Traurige Hunde und Publikumspreise

Ich hatte es einmal in einem Nebensatz erwähnt: Originis Game fair hat Larry Correia erst ein- udn dann wieder ausgeladen. Correira ist ein recht erfolgreicher Autor von einer Reihe von “Monster Hunter Nation”-Büchern und das wird der Grund sein, warum er eingeladen wurde. Er ist aber auch einer der federführenden Figuren hinter der “Sad Puppies” – Bewegung und das wird der Grund gewesen sein, warum sie ihn wieder ausgeladen haben (das hätten sie aber auch schon vorher wissen können) – wobei seine Aussagen über Frauen oder Minderheiten auch ihren Teil beigetragen haben dürften. Die Sad Puppies wurden ursprünglich gegründet, weil Correira keinen Hugo (der mit wichtigstre SF-Preis)  gewinnen konnte und damit sehr frustriert war und einige konservative Schreiber im SF-Bereich das Gefühl hatten, sie seien endlich mal dran. Also organisierten sie sogenannte “Slates”, also Listen von Büchern/Werken für alle Kategorien, für die ihre Fans gezielt abstimmen sollten – in erster Linie nominierten sie dabei sich gegenseitig. Da in der Nominierungsphase naturgemäß in der Regel wenig zielgerichtet gevotet wird, ging diese Taktik auf. Das ist stark vereinfacht dargestellt (So gibt es noch eine weitere Gruppierung von rechtsradikalen Internetrollen, die auf den Zug aufgesprungen sind und es lustig fanden, Dinosaurierpornos zu nominieren).  Wer einige Wochen nichts zu tun hat und sich einlesen möchte, findet hier so ziemlich alles wichtige.

Nun vergibt Origin Game fair ja auch einen Preis und es wäre ziemlich schräg jemanden einzuladen, der mehrmals versucht hat, einen Preis so zu manipulieren, dass er gewinnt. Insofern überrascht die Ausladung nicht – die Einladung aber schon. An dieser kann man schon sehen, dass selbst Organisatoren von Großßevents selten die Personen hinter Werken kennen, nicht einmal solche Gruppierungen, wie die Sad Puppies, die über Jahre hinweg aktiv waren. Was das für die noch unbekannteren Spielautoren bedeutet oder die Frage ob und wie kaputt man seine Karriere machen kann, wenn man sich daneben benimmt, sind spannende Themen.

Doch hier gehts um die Manipulation von Publikumspreisen.

Jede Abstimung vom Publikum lässt sich manipulieren. In meiner Schulzeit habe ich zusammen mit zwei Klassenkameraden “Jesus built my hotrod” (Ministry) und “Polka your eyes out” (Weird Al Yankovic) in die Radio Hamburg Top 800 gewählt – mit Hilfe von Aufklebern und vielen Postkarten. Es gab einfach keine Kontrolle seitens der Veranstalter (da es aber auch um eine Playlist ging, nicht um einen Preis, war das vielleicht auch gewollt – jedenfalls haben die DJs die Aufkleber sogar erwähnt). Wer das abstimmende “Publikum” ist, kann man naturgemäß nicht scharf definieren, zumindest nicht, wenn die Anzahl Abstimmender groß genug ist, um überhaupt aussagekraft zu entwickeln. Wer einen Publikumspreis ins Leben ruft, dem muss dies klar sein.

Nun wurde die Abstimmung des Deutschen Spielepreises ja aufgrund eines Manipulationsversuches vorzeitig unterbrochen. Ich will hier gar nicht auf den Fall an sich eingehen, sondern nur, ob und wie man das in Zukunft erschweren kann.

Nun, der erste Schritt wäre in den Geschäftsbedinungen, die man mit einer Einsendung unterschreibt, abzudecken, dass keine Sach- oder Geldgeschenke die Stimemnwahl beeinflusst haben (oder ähnlich anders). Das ist zwar keine Kontrolle – die wäre tatsächlich zu aufwendig – aber eine klare Regelpräzisierung, die verhindert, dass so etwas “versehentlich” passiert. Außerdem gibt es dann eine klare Vorgabe wie mit so einem Fall umzugehen ist, was den Veranstaltern gegen “Willkür”-Vorwürfe helfen sollte.

Die zweite Regel ist dann simpel: Es werden nur Stimmen gezählt, bei denen tatsächlich 5 mögliche Spiele genannt werden. Warum hilft das?

Machen wir uns nichts vor: Wenn ich hier schreibe: “Wählt X!” dann wird das kaum einer meiner Leser tatsächlich tun, ohne X gespielt zu haben. Tatsächlich waren die Slate-Voter beim Hugo praktisch ausnahmslos Leser, die vorher nie für den Hugo abgestimmt hatten, denen der Preis weitestgehend egal war und nur abstimmten, weil die Macher den Kulturkampf “konservativ gegen modern” ausgerufen haben. Ähnlich dürfte es beim DSP sein: Wenn ich meine Reichweite nutze, um Wahlen zu manipulieren erreiche in erster Linie Leute, denen der Preis nicht wichtig genug ist, um ihre eigene Stimme zu verschenken (oder zu verkaufen, wenn ein Gegenwert versprochen wird). So lange aber nur ein Spiel gewählt werden soll (wie im vorliegenden Fall geschehen), muss der Abstimmer zumindest den Rest ebenso mit Spielen füllen – und wird da hoffentlich dann nach seinem eigenen Geschmack gehen, wodurch die Liste wieder etwas aussagekräftiger wird.

Natürlich: Dieser Fix verhindert kein “Slate-Voting” und er kann unterlaufen werden, in dem z.B. gezielt Chancenloses auf den Stimmzettel geschrieben wird. Aber er verhindert m.E. dieses etwas gedankenloses Manipulieren, wie es hier geschehen ist. Der DSP hat im Moment noch nicht die Reichweite des Hugos und da sollte dies vermutlich ausreichen. Der Vorteil ist: Dieser Fix lässt den DSP in der jetzigen Form im wesentlichen unangetastet. Alles was weitergehend wäre, wäre sehr viel aufwendiger (Von Registrierungen bis zu einer Punktevergabe, wie sie bei den Hugos nach den Sad Puppies eingeführt wurden). Dabei besteht die  Gefahr, dass die Hürden für die regulären Abstimmenden so hoch gesetzt werden, dass die Wahlbeteiligung sinkt.

Natürlich könnte man an dieser Stelle über eine Generalüberholung des DSPs nachdenken. So könnte man über einen zweistufigen Prozess einführen: Erst eine Nominierungsphase und dann wird der Gewinner unter den Nominierten gekürt (wobei auch eine der beiden Abstimmungen durch eine Jury geschehen könnte). Das würde das ganze noch etwas robuster gegenüber Manipulationen machen – und auch etwas spannender. Zudem würde nach der ersten Phase die Möglichkeit bestehen, dass sich Spieler gezielt die Nominierten kaufen, was die Spiele etwas stärker bewirbt. Der DSP hat m.E. auch das Problem, dass nur Spiele mit großer Verbreitung und Bekanntheitsgrad gewinnen können, eine Vorauswahl könnte dies etwas anpassen – wenn neben den Publikums-Nominierungen noch eine Handvoll Spiele von einer Jury auf die Liste gesetzt werden. Bleibt die Frage, ob dies gewollt wäre .

Vielleicht sehen wir zum 30. jährigen Jubiläum  (2020) ja einen neuen DSP.

ciao

peer

Autor: Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.