Sind Spiele zu billig?

Bevor ich anfange muss ich natürlich kurz darauf hinweisen, dass ich mir auch gerne Spiele kaufe und natürlich auch gerne oft Spiele kaufe und dass das besonders gut funktioniert, wenn Spiele möglichst wenig kosten würden. Weder schwimme ich in Geld, noch bekomme ich Tonnen von Rezensionsexemplaren zugeschickt (was auch daran liegt, dass ich nicht mehr ordern will, als ich wirklich spielen kann und mein Hobby ja auch nicht in Stress ausarten soll). Tatsächlich sind Spielepreise eher stabil, inbesondere wenn man die doch sehr gestiegenen Materialanforderungen bedenkt. Und da sind wir gleich beim Thema! Denn es würde der Brettspielszene sehr gut tun, wenn sich höhere Preise auf dem Markt durchsetzen ließen:

Das Material wurde oben schon erwähnt. Die Materialqualität ist in den letzten zehn, zwanzwig Jahren enorm gestiegen und die Ansprüche ebenso. Das ist ein Problem gerade für kleinere Verlage, denn bei den “In-Spielen” mitzuhalten ist nicht billig, wenn nur eine kleinere Auflage produziert und verkauft werden kann. Als Resultat müssen kleinere Verlage oft höhere Preise nehmen, als größere Verlage, oft mit weniger beeindruckendem Material (wobei das z.B. durchaus wieder durch eine originelle und/oder passende Graphik ausgeglichen werden kann).

Höhere Preise können auch für eine bessere Planungssicherheit der Verlage sorgen: Wenn pro verkauftes Spiel mehr Gewinn erzeugt werden kann, kann sich der Verlag auch eher einmal ein weniger erfolgreiches Spiel leisten. Als Resultat könnten die Verlage auch eher Risiken eingehen und auch Spiele produzieren, die sich thematisch, mechanisch oder auch graphisch nicht am Mainstream orientieren, sondern auch eigene Wege gehen. Ich hatte schon öfter angemerkt, dass die großen neuen Ideen der letzten zehn Jahre (Deckbuilding, Legacy-System, Mikrogames, Storybasierte Spiele, Exitspiele) aus anderen Ländern stammten. Es wäre sicherlich gewagt zu behaupten das läge ausschließlich an den (relativ gesehen) höheren Spielepreisen im Ausland, aber ich würde auch nicht ausschließen wollen, dass (preislich bedingte) mangelnde Risikofreude bei hiesigen Verlagen zumindest einen Teilfaktor darstellt.

Etwas befangen bin ich natürlich beim nächsten Punkt: Höhere Spielepreise sorgen auch für eine bessere Bezahlung der Autoren, da sich deren Tantiemen in der Regel am Nettopreis des Spieles orientiert. Ich will nicht, dass das nach Beschwerde klingt, aber als Information: Ich habe letztes Jahr zum ersten Mal im ganzen Jahr mit all meinen veröffentlichten Spielen zusmamen in etwa das eingenommen, was ich sonst im Monat verdiene. Sonst war es deutlich weniger. Und ich bin (angestellter, nicht verbeamteter) Lehrer, kein Ölscheich. Ich bin glücklichweise nicht vom Spieleeinkommen abhängig, aber die Frage darf erlaubt sein, ob eine bessere Bezahlung der Autoren nicht vielleicht auch im Interesse der Spieleszene liegen könnte.

Ich denke, es muss klar werden, auch in der Gesellschaft, dass Spiele letztlich auch Luxusgüter sind und entsprechend behandelt werden sollten. Eine derartige Erkenntnis sollte auch den Stellenwert von Spielen in der Gesellschaft verändern. Viele Spieler wünschen sich eine ähnliche Anerkennung, die Videospiele zumindest schon in Ansätzen erreicht haben. So merkwürdig das klingt: Höhere Preise könnten das zumindest mittelbar erreichen.

In der von mir dargestellten Form ist in absehbarer Zukunft sicherlich keine Veränderung zu erwarten. Aber was beobachtbar ist, ist dass die Spannweite größer wird: Der Anteil der Spiele, die sich selbst als Luxusgut betrachten, steigt. Als Beispiel seien Kingdom Death Moster oder die CMON-Spiele genannt. Abseits des Miniaturenbereiches kommen auch immer wieder Luxusausgaben oder Holzkisten von “normalen” Spielen auf den Markt. Abstrakte Spiele richten sich immer wieder mit einer besonderes gediegenen Aufmachung an Erwachsene, die auch Designobjekte erwerben wollen. Dieses Marktsegment wird weiter ausgebaut.”Normale” Spiele werden auch teurer werden, in erster Linie durch die gestiegenen Materialanforderungen getrieben. Hier werden “natürliche Grenzen” immer wieder fallen, bis das Spektrum zu den eben erwähnten “Luxusausgaben” verschwimmt.

Aber es wird auch immer den Markt für günstige Spiele geben. Mikrogames kamen in Japan auf, um den Preis unter 500 Yen zu halten. Gehen die Preise der normalen Spiele hierzulande durch die Decke, bildet sich fast automatisch ein Markt, der das untere Preissegment abdeckt: Mit Reiseausgaben, Kartenspielen, Würfelspiele á la Noch mal etc. Die natürliche Entwicklung ist eine Erweiterung des Spektrums. Insofern wird es immer Spiele geben, die zu teuer sind, genauso wie es immer Spiele gibt, die zu billig sind.

ciao

peer

Wer ist Hugo?

Ich bin ein großer Freund der Demokratie. Als jemand der in einer nicht ganz so funktionable Demokratie gelebt hat (Thailand) und der dort Leute kennengelernt hat, die in Regiemen gelebt haben oder mittlerweile (wieder) leben (Iran, Myan Mar, China) weiß ich eine funktionierende Demokratie wie Deutschland mit allem was dazu gehört sehr zu schätzen.

Außer bei Preisverleihungen.

Zugegeben, der obere Absatz ist sehr hoch gehängt, für das folgende Sommerloch-Geschwafel, aber ich möchte mich nicht dem Vorwurf ausgesetzt sehen, ich wäre generell gegen Demokratie oder so. Anyway, Preisverleihungen…

Ich bin durchaus ein Fan der SF-Literatur und habe da durchaus ein Auge auf die entsprechenden Preise, vor allem auf den Nebula (wird durch eine Jury vergeben) und den Hugo (wird durch Punlikumsvoting entschieden, wobei sich das “Publikum” hier ein Stimmrecht quasi erkauft). Dieses Jahr besteht die Gefahr, dass der Rad der Zeit-Zyklus den Titel bekommt, einfach weil die Fanbasis so enorm groß ist. Dabei ist es nicht so, dass ich es dem Zyklus nicht gönnen würde, aber die Gefahr ist, dass die Fanbasis die anderen Bücher nicht gelesen hat. Eine Gefahr, die der Autor selbst anspricht. Und nicht von ungefähr: Die letzten beiden Gewinner, Red Shirts und Among Others, haben beide in erster Linie gewonnen, weil sie SF-Bücher persflieren bzw. zitieren, sich also direkt an die Fans wenden. Auch tendieren die bekannteren Autoren zu gewinnen, schlicht weil sie mehr Leser -und damit Stimmen – haben (Und ja, ich bin immer noch sauer, dass Anathem gegen das Nicht-SF-Buch The Graveyard Book verloren hat…).

Genau dieselben Probleme kennen wir vom Deutschen Spielepreis: Spiele kleinerer Verlage oder auch nur unbekanntere Spiele, die es aus irgendwelchen Gründen (z.B. Essen verpasst) nicht in die Aufmerksamkeitsschiene der Vielspielerszene geschafft haben, haben keine Chance beim DSP. In den meisten Fällen der letzten Jahre konnte man die ersten drei Plätze ziemlich genau vorhersagen. Eine schöne Ehrung für die Geehrten, keine Frage. Aber eben auch ein klein wenig antiklimatisch und vor allem kaum Kaufempfehlung – denn die Zielgruppe kennt die Spiele per Definition ja.

Eine Jury auf der anderen Seite macht natürlich zwangsläufig Fehler, gerade weil sie sich -wieder per Definition – ja von einer kleinen Anzahl subjektiver Eindrücke leiten lässt. Und so bekommt man ein Chicago als Oscargewinner oder ein Torres als Spiel des Jahres (Ich liebe Torres, aber gewinnen müssen hätte Ohne Furcht und Adel ).

Was in der (Deutschen) Spieleszene fehlt ist m.E. eine sinnvolle Kombiation aus beiden. Eine Jury, die eine “Short-List” festlegt und ein Publikum, dass darüber abstimmt. Wozu das gut sein soll? Mir schwebt ein Independend-Preis vor, ein Preis für Spiele von Kleinverlagen (wobei da die Frage ist, was ein “Kleinverlag” ist) bzw. ein Spiel mit einer Auflage von max. 1000 Exemplaren (oder weniger). Eine Jury ist da notwendig, um das Angebot zu sichten. Die zweite Phase könnte eine Abstimmung sein. Auch da gäbe es drei Möglichkeiten: 1.) Alle dürfen abstimmen. Gefahr: Viele kennen nur 1 oder 2 Spiele. Möglichkeit 2) Es gibt -wie beim a la Carte  oder dem Oscar – keine komplette Publikumsabstimmung, sondern nur eine Abstimmung ausgewählter Spieler, allerdings einer hohen Zahl (z.B. 100). Nachteil: Es ist eben kein echter Abstimmungspreis. Außerdem muss jemand die Leute aussuchen und auch sicherstellen, dass genügend der “Auserwählten” auch tatsächlich abstimmen. 3) Auch wenn ich vorher gelästert habe: Der “Hugo” macht schon einiges richtig. Man bekommt mit dem Geld, dass man bezahlt nämlich auch Gegenleistungen, u.a. die Nominierten als ebooks (meist komplett, sonst als Auszüge). Das erhöht die Chance, dass die Bücher auch gelesen werden (zumindest die kurzen – das sprach dann z.B. gegen Anathem). Etwas ähnliches wäre vielleicht auch möglich: Man bezahlt einen Beitrag. Der erlaubt die Stimmabgabe (und erschwert Manipulationen) und gibt Rabatte auf die Spiele und schaltet Dinge wie z.B. Print-Versionen der Spiele (sofern vorhanden) oder ähnliches frei. Auch verschiedene Level á la Kickstarter wären denkbar: z.B. x€ für die “nackte” Stimmabgabe, inkl. allen digitalen Inhalten, dann einen Level für Stimmabgabe und 1 der nominierten Spiele, dann für Stimmabgabe +2 Spiele etc.

Vorteil: Jeder Interessierte könnte mitmachen, die Zielgruppe wäre eingebunden und zumindest die Möglichkeit besteht, dass die Abstimmenden die entsprechenden Spiele tatsächlich gespielt haben. Herauskommen würde ein Preis, der nicht nur ehrt, sondern (aufgrund der ursprünglichen Einschränkungen) Vielspieler tatsächlich auf gut, leicht zu übersehende Spiele aufmerksam macht.

Aber ich habe keine Ahnung, ob Interesse an so einem Preis überhaupt besteht und ob sich überhaupt genügend Leute finden würden, die einen solchen Preis unterstützen würden, wenn es ihn denn überhaupt gebe.

ciao

peer