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Ohne Worte

Walter Sharrow macht Spiele zum Ausdrucken und hat sich ein interessantes Regelkonzept ausgedacht: Sein neues Legespiel gibt er eine Regel bei, die das Spiel nur über Bilder erklären soll. Hier der Link.

Das Konzept erscheint als erstes als gute Idee: Regeln ohne Worte müssen nicht übersetzt werden und sind universell. Und zumindest bei einfachen Spielen können Sachverhalte auch einfach dargestellt werden. Das Problem “Die Regel lässt das Spiel komplizierter erscheinen, als es ist” wird umgangen.

Allerdings sieht man auch schnell die Kehrseite des Ansatzes: Wer wasserdichte Gesetzestexte braucht, wird diese Regel hassen – ein Bild kann vielfältiger interpretiert werden, als das geschriebene Wort. Bei dem verlinkten Beispiel ist das Problem imho Bild Nummer 5: Ich hätte gedacht, dass das nur bedeutet, dass man einen illegalen Zug zurücknehmen muss, anscheinend gibt es aber (wie aus der Diskussion deutlich wird) eine Abstimmungsregel. Bei komplexeren Spielen dürfte es noch viel mehr Probleme geben und um die auszuschließen, wird die Regel eher komplizierter.

Das zweite Problem ist, dass eine Bilderregel den Einstieg augenscheinlich nicht erleichtert, sondern ein Rätsel daraus macht. Das mag den einen oder anderen reizen oder gar als “Gimmick” dienen (ein bisschen wie bei “Eine gegen Eine“), die Einstiegshürde senkt dieser Ansatz aber nicht.

Was mir aber dennoch gefällt: Es zwingt den Spieler davon auszugehen, dass alles wichtig ist und den Regelschreiber auf Redundanz zu verzichten. Was nicht erlaubt ist, ist verboten. Hätte ich diesen Grundsatz beherzigt, hätte mir auffallen müssen, dass Bild 5 zusätzliche Informationen bietet – nur zu sagen, dass illegale Züge nicht möglich sind, hätte ein Bild verschwendet. Dazu braucht man jedoch vertrauen zum Regelschreiber.

Brauchbar ist das Konzept allerdings durchaus als Ergänzung zu einer herkömmlichen Regel. Manches kann durch ein Bild besser erklärt werden, als durch längere Erklärungen – ein Spielaufbau etwa. Immerhin zwingt ein Bild den Spieler zum Mitdenken. Pixelstücke geht übrigens den Weg das Spiel (weitestgehend) über ein konkretes Beispiel zu erklären – und das klappt sehr gut. Dasselbe Konzept ging dagegen bei Rückkehr der Helden eher in die Hose. Was ich mir wünsche, ist , dass Verlage sich die Optionen herkömmliche Regel, Beispielregel, Bildregel, Flowchart… auf ihr Pinnbrett kleben und dann für jede Regel und für jede Passage überlegen, welche Methode für welchen Teil geeignet ist. Denn nicht immer ist das gedruckte Wort für einen Sachverhalt die didaktisch günstigte Methode.

ciao

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Peer Sylvester
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