Interview Skellig Games

Das schöne an Essen ist sicherlich auch, dass man all die Verlage sieht, von denen man zuvor nichts gehört hat. Einer dieser Verlage ist Skellig Games, die ein spaßig aussehendes Dirigierspiel gezeigt haben. Da ich neugierig war, verabredete ich ein Interview, das ihr hier nachlesen könnt. Da Uwe so freundlich war mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen, könnt ihr im Anschluss auch meine Eindrücke zum Spiel lesen!

Bitte stelle Dich und deinen Verlag kurz vor!

Mein Name ist Uwe Bursik, ich bin 48 Jahre alt und wohne im schönen Mittelhessen. Von Haus aus bin ich Software-Entwickler, nachdem ich vor unendlich vielen Jahren mal Physik studiert habe. Die Wissenschaft und ich haben uns aber geeinigt, dass ich weniger Schaden anrichte, wenn ich mich beruflich anders orientiere.

Bitte erzähle uns kurz etwas zur Entstehungsgeschichte zu Concerto!

Am Anfang stand der Gedanke, dass mich nicht nur die Entwicklung eines Spiels, sondern auch das ganze Drumherum eines eigenen Spieleverlags reizen würde. Also wurde Skellig Games gegründet, ein guter Freund ins Boot geholt, und ein erstes Spiel musste her.

Concerto ist dann im Rahmen einer Ideen-Offensive entstanden, bei der ich mir über einige Wochen das Ziel gesetzt hatte, zehn Spielideen bis zu einem gewissen Punkt auszubrüten und weiter zu denken. Von diesen zehn Ideen sind dann drei übrig geblieben, und Concerto hat sich letztendlich durchgesetzt, weil es beim Testen am rundesten wirkte und den Testern auch am besten gefallen hat. Da es unser erstes Spiel ist, wollten wir natürlich bei den Kosten nicht zu viel riskieren, so dass auch eine Materialschlacht keinen Sinn gemacht hätte. Insofern war Concerto am besten geeignet und ist unser erstes “Baby” geworden.

Die Idee zu Concerto selber ist ganz profan beim Autofahren aufgekommen, als schöne Musik lief und ich überlegt habe, was man mit diesem Thema so anfangen könnte.

Was habt ihr für die Zukunft geplant?

Wir sind mit dem Start von Concerto bis jetzt sehr zufrieden, und die ganze Verlagsarbeit macht uns total Spaß. Insofern haben wir Blut geleckt und bereiten schon die nächste Veröffentlichung vor. Das Thema steht noch nicht ganz fest, aber es gibt ein paar heiße Kandidaten. Ziel ist auf jeden Fall, Skellig Games als Verlag zu etablieren, und dann auch irgendwann Spiele von anderen Autoren zu veröffentlichen.

Habt ihr ein bestimmtes “Profil” für euren Verlag im Auge oder wollt ihr erst einmal abwarten, was sich entwickelt?

Nein, wir haben kein spezielles Profil im Auge und schauen einfach mal, wohin uns die nächsten Ideen so treiben. Wir wollen uns da ganz bewusst nicht festlegen und dann gerne auch mal überraschen. Das haben wir uns bei mir abgeschaut: einfach ein bisschen in die Breite gehen ;-)

Wie würdet ihr Euer Messefazit ziehen?

Da es unsere erste Messe war, ist ein Vergleich natürlich schwierig. Unser persönliches Empfinden war großartig. Es war spannend, lehrreich, interessant, lustig und total positiv. Wir hatten fast die ganze Zeit über die Tische voll und hatten den Eindruck, dass Concerto bei den meisten sehr gut angekommen ist. Und das gibt einem dann schon eine Menge zurück. Außerdem haben wir eine Menge neue Kontakte in allen Richtungen geknüpft. Was sich da im Einzelnen ergibt, wird sich zeigen. Wir sind da sehr zuversichtlich. Es soll keine Drohung sein, aber: wir kommen wieder.

Vielen Dank für das Interview!

Wie gesagt, war Uwe so freundlich mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung zu stellen, so dass ich Concerto hier besprechend kann :-)

Die grundsätzliche Spielidee ist schnell erfasst: Man möchte öffentliche Aufträge (=Musikstücke) erfüllen. Dazu werden je nach Schwierigkeitsgrad verschiedene Instrumentkarten benötigt. Diese wiederrum werden in erster Linie blind gezogen und dann ausgelegt. Jetzt kommt der Gag des Spieles: Wer eine Instrumentenkarte auslegt, bekommt einen Stein mit einer Dirigentenanweisung, schaut ihn sich an und legt ihn so vor sich ab, dass die anderen Spieler die Anweisung sehen, man selbst aber nicht. Wer einen Auftrag erfüllen (also ein Stück spielen) will, muss nicht nur die benötigten Instrumentenkarten ausliegen haben, sondern auch die dazugehörigen Anweisungen fehlerfrei aus dem Kopf nachspielen. Das ist originell, denn auch wenn es viele Gedächtnisspiele gibt, ist die Verknüpfung mit der Taktstockbewegung witzig und spielt sich frisch. Da Steine abgeworfen werden und verschiedene Aufträge verschiedene Instrumente benötigen, muss man sich immer wieder mal was neues merken. Auch thematisch ist dieser Kern von Concerto passend – auch weil die Aufträge reale Stücke sind.

Der Kern ist aber in meinen Augen noch nicht ganz perfekt herausgearbeitet, zum Teil muss man doch auf passende Karten warten. Legt man unpassende Karten in die Auslage muss man sich viel merken, und darf nur eine Karte nachziehen… Das ist aber kein großer Nachteil, Concerto macht durchaus Spaß… aber man sieht hier und da auch den Kleinverlag. Das ist nicht nur die Graphik, die zum Teil nicht vorhanden ist (Die Aktionskarten sind rein textbasiert), das ist auch eine Punkteleiste die etwas zu klein für die Meeple ist und das ist auch eine etwas ungünstige Spielendepartie: Das Spiel endet nach einer fixen Menge Siegpunkte. Das ist nicht nur etwas wenig thematisch, das bedeutet auch, dass sich das Spiel hinten raus ziehen kann: Wenn ich nicht mehr alle meine Steine genau weiß, mache ich Fehler, bekomme keine Punkte und muss einen Stein abwerfen.  Dadurch komme ich eher noch mehr durcheinander, auf jeden Fall bekomme ich keine weiteren Informationen, so dass ich ggf. das nächste Stück auch nicht mehr spielen kann… Wenn das allen so geht, endet das Spiel erst, wenn jemand seine Auslage wieder in Griff hat. Eine andere Endebedingung wäre hier besser gewesen oder eine (stark restriktive) Möglichkeit sich einzelne Steine anzusehen (einige Sonderkarten erlauben dies, aber die muss man erstmal haben). Zum Glück gibt es einen einfachen Fix: Einfach die notwendige Siegpunktzahl etwas senken.

Insgesamt ist Concerto trotz einiger kleiner Ungenauigkeiten ein durchaus gelungenes Erstlingswerk. Ich bin selbst nicht absolut begeistert, aber wohl auch nicht unbedingt die Zielgruppe und ich sehe die Originalität durchaus. Was ein Vorteil ist: Ich kann das Spiel (durch weglassen der Aktionskarten) durchaus auch mit meiner jüngsten spielen, auch wenn es einige Anpassungen in Punkto Spiellänge bedarf. Wie gesagt, man hätte das Spiel m.E. noch etwas mehr auf den Kern zuschneiden können (die taktischeren Aspekte ums Kartensammeln zünden nicht so und lenken vom dirigieren ab – und das ist ja, was man eigentlich will). Aber im Großen und Ganzen ein rundes Ding!

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.