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If wishes were fishes

Verlag: Rio Grande Games / Abaccusspiele
Autor: Peter Sarrett und Michael Adams
Spieleranzahl: 2-5
Alter: ab 10 Jahre
Spieldauer: 40 Minuten

Von dem Fischer und seiner Frau:

„Manntje, Manntje, Timpe Te,
Buttje, Buttje in der See,
Meine Frau, die Ilsebill,
Will nicht so, wie ich gern will.”

„Ja watt will sie denn?“

„Möglichst viele Siegpunkte! Also bitte, erlaube mir alle Schwertfische auf einmal zu verkaufen, anstelle nur einen einzigen. Es stehen viele Kunden an dem Stand und ich würde eine Menge Punkte mit meinen Fischen gewinnen. Außerdem sind meine Boote voll, da passt nichts mehr rein!“

„Geh nur, sie verkauft sie schon!“

Wer jetzt denkt, er hat das Märchen anders in Erinnerung als es hier erzählt wurde, hat wohl noch nicht davon gehört, dass es neuerdings in Spielform erzählt wird. Oh, einen neuen Titel hat das Märchen auch: If wishes were fishes. Und erzählt wird es nicht mehr nach den Gebrüder Grimm, sondern nach den Nichtbrüdern Adams/Sarrett.

Jeder Spieler hat zwei Fischerboote (jedes hat Platz für genau einen Fisch; es sind sehr kleine Boote), ein paar Würmer und möchte Fische fangen. Wo sie die fangen ist den Spielern überlassen – vier potentielle Fänge stehen zur Auswahl. Aber nur im flachen Wasser darf kostenlos gefangen werden, für die anderen Tiefen (respektive Stapel) werden Würmer benötigt. Diese Würmer können später von anderen Fischern wieder recycelt werden, aber das nur nebenbei. Wer bei diesem Rumgewurme den Bezug zum Thema sucht, sollte lieber beim Magnet-Angeln bleiben. Die Würmer sind hier quasi-Währung. Warum auch nicht.

Aber wie dem auch sei: Was macht man denn mit dem Fisch? Man kann ihn fangen oder wieder ins Wasser werfen. Tut man letzteres, gewährt er seinem Spieler einen Wunsch – welcher das ist, steht auf der Karte (ist also festgelegt) und reicht von einem weiteren Boot zu einer Neugestaltung der Marktpreise. Am wichtigsten sind aber die Wünsche, die dem Fischer erlauben mehrere Fische einer Sorte auf einmal zu verkaufen – regulär darf nämlich nur ein Fisch zur Zeit verkauft werden und das auch nur, wenn kein Fisch gefangen wird. Ein effizienter Spieler sammelt also möglichst viele Fische einer Sorte und verkauft diese alle auf einen Schlag. Wer dagegen alles nur abfischt, was ihm vors Boot kommt, muss mehr Zeit auf dem Markt verbringen (weil sein Boot voll wird und er nicht so viele Fische auf einmal loswird) und kann entsprechend auch wieder weniger Fische nachfangen – Ein Teufelskreis, aus dem man aber mit Spielgeschick wieder ausbrechen kann.

Zu viele Wünsche resultieren wenigstens nicht in einem Stiefel wie im Märchen – aber eben in einem leeren Boot, was der Ilsebill sicherlich auch nicht recht sein dürfte.
Der Preis eines Fisches richtet sich nach der Position einiger Kunden (die durch Wünsche bewegt werden), und das richtige Timing beim Fischverkauf kann über Sieg oder Niederlage entscheiden.
In regelmäßigen Abständen kommt es zudem zu Zwischenwertungen, bei denen derjenige, der die Mehrheit der Fische einer Sorte verkauft hat, Extrasiegpunkte erhält. Auch dadurch wird derjenige belohnt, der viele Fische einer Sorte auf einmal verkaufen kann.

Und was sagte Ilsebill dazu? Nun, am Ende sind alle garantiert reicher als am Anfang, dass täte ihr also schon gefallen. Spielerisch ist If wishes were fishes ein schönes Familienspiel (nicht nur für Fischer), das um den originellen Mechanismus der Fische (Fangen oder Reinwerfen?) herum gestaltet wurde. Dabei greifen alle Mechanismen schön ineinander: Der Wechsel im Preis, das Einsetzen der Würmer, um bestimmte Fische zu fangen, das Spektrum der Wünsche, die Mehrheitenwertungen: Alles passt zusammen. Zudem sind die Spielerzüge extrem kurz: Eine Aktion, die zudem meistens nur in dem Nehmen einer Karte besteht, schon ist der nächste Spieler an der Reihe. Dadurch ist die Downtime niedrig, ohne dass die Entscheidungsmöglichkeiten auf der Strecke bleiben. Der Glücksfaktor ist spürbar vorhanden, aber i.A. nicht störend sondern passt zum restlichen Spiel. Hinzu kommt die gelungene Ausstattung mit schön glibbrigen Gummiwürmern und wir erhalten ein sehr, sehr rundes Spiel, das in Konzeption und Ausführung ein ganz heißer Anwärter auf das Spiel des Jahres wäre, wenn, ja wenn es bei einem deutschen Verlag erschienen wäre.

Und das Thema? Das ist (trotz der Würmer) sogar ganz schön passend! In diesem Sinne: Petri Heil!

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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