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Roller Coaster

Rollercoaster Challenge

Verlag: Think Fun (Vertrieb durch Ravensburger)
Autor: Keine Angabe
Spieleranzahl: 1
Alter: ab 6 Jahre
Spieldauer: Naja, es ist ein Solospiel, das spielt man so lange wie man will. Ein Rätsel dauert so ca. 3-5 Minuten, inkl. Aufbau

Wenn man genau darüber nachdenkt, dann sind Achterbahnen im Prinzip Murmelbahnen für Menschen. Daraus folgt zwingend, dass man bei Rollercoaster Challenge zwar offiziell eine Achterbahn baut, im Prinzip aber eine Murmelbahn – nur dass die Murmel in die Fahrgondel eingelassen ist. So oder so lässt man die Murmelgondel am Ende von oben nach unten kullern und wenn man will sogar einen Looping machen.

Machen wir uns nichts vor: Murmelbahnen bauen macht Spaß! Und Erwachsenen vielleicht sogar mehr als den Kindern, die lieber die Murmeln laufen lassen. Nicht umsonst kommen Luxusbahnen wie die von Ravensburger mittlerweile in einem Design daher, das eher die Älteren von uns anspricht. Das Problem: Wer kann schon das Kaufen einer Murmelbahn rechtfertigen, wenn die Kinder aus dem Murmelbahnalter raus sind, bzw. gar nicht vorhanden sind? Think Fun umgeht jetzt das Problem geschickt, denn die Achtermurmelbahn ist nicht nur Selbstzweck, sondern eigentlich ein Solopuzzle! Von den Machern von Rushhour! Da kann man dann unbedenklich zugreifen, denn es ist ja nun *wirklich*, absolut, also auf GAR KEINEN FALL, eine Murmelbahn, sondern etwas zum Trainieren der Gehirnzellen – also wirklich, da kann man gar nichts gegen sagen!

Und wie sie bei einer oberflächlichen Betrachtung des Spielmaterials sehen, Herr  Inspektor, sind 40 Rätselaufgaben drin, wie bei Think Fun üblich mit steigender Progression des Schwierigkeitsgrades! Wie bite, Herr Inspektor? Ja, ein Looping auch, na klar, was auch sonst, braucht man ja auch für einige Rätselaufgaben. Natürlich. Ja, das Spielmaterial ist viel und haptisch und so, aber man soll ja am Ende auch ausprobieren dürfen, ob die Lösung wirklich funktioniert, nicht so wie bei Gravity Maze, bei dem immer ein bisschen Unsicherheit herrschte. Ja, natürlich kann man auch so Achterbahnen damit bauen, aber wer will das schon, Herr Inspektor? Ich bin wegen der Puzzles hier!

Ist er weg?

OK, dann kann ich es ja zugeben: Der Schwerpunkt bei Rollercoaster Challenge liegt tatsächlich beim Bauen. Das Material ist gut, das Bauen fluppt, die Achterbahn kann ausprobiert werden. Doch die Puzzles sind alles andere als schwer. Dieses Spiel richtet sich eher an Ingenieure als an Tüftler: Noch in den als “Hard” deklarierten Rätseln  habe ich in der Regel mehr Zeit für die Startaufstellung benötigt, als zum eigentlichen Lösen des Puzzles. Wirkliches Nachdenken war bestenfalls bei den „Super Hard“-Rätseln nötig. Stundenlanges Grübeln war komplett Fehlanzeige. Das Problem: Man weiß genau über welche Höhenstufen die Achterbahn geht. Damit weiß man schon einmal die Reihenfolge, in der die Teile eingesetzt werden müssen. Die Entfernung kann man dann oft schon aus den vorhandenen Verbindungsteilen ableiten. Es gibt schlicht zu viele Informationen, als dass wirklich verblüffende Rätsel möglich wären. Das ermöglicht es freilich, dass auch ältere Kinder (Schachtel sagt ab 6) mitpuzzlen können, wenn sie die Regeln erst einmal verstanden haben.

Außerdem, machen wir uns nichts vor, kauft man sich die Schachtel eh, um damit Achterbahnen zu bauen.

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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