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Invasion of the cow snatchers

Verlag: Thinkfun / Vertrieb: Ravensburger
Autor: Keine Autorenangabe
Spieleranzahl: 1
Alter: ab 6 Jahren
Spieldauer: Pro Aufgabe vielleicht 1-5 Minuten, je nach Schwierigkeitsgrad. Es gibt 60 Aufgaben insgesamt

Es hat den Anschein als hätte ThinkFun im Laufe der Jahre seinen Schwerpunkt verschoben: Während die früheren Solopuzzles wie Rushhour oder Chocolate Fix vor allem sehr knifflige Puzzles boten, sind die aktuelleren eher physischer Natur: Bei Rollercoaster Challenge baut man defacto eine Murmelbahn und bei Domino Maze werden Dominosteine aufgestellt, mit dem Ziel eine befriedigende Kettenreaktion auszulösen. Der physische Kniffe bei Invasion of the cow snatchers ist nun, dass man mit einem Ufo Magnetscheiben aufnimmt – wobei die Scheiben unter einem Glasdach liegen, so dass es tatsächlich so aussieht, als wäre hier ein Traktorstrahl am Werk. Sehr cool, wenn es funktioniert. Was aber leider erst ab der zweiten Scheibe der Fall ist. Die erste Scheibe muss man immer erst lange bitten und mit dem Finger nachhelfen, was fummelig und unbefriedgend ist. Dennoch: Thema ist originell, Umsetzung gelungen genug, dass meine Jüngere (7) immer wieder das „Kuh-Spiel“ spielen will.

 Das Ufo (Grau) hat alle Kühe bis auf den roten Bullen eingesammelt.

So cool es aber aussieht, prinzipiell geht es nur darum Scheiben aufzunehmen. Die rote muss als letztes aufgenommen werden, die restliche Reihenfolge ist beliebig. Knifflig wird es, weil zum einen Scheiben nicht überflogen werden können, ohne sie aufzunehmen (Der Traktorstrahl hat keinen “Off-Button” ) und weil vor allem Hindernisse im Weg stehen, die nur überflogen werden können, so lange das UFO nicht zu viele Kühe hinter sich herzieht. Das finden eines Weges ist also das Ziel – im Prinzip ist die Invasion ein kleines Labyrinth. Das ist nicht ganz so simpel wie das Bauen von Achterbahnen, aber erreicht bei weitem nicht Rushhour-Niveau: Am Ende des Tages kann man den Weg auf einem 4×4-Brett nur endlich kompliziert gestalten, – mit steigendem Schwierigkeitsgrad werden die Rätsel in erster Linie länger und nur periphär schwieriger. Nun kann ich mich nicht beschweren, wenn ein Verlag die Spiele nicht so mag, wie ich sie gerne möchte, aber man merkt, dass auch ThinkFun nicht hundertprozentig zufrieden war – denn es wurde der Genius-Level eingeführt: 10 Karten mit abweichenden Regeln. Jetzt darf man Kühe wieder fallen lassen und muss dafür eine ganz bestimmte Reihenfolge einhalten. Und, wow, diese Level sind richtig knackig. Aber, wow, die Usability-Probleme leider auch: Die Reihenfolge auf den Karten nicht gut zu erkennen, was den Schwierigkeitsgrad an der falschen Stelle erhöht. Zudem weht jetzt eine Prise „Türme von Hanoi“ über die Prärie, wenn es darum geht, die richtigen Scheiben zwischen Ablagepltz 1 und Ablageplatz 2 hin- und herzutraktoren. Der Schwierigkeitsgrad ist so auf dem richtigem Level, die Lockerheit des Grundspieles ist aber abhanden gekommen. Die Liga eines Rushhour oder Babushkas wird damit nicht erreicht. Aber vielleicht muss es ja auch nicht – dank des haptischen Ansatzes ist es viel eher auch was, dass man (unterhalb des Geniuslevels) mit älteren Kindern spielen kann. Und der Schwierigkeitsgrad ist für diese Zielgruppe auch angemessen, da nicht frustrierend.

 

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
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