Autorin: Angela Vögtli
Verlag: Kampfhummel Spiele
Für 3-4 (mit Erweiterung bis zu 6) Spielende ab 12 Jahren (auch schon ab 10)
Spieldauer 30-60 Minuten, je nach gewählter Variante
Hoppla, wie die Zeit vergeht! Es ist ja schon ganze sieben Jahre her, dass bei Huch! das Spiel Invisible Ink erschien! Das war vor Corona! Und Invisible Ink ist mittlerweile schon gar nicht mehr im Programm (was mich aber nicht davon abhält, mit dieser Einleitung weiterzumachen). Die älteren werden sich vielleicht dennoch erinnern: Das war ein Zeichenspiel, bei dem Zeichner und/oder Ratende nicht sehen konnte, was gezeichnet wurde, weil sie eine Brille aufhatten, die gemaltes ausblendete. Das Problem an dem Spiel war, dass der Kern nicht richtig ausgearbeitet wirkte; die Idee war zweifelsohne gut, aber das Spiel passte in weiten Teilen nicht so ganz dazu.
Nominell basiert Ultraviolett auf derselben Kernidee, wenn auch mit UV-Stift statt Farbfilterbrille (oder wie Nina Hagen singen würde: Du hast den Farbfilter vergessen!). Wobei Ultraviolett die unsichtbare Tinte nur beim Zeichnen einsetzt, beim Raten darf das Bild mittels Lampe begutachtet werden. Das ist zwar weniger Einsatz als bei Invisible Ink, aber es ist der Teil aus der Idee, der tatsächlich witzig und nicht nur einfach bockeschwer war. Insofern eine gute Wahl! Für die malende Person ist das anleuchten des Bildes tatsächlich mindestens genauso überraschend, wie für die anderen. Ein schöner Moment!
Nun, wäre das alleine vermutlich noch etwas wenig. Insbesondere auch, um die unterschiedlichen Zeichenfähigkeiten untereinander auszugleichen, etwas was bei kompetitiven Zeichenspielen besonders wichtig ist. Glücklicherweise wurde Ultraviolett noch mit einer großen Portion eines anderen Spieles verfeinert – ironischerweise einem ohne Siegbedingung: Mutabo.
Gezeichnet werden nämlich nicht Begriffe, sondern kartengenerierte Zufallssätze, wie sie auch in Mutabo auftreten könnten. Da es vermutlich unmöglich wäre, diese tatsächli „blind“ zu erraten (darauf basiert Mutabo ja), liegen alle Satz-Möglichkeiten offen aus. So geht das Raten dann sogar erstaunlich gut – wir haben aber auch jahrelange Mutabo-Erfahrung, die sich jetzt endlich auszahlt. Ha!

Mutabo braucht eigentlich keine Wertung. Ob Ultraviolett unbedingt kompetitiv sein musste? Zumindest ist die Punktvergabe der Teil des Spieles, der ein bisschen ruckelt: Es ist ein bisschen frustrierend für alle Beteiligten, wenn von den vier zu erratenden Satzteilen, konsequent nur drei erraten werden, es aber nur für vollständige Sätze Punkte gibt – was besonders dann frustriert, wenn man zufällig die deutlich schwierigeren Begriffe zeichnen muss oder mehrere ähnliche Verben in der Auslage liegen.
Wie schnell sich die Runde zudem darauf einigen kann, was jetzt eine einzelne Szene ist (dafür gibt es potentiell mehr Punkte) und wann ein, zwei Teile nicht zum Rest gehören, sondern „extra“ gezeichnet wurden, ist recht grauzonig; Sicherlich, schafft diese Regel einen Anreiz es etwas schwieriger zu versuchen, aber zumindest bei uns war die Gesamtszene eigentlich immer gesetzt und abgewichen wurde nur, wenn es wirklich nicht anders geht. Kommunikative Spiele dieser Art sind meistens besser kooperativ, zumindest sind die Punktevergaben dann einfacher. Wer gewinnt ist bei diesen Spielen am Ende eh meist egal (Was man auch daran sieht, dass Punkteoptimierer Bilder mit Szenen nicht erraten dürften, weil sie dann weniger bekommen würden, als die zeichnende Person. Das ist nicht Sinn der Sache – und kommt bei Leuten, die diese Art von Spiel spielen, aber auch nicht vor).
Vielleicht fällt diese Wertungsdiskussion auch so sehr auf, weil Ultraviolett durch die Sätze für mich näher an Mutabo dran ist, denn an Invisible Ink. Das unsichtbare Zeichnen sorgt angenehm dafür. dass der Darstellung der Nonsenssätze nicht mehr Zeit eingeräumt wird, denn unbedingt nötig (es gibt auch eine Sanduhr, aber die sorgt eher für ein natürliches Ende der Zeichnerei, denn für Stress) – man kann eh nicht zu detailreich zeichnen, wenn man nicht sieht, wo die Details eigentlich genau hinmüssen. Dadurch fängt Ultraviolett für mich das Gute an Mutabo ein und ergänzt es mit genug neuem, dass es neben diesem bestehen kann.
Kurz zu den Erweiterungen: Die eine erweitert die Anzahl der Mitspielenden auf bis zu sechs. Zeichenspiele sind oft Gruppenangelegenheiten und mehr sind hier sinnvoll.
Die Hardcore-Erweiterung schränkt die Mitspielendenzahl dagegen eher insofern ein, als dass es hier „Keine Tabus“ gibt, was ein Zeichen dafür ist, dass die Begriffe aus Cards against humanity stammen könnten: Neben schlüpfrigen Dingen („Dildo“) findet man auch „krasses“ wie „missbraucht“ oder .Fötus“ und politisches wie Kim Jung Un oder… Chuck Norris??? Das die Sätze ja zufällig sind, ist der Tabubruch kleiner als bei CaH. Und ob der Humor jetzt bierseliger wird, wenn man den Satz „Jack the Ripper zerbombt eine digitale Geschlechtskrankheit“ zu zeichnen versucht, sei dahingestellt. Man bekommt halt genau das: Andere Begriffe, die man eher nicht mit den Kindern spielt. Ob dieses Spiel tatsächlich das richtige Vehikel für eine After-Dark-Version ist, weiß ich nicht – vielleicht kämpfe ich nicht stark genug gegen das eigene Spießertum, aber mich deucht, dass die Leute, die eine solche Version spielen wollen, am Ende davon enttäuscht sind und die Leute, die das nicht tun, die Erweiterung eh nicht benutzen.
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