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Opera

Verlag: Huch & Friends
Autor: Hans van Tol
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 12 Jahre
Spieldauer: 90 Minuten

Gleich zu Beginn eine Gratulation an Hans van Tol: Endlich wieder ein neues, interessantes Thema! Und mutig ein Spiel zu einem Webbrowser zu entwickeln! Also wirklich, das ist doch vielleicht ein bisschen „nerdy“, aber Hut ab… Moment, was? Oh, ich höre gerade bei dem Spiel geht es um Opern. Nun, das ist bestimmt auch interessant…

Und es ändert auch nichts an der Einleitung. Das Thema ist unverbraucht und mutig, denn Opern gehören zu den Themen wie Mathematik oder moderner Kunst, bei dem es sozial akzeptiert ist, stolz darauf zu sein, dass man davon keine Ahnung hat.
Nun, wenn man tatsächlich keine Ahnung von Opern hat, macht es hier auch nichts, denn leider ist die Umsetzung des Themas was das mechanische betrifft doch sehr mau. Man baut Opernhäuser, man vergrößert Opernhäuser und man erwirbt Opern von berühmten Komponisten wie Mozart oder Händel, die übrigens alle 300 Jahre alt wurden. Diese Einkaufstouren sind spielerisch recht pfiffig gelöst: Am Anfang der Runde wandelt man quasi Geld in Aktionspunkte um, eine Umwandlung die nicht rückgängig gemacht werden kann. Mit den Aktionspunkten führt man eben jene Käufe und etwaige Sonderaktionen durch, die dann oft mit dem verbleibendem Handgeld bezahlt werden müssen. Es ergibt sich also das immer währende Dilemma: Kann ich viel tun, hab ich kein Geld. Hab ich Geld, kann ich nicht viel tun. Am Ende jeder Runde bringen die Opern neues Geld (aber immer zu wenig) und alle drei Runden auch Siegpunkte (aber immer zu wenig). Dabei bringen große Opernhäuser mehr Geld und viele Opernhäuser bringen viele Siegpunkte, so dass der Gebäudebau ein ähnliches Dilemma bietet: Siegpunkte oder Geld? Geld ist immer knapp, wer pleite ist, bekommt aber auch keine Siegpunkte. Kein Geld ist also auch keine Lösung.

Operas mechanisches Konstrukt ist also sehr ordentlich, nur hat es letztlich recht wenig mit Opern zu tun. So sehr ich es begrüße, dass es mal nicht um mittelalterlichen Burgenbau geht, so schade finde ich es, dass die Mechanik genauso geeignet wäre, um das Bauen von mittelalterlichen Burgen zu simulieren. Wer auf der Schachtel verspricht, dass man die „großartige Welt der Opern“ erlebt, der hätte vielleicht etwas mehr Oper und etwas weniger Standardeurogame in die Schachtel packen sollen. Immerhin ist aber die graphische Umsetzung überaus gelungen, denn die ist wirklich bombastisch und sorgt für zumindest ein wenig Atmosphäre.

Mecker, mecker, mecker…. Ich weiß, ich weiß, ich hab jetzt genug auf der Themenumsetzung rumgehackt. Es interessiert sich doch sowieso niemand für Opern, oder? Wer spielt schon des Themas wegen? Die Schachtel ist doch schön, das reicht doch, was das Thema betrifft! Wir reden schließlich über ein Eurogame und nicht den neuesten Teil von Advanced Squad Leader! Was zählt ist doch das Spiel! Und das hätte das Zeug gehabt, als Vielspieler-Lieblingsspiel den Deutschen Spielepreis zu gewinnen… wenn es im Jahre 2000 erschienen wäre. Ich hasse es, wenn das passiert: Da hat ein Autor eine schöne Idee für ein Thema und baut ein wohldesigntes Spiel drumrum, das einige nette Elemente beinhaltet und dann kommen zahlreiche Spiele auf den Markt, die dasselbe Marktsegment bedienen, aber allesamt ein klein bisschen besser sind. Der Autor hätte es verdient, dass man in den höchsten Tönen von diesem Spiel spricht (welche Wortspiel!), aber letztlich sticht es durch nichts so richtig aus der Masse heraus. Das passiert der Deutschen Nationalmannschaft, die mit tollem Fußball zum zweiten Mal in Folge den uninteressanten dritten Platz erreichte (Wer kam 1970 auf Platz drei?) und das passiert Hans van Tol (übrigens Holländer und damit jemand der zeigt, dass man mit Effizienz ins Finale kommen sollte, statt mit gutem Fußball ins Spiel um Platz drei): Nettes Spiel, aber leider nichts was ruft „Kauf mich!“

Bis auf die Graphik vielleicht. Die ist wirklich gelungen. Und das Thema. Aber das erwähnte ich wohl bereits.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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