spiele, mache die Graphik, schreibe die Regeln und vertreibe die Spiele direkt. Das ganze mache ich nur aus Freude am Hobby und um meine Spiele zu veröffentlichen. Das Spiele erfinden stillt viele meiner kreativen Energien: Es ist visuell, konzeptual und sozial – folglich ist es eine meiner Lieblingsbeschäftigungen!

F: Erzähle uns doch ein bisschen über eure Spiele!

A: Zwei Spiele habe ich bereits veröffentlicht: Archaeologoy – The Card Game und Cannonball Colony. Archaelogy ist ein kleines Absacker-Kartenspuel über das Graben nach alten Schätzen und dem Verkauf selbiger an Museen. Es ist ein Sammelspiel mit einigen Parallelen zu Bohnanza, hat aber auch einige Zock- und Nimm-Das!-Elemente. Es hat den erstmalig vergebenen Best Australian Game of the year – Spielepreis gewonnen, worauf ich sehr stolz bin!

Archeology- The Card Game

Cannonball Colony ist ein Brettspiel in dem jeder die Rolle einer von vier Nationen übernimmt die versuchen eine neu entdeckte Insel zu kolonisieren. Der Hauptmechanismus ist das Legen von Plättchen auf zwei Ebenen: Man baut Wege und auf diesen Wegen baut man Forts (10 Forts braucht man für den Spielsieg). Außerdem kann man Kanonen bauen, die gegnersiche Forts zerschießen und Blockaden, die Kanonenkugeln abfangen. Wenn die Wege zweier Spieler verinigt werden, wird die Sache besonders verzwickt, denn beide Spieler können auf beiden Wegen bauen! Das Spiel mag etwas spartanisch und abstrakt anmuten, aber es beinhaltet Tonnen von Spielerinteraktionen und bietet viel Raum für teifgehende Strategien. Das Spiel erschien im Juni in einer Hunderter-Auflage. Die Produktion war eine ziemliche Herausforderung, da das Spiel viel Material benötigt, aber ich bin mit dem Ergebnis sehr zufrieden!

Cannonball Colony

F: Wie können wir in Deutschland an deine Spiele kommen? Wirst du in Essen sein?

A: Leider kann ich es mir im Moment noch nicht leisten zu ausländischen Messen zu reisen, aber es ist ein Traum von mir irgendwann einmal Essen zu besuchen!

Beide Spiele können über meine Webseite bezogen werden. Ich habe nur noch wenige Exemplare von Archaeology übrig, aber eine neue Auflage ist gerade in der Mache und die wird hoffentlich leichter zu bekommen sein.

F: Ist auch ein weitere Auflage von Cannonball Colony geplant?

A: Da das Spiel in der Porduktion doch ziemlich aufwendig ist, plane ich im Moment keine weitere Auflage. Das Dilemma ist, dass mir das Kapital für eine große Auflage fehlt, eine kleine aber zu wenig Gewinn abwirft. Zumal die Produktion doch sehr aufwendig ist. Idealerweise finde ich einen Verlag, der das Spiel produziert. Ich arbeite allerdings gerade an einer Java-Version, denn ich glaube Cannonball Colony funktioniert sehr gut als Online-Spiel. Es kann übrigens bereits mit VASSAL gespielt werden.

F: Was hast du für die Zukunft geplant?
A: Ich arbeite an einer ganzen Reihe von Spielen, die Bandbreite reicht von einem kleinen würfelbasierten Kampfspiel zu einem Zivilisationsaufbauspiel. Leider ist man als Kleinverlag durch die Kosten der Logistik ziemlich darin eingeschränkt, was sich an Spielen produzieren läßt. Es wäre schön, wenn ein größerer Verlag auf meine Spiele aufmerksam werden würde, dann wäre ich nicht so eingeschränkt.

F: Erzähle uns doch ein bisschen über die Brettspielszene in Australien!

Die Szene in Australien hat sich ähnlich entwickelt, wie die Szene in den USA. Viele von uns sind mit Monopoly und Scrabble und wenig anderem aufgewachsen. Eurogaming (oder wie man die Brettspielentwicklung der letzten 15 Jahre auch immer nennen möchte) hat sicherlich auch Australien erreicht, aber ist noch nicht so verbreitet wie in den USA oder andernorts. Ich vermute mal das liegt daran, dass Australien ein relativ kleiner und sehr isolierter Markt ist. Wir haben keine Vertriebe wie Rio Grande oder Z-Man Games hier und das bedeutet, dass die Preise recht hoch sind.

Doch ich muss auch betonen, dass die Szene extrem enthusiastisch ist und sehr schnell wächst. Die Australian Game Expo z.B. ist nun in ihrem vierten Jahr und jedes Jahr ist sie viel größer als sie im Jahr davon war. Spiele wie Siedler von Catan oder Carcassonne sind mittlerweile in Buchhandlungen erhältlich. Außerdem wurde  eine neue Organisation namens Boardgames Australia gegründet, die das Ziel hat das Hobby zu fördern und regelmößig Spielepreise vergibt. Ich hab als dass Gefühl, dass Brettspiele hier stark im Aufwind sind und ich sehe optimistisch in die Zukunft!

F: Vielen Dank für das Interview!

Leider kann ich bei beiden Spiele keine persöhnliche Erfahrung anbieten. Die Bewertungen von Cannonball Colony auf Boardgamegeek sind generell recht wohlwollend, aber das ist bei einem Kleinverlag normal ;-) Nach allem was ich über das Spiel gelesen habe, scheint es ein sehr interessantes abstraktes Setz-Spiel ohne Glücksfaktor zu sein. Solche Spiele mag ich eigentlich und wenn mein Budget im Moment nicht gerade etwas knapp wäre, würde ich mir wohl ein Spiel bestellen.

Archeology – The Cardgame ist vielleicht sogar noch etwas besser, allerdings fällt es in die Kategorie “Kartensammelspiel” und da habe ich eine Menge in meiner Sammlung – jedenfalls zu viele, um mir jetzt extra ein Spiel aus Australien zukommen lassen zu müssen. Sollte es mit einem deutschen Vertrieb klappen, werde ich wohl aber zugreifen. Einen schönen Überblick über das Spiel (auf englisch) gibt es hier.

ciao

Peer

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

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