Autor: Michael Luu
Verlag: Lookout /Asmodee
Für 2-5 Personen ab 10 Jahren
Spieldauer: 20 Minuten
Lookout Games hat schon so manche Verschiebung im Verlagsprogramm hinter sich. Gegründet wurde der Verlag ursprünglich, um Bohnanza-Varianten auf den Markt zu bringen, mit der Zeit kamen dann auch andere Uwe Rosenberg- Spiele dazu und man wurde zur Marke für Kenner- und Vielspielende. Man gönnte sich eine 18xx-Ecke und probierte sich an zahlreichen Euros. Gefühlt ist es in letzter Zeit etwas ruhiger um die großen Buchspiele bei Lookout geworden, vielleicht auch weil Rosenberg mittlerweile bei so vielen Verlagen veröffentlicht – der (beim Schreiben der Rezension) letzte Lookout Titel von ihm (Atiwa) ist auch schon wieder dreieinhalb Jahre alt.
Im Moment sind es -dank Mischwald – eher die kleineren Boxen, die im Mittelpunkt zu stehen scheinen. Hier liegen die Kartenbasierten Wertungswunder, die mit einfachen Regeln auch spieleerfahrene Familien ansprechen können, aber dank ausgeklügelter Wertungen auch Vielspielende ansprechen (und nebenbei gut online funktionieren). Auch Massenweise Monster liegt auf dem ersten Blick auf dieser Linie:

Mechanisch ist das Spiel ein einfaches Spiel mit einem zentralen Drafting-Mechanismus: Man nimmt ein offenes Plättchen oder deckt eines auf. Das aufgedeckte kann man nehmen oder auch nicht. Wer was nimmt, ist für die Runde bedient. Wenn alle was haben, wiederholt man das Prozedere. Die Plättchen baut man zwischendurch in ein 3×3-Raster ein. Kennt man. Insbesondere das Einbauen.
Dabei wirkt der zentrale Kniff auf den ersten Blick sehr verschwenderisch: Fünf Karten werden in jeder Runde verschmäht, wenn man nicht gerade in Vollbesetzung spielt, ist das mehr als die Hälfte. Das muss aber so, damit man sich auch richtig ärgert, wenn man zu nervös ist und zu schnell zugreift: Die Chance das noch was besseres im Stapel liegt, ist definitiv vorhanden. Auf der anderen Seite, ist der Reststapel halt eine Katze im Sack und die ist bekanntlich nachts grau oder so. Ein netter kleiner Push-your-Luck-Mechanismus (mathematisch basierend auf dem Sekretärinnen-Problem übrig), der vor allem langes Durchrechnen verhindert, das sonst vergleichbare Punkteoptimierlegespiele so oft heimsucht.
Push -your-Luck bedeutet natürlich: Es gibt Luck, das man pusht, und nicht zu wenig – man spekuliert zwangsläufig auf bestimmte Plättchen und wenn die nicht kommen oder man keinen Zugriff auf die bekommt, ist es halt Pech. Zudem sind die einzelnen Monstersorten alles andere als gleichberechtigt und es ist vielleicht nicht spielentscheidend ein wertungswichtiges Monster für das Startplättchen zu ziehen, aber es fühlt sich schon besser an, wenn man es gezogen hat. Ein Mischwald ist Massenweise Monster beileibe nicht, sondern eher eine flotte Zockerei, gerade für Familien.
Bis zur Wertung zumindest.

Nicht weniger als 13 Kategorien werden gewertet und zumindest ein paar Punkte wird man in praktisch allen Kategorien holen – dafür sorgt schon die Wahrscheinlichkeitsrechnung. Und die meisten dieser Kategorien sind nicht so ganz intuitiv abzuwickeln und regeltechnisch durchaus für die potentielle Zielgruppe eine gewisse Hürde: Zwei Monster zählen z.B. bei ihrer Wertung nur die Strecke, an der sie gebaut werden, alle anderen können prinzipiell irgendwo stehen, außer die Fledermäuse, die müssen benachbart sein und die Golems, die das nicht dürfen. Meine durchaus spielerfahrene Dreizehnjährige hat bei der ersten Partie in etwa die Hälfte der Monsterwertungen falsch verstanden – sie hat dennoch gewonnen (um mal die strategische Tiefe des Spieles in Relation zu setzen). Auch ist seltsam, dass man nominell eine Achterbahn baut, doch tatsächliche Punkten längere Strecken im Verhältnis gar nicht so wie die Fokussierung auf bestimmte Monster. Theoretisch müsste man keines der neun Plättchen verbinden und könnte dennoch gewinnen. Das wirkt unschön. Es wäre mir aber egal, wenn ich Massenweise Monster so flockig spielen könnte, wie es gespielt werden will. Aber ich bin derjenige, der im Zweifel am Ende 13 Kategorienwertungen addieren muss, von denen die wenigsten 0 Punkte sind. Man könnte das sicherlich bei einer App auslagern, doch ein bisschen spannend ist das schon zu sehen, wo die anderen ihre Punkte geholt haben. Das Zusammenzählen allerdings… das verleidet mir das Spiel.
Ich kann mir vorstellen, dass Massenweise Monster zu irgendeinem Zeitpunkt in der Entwicklung ein kleines Kartenspiel war, ein Kartenspiel, bei dem man ein paar Kategorien sammelt, der Kernmechanismus stand im Zentrum. Doch alleine trägt er kein Spiel, dazu ist er doch ein bisschen zu banal, zu binär, zu zufällig, die Spielabläufe und -ergebnisse zu ähnlich. Also wurden Wertungen hinzugefügt. Und immer mehr, inklusive ein paar topologischer Aspekte. Dadurch sollte das Spiel anspruchsvoller und interessanter werden. Aus meiner Sicht ist dies aber nicht gelungen: Der Kernmechanismus hat dieselben Stärken und Schwächen wie vorher, die Wertungen erhöhen lediglich die Einstiegshürde und den abschließenden Rechenaufwand. Die Wertungen verstärken den Mechanismus nicht, für mich klafft da eine deutliche Lücke zwischen dem was das Spiel anstrebt und dem was es erreicht. Das finde ich sehr schade, denn es ist durchaus ein sympathisches Spiel.
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