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Elysium

Verlag: Space Cowboys (Vertrieb: Asmodee)
Autoren: Brett J Gilbert / Matthew Dunstan
Spieleranzahl: 2-4
Alter: ab 14 Jahre
Spieldauer: 40-60 Minuten

Elysium hat ein total aufgesetztes Thema, ist deswegen sehr abstrakt und unglaublich verkopft. Grübler können die Spieldauer fast beliebig ausdehnen. Trotz Grübelfaktor ist der Glücksfaktor durchaus spürbar.

Elysium ist außerdem zweifelsfrei eines der besten Spiele dieses Jahrgangs.

Ich gebe zu: Elysiums Spielprinzip entspricht genau meinem Geschmack: Wenig Regeln, aber viele, viele Möglichkeiten. Außerdem jeder Zug eine Entscheidung, die schmerzt und die spürbaren Einfluss auf alle nachkommenden Entscheidungen hat. Inklusive denen der nachkommenden Spielern. Dennoch fühlt man sich nicht gespielt, denn die Mitspieler sind bis zu einem gewissen Grad berechenbar.

Die meisten Regeln sind administrativer Natur und regeln wann welche Karten wie ins Spiel kommen. Darüber hinaus könnte man das Regelwerk fast auf drei Regeln zusammenschrumpfen:
1) Immer wenn eine Karte aus der Auslage gekauft wird, muss irgendeine Säule abgegeben werden. Davon hat man vier verschiedene. Jede Karte zeigt zudem eine oder zwei Säulen, die man noch haben muss, wenn man die Karte nehmen will. Daher beeinflusst jede abgegebene Säule die Optionen, die mir in den Folgezügen bleiben.
2) Einmal pro Runde kann man statt einer Karte ein Reihenfolgeplättchen für die Spielerreihenfolge erwerben. Die steuert gleichzeitig Einkommen und wie viele Karten mittels Regel 3 bewegt werden können. Auch dafür wird eine Säule benötigt. Daher muss ich nicht nur auf die Karten aufpassen, sondern auch was ich an Einkommen benötige und was ich an Punkten zu holen gedenke.
3) Man legt Karten aus der einen Auslage in die Punkteauslage. Dies ist limitiert (siehe 2) und dort wird sortiert, wofür es für verschiedene Dinge Punkte gibt. Außerdem verlieren Karten in der Punkteauslage ihre Fähigkeiten. Ich muss also überlegen, auf was ich verzichten kann, auf was es zu sammeln lohnt und wo es wieviel zu holen gibt.

Natürlich gibt es ein paar Details (wie Punktewertungen und sowas), aber tatsächlich ist das Grundkonstrukt einfach und klar. Man sieht deutlich was man machen kann und wie. Der Fokus liegt auf dem Erfassen und Durchführen des Lieblingszuges.

Und das ist gut so, denn in den ersten Partien schmilzt das Hirn. Die Karten haben es nämlich in sich – Nicht nur haben alle einen besonderen (und ziemlich einmaligen) Effekt, auf den man es abgesehen hat (denn alle Effekte sind toll. Einige passen aber besser zur eigenen Strategie als andere), nein sie wollen auch langfristig mit Farbe und Punktwert in die Punkteauslage passen. Außerdem muss wohlüberlegt sein, welche Säule man abgibt. Ebenfalls nicht trivial, denn man will sich ja möglichst wenig einschränken und auch flexibel bleiben, wenn die Mitspieler einem Karten wegnehmen. Und möglichst auch nicht zu berechenbar für diese sein. Oh und zu allen Überfluss muss man ja auch ein Reihenfolgeplättchen nehmen und dafür braucht man ebenfalls eine bestimmte Säule, sonst fällt das Einkommen nächstes Mal schmerzhaft niedrig aus, was wiederrum bedeutet, dass man wenig Karten in die Punkteauslage legen kann.
Das sind alles gerade so viele Variablen, dass man alle berücksichtigen möchte, aber nur mit Kompromissen kann. Und das beste: Es ist auch noch interaktiv, denn bestimmte Karten oder Plättchen muss ich mir auf jeden Fall sichern, um das machen zu können was ich will, mit anderen kann man den Gegnern schön in die Suppe spucken. Das macht einfach Spaß!
Wenn ich das Spiel mal völlig willkürlich mit Deus vergleiche (ebenfalls ein eher abstraktes, verkopftes Kartenauslagemanagementspiel), so stelle ich fest, dass Elysium einfach viel stringenter und geradliniger ist. Ich sehe, was ich machen kann und mache es dann. Das beeinflusst andere Mitspieler unmittelbar, entweder durch Karteneffekte oder dadurch, dass ich ihnen etwas wegnehme. Die sehen auch vorher was überhaupt möglich ist, etwas was bei Deus praktisch fehlt. Da meine Karten in der Punkteauslage wirkungslos werden, ich pro Runde aber nur eine begrenzte Kartenzahl dort unterbringen kann (und deshalb versuche das jede Runde zu schieben), verhindert das Spiel auch elegant, dass ein Spieler unübersichtlich viele Kartenkombos durchführen kann (etwas was z.B. bei Deus bei Spielende echt zum Problem wird).
Natürlich ist Elysium verkopft, das ist der SINN des Spieles! Aber hier hat das Verkopfte spielerischen Mehrwert, ich denke, nicht ohne Grund. Ich sehe sofort was ich mir überlegt habe und ob der Plan aufgeht. So muss es sein.
Das einzige was man kritisieren kann ist, dass nicht ganz klar ist, welche Karten ins Spiel kommen – gerade zu zweit ist der Kartendurchsatz eher gering – was bestimmte Bonussiegpunkteffekte beeinflusst. Wer extra für grüne Karten punktet, ärgert sich, wenn die unten im Stapel liegen. Aber da es bei Elysium so viele Möglichkeiten gibt sein Spiel zu optimieren und anderweitig zu punkten, hat mich das nie gestört. Zumal dem Spiel 8 Kartensets beiliegen, von denen immer nur 5 im Spiel sind. Der Effekt hängt auch von den Sätzen ab und tritt daher nicht immer auf. Dafür sorgt die Variabilität natürlich für einen enormen Wiederspielreiz – man muss sich nicht sorgen, bald schon alles gesehen zu haben. Elysium gehört nicht zuletzt auch deswegen zu den Spielen, die man behalten sollte, wenn man seine Spielesammlung mal auf eine zweistellige Anzahlen eindampfen müsste. Spieltiefe und Variabilität lassen den Wiederspielreiz jedenfalls so groß werden, dass mir Elysium so schnell nicht langweilig werden wird.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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