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Verlagsvorstellung I-Games

Aktuell ist die Ukraine ja sowieso im Blickpunkt, da passt es gut, dass ich hier mal den ersten Ukrainischen Spieleverlag vorstelle (der hat dann auch nichts mit EM zu tun). Schon der Name wirft mich da vor Probleme, denn eigentlich heißt der Verlag I-Herz-Games (Also “I Love Games”)… Aber IGAMES stehts in der Email und auf BGG, da übernehme ich das. Und aus letzteren habe ich auch die englische Regel für das Erstlingswerk – My happy Farm – übernommen, das ich nach dem Interview kurz vorstelle!

Bitte stellt Euch und Euren Verlag kurz vor!
Hi, wir sind Oleg und Alexander. Wir sind Spieleautoren und die Gründer von IGames. IGames ist eine Ukrainische Firma, die sich seit drei Jahren auf dem Brettspielmarkt bewegt. Unser Katalog enthält lokalisierte Versionen von anderen bekannten Brettspielen und Eigenkreationen.
Bitte erzählt uns etwas über Euer neuestes Spiel!
Unser neuestes Spiel ist “My happy Farm”. Das Spiel wurde auf der größten Ukrainischen Spielemesse zu einem Hauptpreis nominiert. Es bekommt gute Rezensionen und wurde gerade vom größten Russischen Verlag lokalisiert. Im Moment verhandeln wir mit Verlagen in den USA über eine englischsprachige Version.
Was habt Ihr für die Zukunft geplant?
2012 ist ein wichtiges Jahr für uns. Wir wollen vier Eigenkreationen (Mysterious Signs, Pirate Dice, Viva la ResistANTS! and Nizam) veröffentlichen. Das sind sehr unteschiedliche Spiele, aber wir sind auf jedes sehr stolz. Sie wurden im April auf der größten Ukrainischen Brettspielconvention “Igrosfera” der Öffentlichkeiot vorgestellt.
Bitte erzählt uns mehr über die Brettspielszene in der Ukraine!
Die Ukrainer spielen verschiedene Arten von Brettspielen. Die Leute hier mögen die Europäische Schule genauso wie die Amerikanische. Am liebsten werden aber gute Familienspiele gespielt.
Das Phänomen der Brettspiele, so wie man es im Westen versteht, kam erst vor relativ kurzer Zeit in der Ukraine auf – so etwa vor vier Jahren. Diese Subkultur ist der breiten Bevölkerung auch immer noch gänzlich unbekannt . Wir arbeiten seit drei Jahren daran das zu ändern. Und beginnen Erfolg damit zu haben.

Wir wollen den Markt entwickeln und wir wissen, das diverse Brettspielveranstaltungen, -messen und -conventions eine große Rolle dabei spielen. Um die nötige Nachfrage zu kreieren, liefern wir Händlern und Kunden Informationen – denn viele wissen gar nicht was ein “Brettspiel” eigentlich ist.

In den vergangenen zwei Jahren haben wir das Ukrainische Brettspielfestival an einer historisch interessanten Städte -einer historischen Festung an einem Fluss- abgehalten. Dieses Jahr haben wir die International Boardgame Convention “Igrosfera” on Lviv abgehalten, einer sehr alten und unglaublich pittoresken Stadt. Dadurch kommen mehr Leute. Auf ded Convention konnten neue Brettspiele gespielt werden, man konnte sich mit Autoren aus der Ukraine und anderen Ländern treffen und an Turnieren teilnehmen. Autoren präsentierten prototypen und Verlage fertige Spiele. Es kamen Gäste aus Russland, Weissrussland, Polen und Tschechien.

Es ist wichtig dass diese Brettspielfestivals eine breite Spannbreite bieten, denn Brettspiele sind ja immer noch etwas ungewöhnliches hier…

Vielen Dank für das Interview!


Ob man My Happy Farm mag kann man schnell mit diesen Lackmustest erkennen: Wie findet ihr die Graphiken? Sind die Tiere nicht niedlich?

Die niedlichen Graphiken lassen My Happy farm herausstechen (und sind ein weiteres Argument mal im Graphiksektor mehr zu wagen, aber das nur nebenbei). Das Spiel selbst ist ein Sammelspiel für 2-4 Personen und schnell erklärt: Wer an der Reihe ist darf nur 2 verschiedene Dinge machen. Und machen kann man in erster Linie: Samenkarten kaufen, Samenkarten Pflanzen, Karten ernten (=in die Scheune verschieben), Karten in der Scheune für Geld verkaufen (um neue Karten kaufen zu können) sowie Kombinationen von Karten aus der Scheune abgeben, um Auftragskarten zu erfüllen (das heißt hier “Tiere füttern”). Der Trick ist hier immer flüssig mit Karten und Geld zu sein, um den Rhytmus aufrecht zu halten – denn man hat ja nur 2 Aktionen! Das ist nicht so einfach, weil es auch noch eine Timing-Komponente gibt: Gepflanzte Karten rücken am Anfang eines Zuges ein Feld nach oben. 2 Sorten können nach einem oder 2 “Verschiebungen” geerntet werden, die anderen beiden nur nach 2 Verschiebungen. Was aus dem obersten der drei Felder rausrutschen würde geht verloren, also wird man gezwungen spätestens nach zwei Runden zu ernten.

Dieser Zyklus ist leicht zu verstehen, aber bemerkenswert schwierig effizient zu managen. Es wäre kein problem, wenn man immer die Karten bekommen würde, die man möchte und vor allem wenn man keine Aufträge erfüllen würde – aber das Spiel geht nun einmal um genau die, da kommt man nicht drumrum. Insofern ist das Spiel ein nette Optimierungsaufgabe mit netter Graphik (und sehr geringer Interaktion). Mir persönlich ist es mit etwa 40 Minuten etwa eine Viertelstunde zu lang, denn der Ablauf ist doch etwas gleichförmig und hätte daher etwas merh “Füllercharakter” haben können. Auch denke ich, dass mehr “kleinere” Aufträge dem Spiel gut getan hätten, denn dann wäre man flexibler und könnte gezielter entweder auf besonders häufig gefütterte oder besonders viele gefütterte Tiere spielen.

Dennoch: Nimmt man die genannten Abstriche in Kauf, so erhält man ein nettes, einfaches Sammelspiel mit süßen Graphiken – kein Spitzenspiel, aber solide Arbeit.

ciao

peer

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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1 Kommentar

  • Viel hat sich in der Zwischenzeit getan: Mysterious Signs ist natürlich Mysterium. Und da Happy Farm bei Portal veröffentlicht wurde, wollte ich einen kurzen Blick werfen, was noch erhältlich ist: Pirate Drive ist als Pirate of the 7 Seas veröffenbtlicht (bei BGG gibt es viele Eibdrücke).
    Nizam gibt es bislang nur in ukrainisch, ResitANTS noch gar nicht.