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Pandemic

Verlag: Z-Man-Games
Autor: Matt Leacock
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 10 Jahre
Spieldauer: 30-45 Minuten

Pademic begann sein Leben als typisches Hype-Spiel: Einige sehr positive Kommentare wurden im Netz veröffentlicht und das Spiel war schwierig zu bekommen, ja sogar zeitweise ausverkauft. Kein Wunder, dass die Berichte über dessen Qualitäten leicht unrealistische Ausmaße annahmen. Mittlerweile ist das Spiel relativ leicht online zu beziehen und sogar eine deutsche Version ist von Pegasus angekündigt, und prompt hat sich der Hype etwas beruhigt. Als Rezensent kann ich jetzt also ganz entspannt zu Werke gehen und muss hier niemandem etwas beweisen…

Das Thema ist jedenfalls schon einmal ausgesprochen ungewöhnlich: Es geht um Seuchenkontrolle. Vier leider nicht näher benannte Krankheiten grassieren auf der Welt und die Spieler müssen für alle vier eine Heilung finden bevor eine Pandemie ausbricht (die spanische Grippe lässt grüßen). Und weil Forschung Teamwork ist, ist Pandemic ein Teamspiel – Wir alle gegen das System!

Wer an der Reihe ist, darf 4 Aktionen durchführen, wobei die meisten Aktionen für die Bewegung über das Brett draufgehen. Krankheiten kommen in Würfelform aufs Brett und der Gutteil der Restaktionen besteht naturgemäß darin, diese Würfel wieder runterzubekommen. Um eine Krankheit zu heilen, müssen 5 Karten der entsprechenden Farbe gesammelt werden. Da die Karten aber den Spielern selten den Gefallen tun dürften farblich gebündelt aufzutreten, ist es nicht unwichtig, dass die Spieler miteinander Karten tauschen. Gemeinerweise ist ein Tausch aber sehr beschränkt: Es darf nur eine Karte weitergegeben werden, wenn sich beide Spieler gerade in derselben Stadt aufhalten und die getauschte Karte auch noch gerade diese Stadt zeigt! Das Weitergeben von Informationen ist also ziemlich schwierig zu koordinieren – noch nie was vom Internet gehört?
Am Ende eines jedes Spielerzuges kommen nicht nur neue Spielerkarten ins Spiel, die getauscht werden dürfen, sondern vor allem auch neue Krankheitserreger: Von einem anderen Deck werden einige Karten gezogen (die Anzahl nimmt im Laufe des Spieles zu) und Krankheitswürfel entsprechend platziert. Sollte dabei ein vierter Würfel in dieselbe Stadt gelegt werden müssen, so kommt es zu einem Ausbruch und JEDE Nachbarstadt wird infiziert. Dadurch kann es zu regelrechten Kettenreaktionen kommen – es sollte aber nicht, denn beim achten Ausbruch ist alles vorbei. Mit etwas Spielerfahrung sind Ausbrüche i.A. aber ganz gut in den Griff zu bekommen. Allerdings nicht immer, denn ein sehr genialer Mechanismus sorgt dafür, dass die Spieler ständig am Abgrund stehen: Regelmäßig kommt es zu einer Epidemie. Bei einer solchen erhält nicht nur eine Stadt gleich drei Würfel auf einmal, sondern die Karten die beim regelmäßigem Würfelziehen bislang verwendet wurden werden neu gemischt und OBEN auf den Nachschubstapel gelegt. Auf diese Weise brechen die Krankheiten immer wieder in denselben Städten aus – realistisch und spannend zugleich!

Haben die Spieler es tatsächlich geschafft eine Heilung zu entwickeln, so geht die Krankheitsbekämpfung gleich noch viel besser: Pro Aktion kann eine Stadt von dieser Krankheit vollständig geheilt werden, egal wie viele Würfel dort liegen. Und ist die Krankheit tatsächlich nicht mehr auf der Erde vertreten, ist sie sogar ausgelöscht: Wie seinerzeit die schwarzen Pocken kommen keine neuen Infizierten dieser Krankheit mehr aufs Brett.

Doch zu viel Zeit sollten sich die Spieler nicht lassen: Beim achten Ausbruch, wenn keine Würfel mehr da sind oder wenn das Kartendeck der Spieler einmal durch ist, haben die Viren gewonnen! Besonders letzteres ist fast „Standard“ – die Spieler können sich nicht erlauben allzu viele Aktionen zu vergeuden und müssen sehr ökonomisch spielen. Damit die Spieler überhaupt eine Chance haben die Krankheiten rechtzeitig auszulöschen gibt es 5 verschiedene Rollen, von denen je eine jedem Spieler bei Spielstart zugeteilt wird. Jede Rolle bietet einen starken Vorteil und das richtige Ausnutzen der Rollen ist ein Schlüssel zum Sieg. Als positiver Nebeneffekt sorgen die Rollen für die Anpassung des Schwierigkeitsgrades: Spielen wenig Spieler mit, ist es einfacher die Krankheiten zu heilen, weil sich die Kartenfarben auf weniger Spieler verteilen. Spielen mehr Spieler mit, stehen mehr Vorteile zur Verfügung. Dadurch spielt sich das Spiel in allen Besetzungen gleich gut – und theoretisch sind auch Solopartien oder 5-Spieler-Partien denkbar (wenngleich im Regelwerk nicht vorgesehen).

Insgesamt hat Pandemic eine Menge Punkte auf der Haben-Seite: Ein interessantes Thema, ein gut durchdachten Spielverlauf und eine sehr angenehme Spieldauer (30 Minuten bei etwas erfahrenen Spielern laden geradezu auf eine zweite Partie ein, falls die erste verloren wurde). Durch die immer andere Ausgangslage (andere Krankheiten an anderen Orten, andere Rollen im Spiel) und 3 „einstellbare“ Schwierigkeitsgrade ist auch für Langzeitmotivation gesorgt. Für die Qualität spricht auch, dass ein Mitspieler, der vor der Partie meinte „Ich mag keine kooperativen Spiele“ anschließend sofort noch eine Partie dranhängen wollte. Zu mäkeln gibt es kaum was: Ich wüsste schon gerne, mit welchen Viren ich es zu tun habe, die Graphik der Spielerkarten könnte etwas interessanter sein und das Regelheft ist zwar klar und logisch aufgebaut, die Details (auf die es hier ankommt) aber nicht immer ausreichend deutlich hervorgehoben. Aber nichts davon fällt wirklich ins Gewicht.

Fazit: Hype oder nicht, Verfügbarkeit hin oder her: Absolute Kaufempfehlung!

Peer Sylvester

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
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