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Vip RIP

Autoren: Eloi Pujadas und Eugeni Castaño
Verlag: Nice Game
Für 3-8 Spielende ab 10 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten

Eine Untergruppe der sogenannten Partyspiele ist die Klasse an Spielen, bei denen bestimmte Begriffe an die anderen kommuniziert werden, sei es durch Zeichnen, durch Erklären, durch Kartenspiel oder durch andere mehr oder minder kreative Methoden. In der Regel wird dabei einer Person ein Begriff gegeben und diese Person muss nun ihren eigenen Weg finden, diesen mit der vorgegeben Kommunikationsmethode an die Gruppe zu kommunizieren. Es ist kein neues Genre.
Das Redaktionsteam von Nice Game hat nun anscheinend Freude daran, dieses System zu variieren: Bei Hunch durften nur die „fremden“ Hinweise der Mitspielenden verwendet werden, um den eigenen Begriff darzustellen. Bei Vip RIP wird das Prinzip nun gänzlich auf den Kopf gestellt: Welche ausliegende Person kommuniziert werden soll, ist -innerhalb der Auslage – freigestellt. Es sind die Hinweise die verwendet werden müssen. Dabei sollen gleich drei (in höheren Schwierigkeitsgraden auch mehr) Personen auf einmal mitgeteilt werden. Als Kommunikation dienen einzig und allein Karten mit Sinnsprüchen und Zitaten, von denen die arme Person, von der hier alles abhängt (Vip RIP ist kooperativ), lediglich eine mehr zur Auswahl hat, als sie braucht. Sie muss also mit dem auskommen was sie hat, darf lediglich entscheiden, auf wen sich ein gezogener Hinweis eigentlich beziehen soll.

Das Redaktionsteam von Nice Game scheint nicht nur Lust daran zu haben, gängige Prinzipien umzudrehen (siehe Hunch oder Empires End, bei dem ein Reich zerfällt, statt das eines entsteht), sie sind anscheinend auch hart im nehmen (siehe auch das sperrige Hunch und das potentiell frustrierende Empires End). Vip RIP ist sauschwer. Das liegt zum einen an der brutalen Wertung – auch wenn die Gruppe in der Theorie mehrere Rateversuche hat, sollten es in der Praxis nicht mehr als insgesamt drei pro Runde sein. Das klingt bei lediglich 9 Figuren nicht viel. Aber die Sinnsprüche passen selten zu de ausliegenden Personen. Wer „Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer“, „Shit happens“ „Morgenstund hat Gold im Mund“ und „Kindermund tut Wahrheit kund“ auf der Hand hat, könnte vermutlich sogar den gesamten Stapel nach Prominenten (fiktiv wie real) durchsuchen, ohne fündig zu werden, geschweige denn bei einer Zufallsauslage von 9 Karten. Klar, kann man immer noch einige lose Verbindung zu irgendeiner Person konstruieren („Bugs Bunny hat immer eine Karotte im Mund“) aber die Ratenden eben auch („Beethoven ist immer früh aufgestanden“, „Liefen die Teletubbies nicht morgens?“). Im Schnitt brachten wir es auf einen richtigen Tipp pro Runde, regelmäßig ein zweiter, der spätestens beim zweiten Versuch geraten wurde sowie ein dritter Tipp der Marke „Rudis Resterampe“, der bestenfalls nach zwei Fehlversuchen geraten wurde, oftmals gar nicht. Die typische Ausgangslage einer staatlich zertifizierten Totengräberin

Nun kann man argumentieren, dass ein Kommunikationsspiel vom Scheitern lebt, von dem Humor, der sich ergibt, wenn man vergeblich versuchte ein Eichhörnchen zu zeichnen. Scheitern tut man hier tatsächlich oft – aber das liegt daran, dass die Hinweise von Vip RIP  schlicht zu vage sind. Und für die kann man nichts. Kommunikationsspiele leben eben auch und vor allem von dem Weg, von der Kreativität und mindestens so sehr wie vom Scheitern leben sie auch von der Überraschung, wenn es jemanden gelingt mit einer Büroklammer und einem Stück Fell die Apokalypse darzustellen (Was n Das?) oder mit Zufallsbuchstaben ein nicht existierendes Wort zu erdenken, dass alle als Bezeichnung für etwas Stacheliges halten (Krazy Wordz). Diese Überraschung fehlt hier aufgrund der vorgegebenen Hnweise völlig. Bestenfalls kann man darauf hoffen, denselben vagen Zusammenhang zwischen Spruch und Person zu sehen, wie der Rest der Gruppe. Das wirkt ob der vorhergehenden Diskussion eher zufällig.

 

 

#spiel23

Peer Sylvester