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Magenta-Reihen-Fortsetzung: No Thanks! und I´m Out!

Die Magenta-Reihe von CYMK wurde fortgesetzt. Der Graphikstil und das Format ist geblieben. Was immer es ist, immerhin ist es konsequent. Und gute Nachricht: Zwar wird hier leider immer noch nicht der jeweilige Autor auf der Schachtel genannt, aber es wurde zumindest vermeldet, dass CYMK dies in Zukunft tun möchte. Das wäre schön. Mittlerweile ist die Nicht-Nennung ja schon fast pathologisch.

 

No Thanks!

Autor: Thorsten Gimmler

Für 3-7 Spielende ab 8 Jahren

Spieldauer: 20 Minuten

 

No Thanks! ist das Spiel, dass ich in drei Iterationen in meiner Sammlung hatte: Erst als Geschenkt ist noch zu teuer, dann als Schöne Schei?e und jetzt in der Version, deren Graphikstil online mit „Cybertruck“ umschrieben wurde. Allerdings: Schlechter als die vorherigen Iterationen ist diese Version beileibe nicht. Es hilft allerdings, dass sich die Amigo-Versionen auch nicht gerade durch graphische Meisterleistungen hervortaten.

No Thanks! ist eines jener Spiele, die man am besten in der Kneipe oder der lockeren Runde spielt: Es ist intuitiv, es hat das eskalierende Element von Poker (Wer zuckt als erstes) und man kann sich beim Spielen schön ärgern. Jemand gewinnt, jemand verliert, aber das ist schon gar nicht mehr unbedingt wichtig. Hier habe ich das Spiel bereits in der Jungsteinzeit des Blogs rezensiert und sehr viel mehr neues kann ich darüber nicht schreiben – außer vielleicht dass es wirklich sehr schnell geht und wirklich sehr intuitiv ist. Hm, OK, eigentlich habe ich da auch nichts neues mehr geschrieben, sondern nur noch einmal betont.

Die vorliegende Version hat den Vorteil, dass die Karten dank des Formates jetzt richtig schön übersichtlich sind und zudem sehr viel mehr der recht schicken Chips fassen kann. Da lässt man eine Karte gleich noch einmal rumgehen!

Der Nachteil: Geschenkt war immer ein Kneipenkracher, doch die Packung ist jetzt mindestens viermal so groß. In die Jackentasche passt es damit nicht mehr. So sehr ich den künstlerischen Anspruch der Reihe auch bewundere (wenn auch die Farbgebung nach wie vor jenseits von Gut und Böse einzuordnen ist): Für eine Reihe von Mitbringkartenspielen ist sie bemerkenswert schlecht zum mitnehmen geeignet.

 

I´m Out

Autor: Masato  Uesugi

Für 3-6 Personen ab 8 Jahren

Spieldauer: 20 Minuten

Anmerkung: Hierzulande ist das Spiel in einer gänzlich anderen Aufmachung bei einem anderen Verlag als 13 Leaves erschienen.

Letzteres trifft naturgemäß auch für das jüngste Spiel der Reihe zu. Hier gibt es nicht einmal Chips oder sowas und entsprechend war die erste Frage in meiner Runde: „Muss das eine so große Packung für den Kartenstapel haben?“ und ich antworte mit einem Galaxy Quest-Zitat: „Ja, das muss.“ Denn Galaxy Quest ist cool.

Masato Uesugi ist vor allem für seine Stichspiele bekannt, I´m Out ist -wie der Titel andeutet – aber ein Shedding Spiel, also ein Spiel, wo man seine Karten loswerden muss. Wie bei vielen Spielen des Genres üblich, muss man dafür ausliegende Karten über- oder unterbieten ‑ in diesem Fall liegen die gespielten Karten in einer aufsteigenden Reihe und man darf sich entscheiden, wo man anlegt. Auf der einen Seite der Morchel Reihe werden die Zahlen kleiner, auf der anderen größer. Auch keine ganz große Innovation ist, dass man mehrere Karten mit derselben Zahl ausspielen kann – das witzige ist jetzt, dass man die Anzahl der Karten auf der Seite, auf der man anlegen will, mindestens „matchen“ muss: Hat die letzte Person also 3 Karten dort gelegt (oder bereits liegende auf drei ergänzt – auch das ist erlaubt), so muss man selbst ebenfalls mindestens drei Karten derselben Zahl anlegen. Die dann im Wert natürlich auch ebenfalls höher bzw. niedriger sein müssen. Kann man das nicht, steigt man aus der Runde aus und nimmt eine Karte aus der Auslage auf die Hand. Ist nur noch eine Person im Spiel, wird abgeräumt und „last wo/man standing“ beginnt eine neue Reihe.

Das alles sind keine wirklich neuen Elemente, aber in dieser Kombination überraschend trickreich. So kann man bei anderen Shedding-Spielen meistens mit vielen Mehrlingen punkten, hier müssen die Zahlen auch noch passen – die fünf Fünfen nützen eben nix, wenn an den Enden der Auslage Vier und Acht liegen. Umgekehrt nützt die 1 nichts, wenn die anderen immer mehr als eine Karte auf das kürzere Ende legen. Die Regeln sorgen so für eine angenehme Unvorhersehbarkeit. Das Nehmen einer Karte sorgt zudem für die nötige Illusion der Kontrolle: Ich sammel bewusst auf Mehrlinge oder auf hohe oder niedrige Karten, um dann losschlagen zu kö…. doch nicht!

Da bin ich wohl raus!

Das Überraschende an I´m Out ist wie dynamisch es sich anfühlt. Ständig hat man das Gefühl, jetzt aber zu wissen, wie der Hase läuft, um dann doch von der nächsten Karte überrascht zu werden. Dabei müsste man es besser wissen: Es kommen während einer Partie niemals Karten dazu, es werden nur immer welche entfernt. So verengt sich der Fokus des Spieles immer mehr, weil immer weniger Karten eigentlich im Spiel sind. Dadurch bleibt ein Sieg immer möglich – auch mit vermeidlich schlechten Karten, baut man sein Blatt langsam wieder auf, bleibt vielleicht im richtigen Moment im Spiel und kann die Graupen loswerden… oder eben auch nicht. Es ist vielleicht nicht das strategischste unter den Shedding Spielen, aber von den lockeren, eines der intuitivsten. Spicy hat damals das Bluffspiel dadurch wiederbelebt, dass es das übliche Gebluffe (die aufsteigende Zahl) um eine Variable (Farbe) erweitert hat. Das Ergebnis war eine Dimension mehr. Hier wurde das Shedding -Spiel durch die Variablenanzahl ganz ähnlich ergänzt.

Peer Sylvester
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