Deckscape: Das Schicksal von London / Deckscape: Raub in Venedig

Deckscape

Verlag: Abacusspiele
Autoren: Martino Chiacchiera und Silvano Sorrentino
Spieleranzahl: 1-6
Alter: ab 12 Jahre
Spieldauer: 60 Minuten

Über das Deckscape-System habe ich bereits hier gesprochen. Insofern geht es jetzt um die beiden neuen Fälle:

Das Schicksal von London

Ich finde die Quelle nicht mehr, aber ich erinnere mich an folgendes Rätsel: Eine Perlenkette besteht aus einer Schnur und es wechseln sich immer 3 weiße und 3 schwarze Perlen ab, 12 Perlen insgesamt jeweils. Die Schnur darf nicht zerschnitten werden, die Löcher in den Perlen sind so klein, dass sie vernachlässigbar sind. Wie kann man die schwarzen Perlen zusammenführen?

Lösung: Man haut mit dem Hammer die weißen Perlen kaputt.

Das Rätsel diente als Illustration für ein unbefriedigendes Rätsel, es verletzt die Konvention, dass ein Rätsel aus den gegebenen Daten heraus lösbar sein muss, ohne zusätzlichen Gegenstände der „echten Welt“.

Das Schicksal von London hat aus einem ähnlichen Grund einige sehr unbefriedigende Momente: Es ist nicht immer klar, was denn im Rahmen der Lösung erlaubt ist und was nicht. Das ist insbesondere auch unbefriedigend, da das Deckscapesystem keine Zwischentöne erlaubt: Man dreht die Karte um oder nicht. Bei einem Rätsel waren wir überrascht, dass der lustige Kommentar eines Mitspielers die Lösung war. Bei einem anderen Rätsel habe ich eine alternative Lösung gefunden, die m.E. viel mehr im Rahmen lag, als die so manch anderen Rätsels. Lassen wir die jetzt gelten oder nicht? Das zu entscheiden mag flexibel sein, ist aber auch ein bisschen nicht unsere Aufgabe als Spieler.  Einer der Autoren meinte, dies sei sein Lieblingsfall, vermutlich genau wegen dieser „cleveren“ Ideen, aber wir fanden es in erster Linie schlecht definiert, was denn jetzt erlaubt war und was nicht.

Die Story ist noch abgefahrener als die beim Test und trotz einer coolen Idee hat sich hier noch weniger Immersion aufgebaut – ironischerweise vielleicht auch wegen der „realen“ Rätsel. Ein Rätsel war zudem schon sehr ähnlich im ersten Teil. Insgesamt für uns der schwächste Teil!

Raub von Venedig

Umgekehrt hat der Raub von Venedig vielleicht die größte Immersion von allen drei Titeln, zumindest hat es eine passende Geschichte (Man versucht einen Chip zu stehlen) und die Rätsel passen weitestgehend zum Setting. Hinzu kamen einige sehr schöne Ideen: So spielen die Spieler alle eigene Charaktere, was im wesentlichen bedeutet, dass jeder ein paar Geheiminformationen hat, die für bestimmte Rätsel gebraucht werden. Das soll dafür sorgen, dass jeder zumindest irgendwann einmal etwas zu tun hat. Die Kehrseite ist, dass wenn diese Person schläft, das Rätsel nicht gelöst werden kann. Und bei einem Rätsel, wo zwei Charaktere ihre Informationen kombinieren müssen, können die anderen Spieler nur zuschauen. Daher bleibe ich dabei, dass die Deckscape-Fälle eher für 2-3, vielleicht auch noch 4 Personen sind, aber keinesfalls in Maximalbesetzung gespielt werden sollten. Rätseltechnisch war wenig ganz originelles dabei -das Deckscapesystem gibt vielleicht auch nicht so viel Spielraum wie die anderen Systeme – aber das eine oder andere war schon nett gemacht. Das Ende war diesmal sehr logisch zu erreichen. Hier kann ich eine klare Empfehlung aussprechen! Nachdem London die Frage aufwarf, ob das System vielleicht zu einschränkend ist, was Rätsel betrifft, zeigt Venedig die Antwort: Mehr Immersion und das restriktive System an der einen oder anderen Stelle aufbrechen!