Feb 11

Normalerweise interviewe ich hier immer unbekannte Spieleverlage. Dieses Mal mache ich mal etwas anderes und stelle einen bekannten Verlag vor: Franjos gibt es schon sehr lange – und ist gerade deshalb interessant. Es gibt wenig Kleinverlag, die auf eine fast 30 jährige Geschichte zurückblicken können…

Franjos hat mich eigentlich die meiste Zeit meines Spielerlebens begleitet. Auch wenn ich nicht alle Spiele gespielt habe, so bin ich doch ein großer Fan von Can´t Stop, Wu Hsing und dem Induktionsspiel Black Box. Auch Crash, Husarengolf und Buzzle haben meine Spielesammlung niemals verlassen. Frachtexpress zu dritt ist für mich immer noch ein Geheimtipp – irgendwie ist das Spiel zu Unrecht untergegangen. Neu erschienen ist Mahé, eine Neuauflage von Alex Randolphs Heiße Schlacht ums kalte Buffet – ein wirklich nettes Würfelspiel für Jung und Alt. Wer einen originellen Absacker sucht, kann hier eigentlich wenig falsch machen. Ich hatte jedenfalls immer Spaß mit dem Spiel und für mich ist es eines der wenigen Würfellaufspiele, die ich in meiner Sammlung halte und regelmäßig raushole (neben Igel Ärgern)

Bitte stelle Dich und Deinen Verlag kurz vor!

Ich bin Franz-Josef Herbst, Inhaber des franjos Spieleverlages. Den Spieleverlag habe ich 1987 gegründet. Das erste Spiel war damals Aladdins Erbe von Franz-Josef Schulte. Es hat sich in der Gestaltung stark an den Spielen der Edition Perlhuhn angelehnt: aufwendig (von Franz-Josef Schulte) gestalteter Kunstlederspielplan im Siebdruck bedruckt, große Spielfiguren aus Holz und das ganze verpackt in einer Papp-Röhre. Ein Jahr später kam dann Schuss und Tor, ein Kartenspiel welches in einem Karton verpackt war. Trüffel Schnüffeln war dann das zweite Spiel in der Röhre – und auch das letzte.

Den Kunstleder-Spielplänen sind wir dagegen lange treu geblieben. Wir deshalb, weil Franz-Josef Schulte seit 1988 als stiller Teilhaber am Verlag beteiligt war. Erst Ende 2010 hat er sich finanziell wieder aus dem Verlag zurückgezogen.

Ihr versucht gerade eine neue Auflage von Hyle 7 per Crowdfunbding
zu finanzieren – Was hat euch bewegt, Crowdfunding zu verwenden?

Für mich ist Crowdfunding eine Alternative für Spiele, für die es meiner Einschätzung nach nur einen kleinen Markt gibt. Da wäre das Risiko einer „normalen“ Auflage von 1.500 Stück oder mehr zu riskant.

Die ersten Gehversuche mit Crowdfunding habe ich schon 2013 mit Domus Domini gemacht, leider erfolglos. Im letzten Jahr gab es eine erfolgreich per Crowdfunding finanzierte Neu-Ausgabe von Husarengolf. Für mich eignet sich die neue Ausgabe von Hyle 7 ebenfalls sehr gut für das Crowdfunding. Durch die hochwertige Ausstattung mit einem Holz-Spielbrett läge der Laden-Verkaufspreis bei 39,90 Euro. Da ich nur eine kleine Auflage fertige wäre da noch nicht einmal ein komplett bedruckter und eingeschweißter Karton dabei. Dieser ist aber für die meisten Händler unverzichtbar. So wird es zwar einen Karton für das Spiel geben, allerdings wird dieser lediglich einen Aufkleber bekommen.

Für spezialisierte Händler ist das kein Problem. Die Firma Clemens Gerhards, die das Spielbrett für Hyle 7 herstellt, bietet ihre Spiele genau so an.

Auch für Domus Domini werde ich dieses Jahr noch einmal ein Crowdfunding-Projekt starten. Hier liegt der Fall aber etwas anders. Für einen im Markt der Vielspieler etablierten Verlag wäre Domus Domini sicher mit einem überschaubaren Risiko zu produzieren. Für mich ist dieser Markt aber neu. Daher ist es für mich wichtig, bereits im Vorfeld ein Gefühl für die Nachfrage zu bekommen.

Da Domus Domini 2013 mein erstes Crowdfunding-Projekt war habe ich dabei eine Menge Fehler gemacht – aber auch viel gelernt.

Ihr seid jetzt schon sehr lange dabei – Was würded ihr als die
wichtigste Änderung auf dem Spielemarkt seid 1987 beschreiben?

Für mich die größe Veränderung gegenüber 1987 ist die Zweiteilung des Spielemarktes (Kinderspiele wären für mich noch ein dritter Markt). Während 1987 gute Spiele sowohl für Vielspieler als auch den Gelegenheitsspieler geeignet waren, ist der Anspruch der Vielspieler seitdem immer weiter gestiegen, was die Komplexität der Spiele angeht.

Allerdings habe ich mittlerweile den Eindruck, dass dort jetzt langsam eine Grenze erreicht ist, bei der der Markt für noch komplexere Spiele doch zusehends kleiner wird. Irgendwo ist auch bei den Vielspielern nach meiner Einschätzung eine Obergrenze an gewünschter Komplexität erkennbar.

Ist es für einen Kleinverlag eher leichter geworden (weil es mehr Käufer und Vertriebswege gibt) oder schwerer (weil es mehr Verlage gibt) oder lässt sich das nicht abschätzen?

Für den Spielemarkt in Deutschland würde ich sagen, es ist eindeutig schwerer geworden. Es gibt in Deutschland zuviele Spiele. Das führt immer wieder zu Preisnachlässen, um Lagerbestände bei den Verlagen abzubauen. Doch auch diese Spiele müssen gekauft – und gelagert werden. Ich merke bei mir selber, dass ich regelmäßig Spiele auslagern muss, weil die häuslichen Kapazitäten erschöpft sind. Dabei sind Spiele, die ich nur einmal gespielt habe. Manche tatsächlich kein einziges Mal.

In die „normalen“ Geschäfte komme ich mit meinen Spielen kaum rein. Durch die Zusammenarbeit der Spielwarenhändler in Einkaufsgesellschaften einerseits und große Ketten andererseits sind die Strukturen doch relativ starr.

Dies sind sicher auch Gründe, warum manche Verlage wie Asmodee oder Pegasus versuchen, eine gewisse Sortiments-Größe zu erreichen, um mit dem Handel auf Augenhöhe verhandeln zu können.

Die meisten Spielwarenhändler trauen sich nach meiner Erfahrung gar nicht mehr, selber Spiele zu bestellen, die ihnen nicht von der Zentrale „ans Herz gelegt wurden“.

Zum einen fehlt es hier sicher auch an Kompetenz, zum anderen ist es für einen Spielwarenhändler, der ja nicht nur Spiele im Sortiment hat, auch unmöglich, sich jedes Jahr mit 100 Neuheiten zu beschäftigen, die dann meist nach 2 Jahren schon wieder aus dem Programm geflogen sind.

Und es gibt jedes Jahr weit mehr als die hier genanten 100 Neuheiten.

Wenn ich die ausländischen Märkte dazunehme ist es einfacher geworden, Verlagspartner zu finden,  die in ihrem Land Lizenzausgaben herstellen oder gelabelte Spiele importieren. Hier ist sicher noch Wachstumspotenzial.

Was habt ihr für die Zukunft geplant? Und könnt ihr euch vorstellen wieder ein Spiel mit Skai-Plan herauszubringen?

Für die Zukunft habe ich geplant, neben den massenmarkt-tauglichen Spielen auch hin und wieder mal ein Vielspieler-Spiel zu veröffentlichen. Ein neues Spiel mit einem Skai-Spielplan kann ich mir nur im Rahmen eines besonderen Projektes vorstellen. Das wäre dann vermutlich auch wieder ein Crowdfunding-Projekt.

Vielen Dank für das Interview!

Peer Sylvester

Über den Autor

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.

Peer Sylvester – who has written posts on www.spielbar.com.






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