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Hunters of the lost creatures

Autor: Sönke Schmidt

Verlag Wonderbow Games

Für 2-5 Spielende ab 5 Jahren

Spieldauer: 15-20 Minuten

Wollen Sie sich alt fühlen? Natürlich nicht, wer will das schon. Ich sag Ihnen aber dennoch, dass Munchkin 2021 bereits seinen 20. Geburtstag feiern durfte, seit 2022, darf  Munchkin sogar in seinem Heimatland, den USA Alkohol trinken und wählen.

Munchkin, falls Sie sich wundern, ist ein Ärgerkartenspiel, dass vor allem wegen des Humors auf den Karten erfolgreich war (bzw immer noch ist). Die Figuren von John Kovalic nahmen im Urspiel das Fantasy-Rollenspielgenre ordentlich aufs Korn und in den zahllosen Erweiterungen dann auch so ziemlich jedes andere Nerdthema. Keine Gruppe, die spätestens nach der ersten Partie alle Karten durchgeguckt hat. Nicht zuletzt auch, weil, wenn man ehrlich ist, das eigentliche Spiel deutlich weniger witzig und nicht selten viel zu lang ist. Man haut sich halt gegenseitig in die Pfanne, was in diesem Fall aber das Spiel verlängert – nicht selten über den grünen Bereich der Spannungskurve hinaus.

Hunters of the lost  creatures, falls sie sich wundern, ist ein Ärgerkartenspiel mit viel Humor auf den Karten. Dabei sind die Karten witzig (wenn man schlechte Wortspiele mag), aber nicht so witzig wie die Karten von Munchkin. Dafür funktioniert das Spiel besser. Das ist auch wenig verwunderlich denn zum einen ist das a) nicht so wirklich schwierig und b) mischt Hunters of the lost creatures in erster Linie bekannte Mechanismen neu ab: Man wählt gleichzeitig eine Zielkarte aus, und Leute mit derselben Wahl patten sich aus und bekommen nichts. Aquirierbare Ärgerkarten erlauben das Stehlen von Karten bei anderen oder das Zuschieben von Minuspunkten. Natürlich darf man sich auch gegen diese Karteneffekte sichern, kommt dann aber selber auch nicht an neue Karten ran. Das bewegt sich auf wohlbekannten und gar nicht sehr „losten“ Bahnen.

Best Pun ever

Nun ist es eine allgemeine Frage, ob und wieweit ein Spiel originell sein muss bzw. in wieweit es stört, wenn man die Mechanismen kennt, so lange das Spiel sauber funktioniert (das tut HotlC zweifellos) und witzig gestaltet ist. Und die Antwort hängt wie oft mit der Zielgruppe zusammen. Wer seine persönliche Spielegeschichte in Jahrzehnten misst und mehr Spiele kennt, als bei Karstadt im Regal stehen, wird diese Frage gänzlich anders beantworten, als jemand, der gerade in das Hobby reingerutscht ist oder sogar erste Gehversuche mit Spielen für Erwachsene macht und ein Spiel sucht, dass halt witzig ist und wo man sich ein bisschen gegenseitig ärgern kann, ohne dass es allzu sehr belastet. Dieser Person fehlen Vergleiche mit Referenzspielen und diese Person wird daher unbelastet an ein Spiel wie Hunters of the lost creatures herangehen. Sie wird eher überrascht sein, dass man Karten gleichzeitig auswählt. Sie wird sich freuen, dass die negativen Karten so gleichmäßig auf die verschiedenen Kartenstapel verteilt sind, dass man einigermaßen damit planen kann, aber das Chaos dennoch gerade soweit regiert, dass eine Partie weder  anstrengt noch frustriert. Dass keine böse Tat jemanden aus den Spiel wirft. Es gibt einen Grund, warum man altbewährte Zutaten verwendet: Sie funktionieren eben. Sie sind ausprobiert und für gut gefunden. Für Einsteiger ist da nichts schlechtes aber viel gutes.

Eine Rezension sollte in meinen Augen aber nicht Stiftung Warentest ersetzen und ein Produkt lediglich bewerten, sondern ein Spiel vielmehr in die Spielewelt einordnen.  Sie soll quasi einen Weg durch den Spieledschungel zeigen. Da sind die Hunters mit Sicherheit keine Sackgasse, keine Gefahrenstelle, so wie andere „lustige Ärgerkartenspiele“ (z.B. Munchkin oder Exploding Kittens). Hunters ist aber auch nicht die Sehenwürdigkeit, an der ich eine Touristengruppe vorbeiführen würde, da bietet einige Uno-killer auch für die Zielgruppe mMn interessanteres, sind effizienter designt. Wenn auch leider nicht so witzig illustriert. .

Peer Sylvester