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Gravity Maze

Verlag: Thinkfun
Autor: Ohne Autorennennung
Spieleranzahl: 1

Ach, wo ich sowieso allen möglichen Kram teste, kann ich auch genauso gut noch ein Solospiel mit in den virtuellen Raum werfen.

Gravity Maze stammt aus der Schmiede von Thinkfun, den Köpfen hinter so gelungenen Solospielen wie Rushhour, Solitairechess oder Chocolate Fix und diesmal geht es um Murmelbahnen. Ziel ist es nämlich eine Murmelbahn aus vorgegeben Türmchen zu bauen, welche die Kugel vom Start zum Ziel bringt, ohne dass diese irgendwo um mehr als eine Ebene fällt oder mehr als ein Feld geradeaus läuft. Damit das ganze nicht zu einfach wird, haben die verschiedenen Türme ganz spezielle Ebenen: Manche fungieren als Rampe, manche als Kurve und bei manchen fällt die Kugel einfach oder läuft geradeaus weiter.

Und da sind wir beim ersten Kritikpunkt: Ich weiß zu schätzen, dass dieses Spiel von der Physis der Türme lebt – als Browserspiel oder App würde Gravity Maze nicht funktionieren. Aber dennoch ist es unhandlich. Zugegeben: Ich bin nicht gerade der taktile Typ, arbeite lieber geistig und habe irgendwie mehr linke Hände als andere Leute. Aber dennoch: Manchmal klackt es einfach nicht und dann wirft man die Türme um und würgt sich einen auf der Bahn zurecht. Und das ist bereits der weniger nervende Aspekt. Viel blöder ist, dass man eben immer genau gucken muss: Habe ich jetzt die richtigen Türme? Habe ich jetzt die Startürme auch wirklich richtig aufgestellt? OK, in welche Ebene fällt die Kugel von dort aus? Und von dort? Welche war das erste nochmal? Und wenn ich den Turm umdrehe? Und der andere? Nein, moment, falsche Ebene, die andere wars. Ach nee, doch nicht. Oh, der Startturm muss anders herum. Haha. So jetzt aber. Wo war noch einmal die Kurve beim grünen Turm? Usw usf.

Puzzle sind Geschmackssache, klar. Aber hier geht mir im Vergleich zu oben erwähnten Spielen zu viel Energie für das Aufbauen der Aufgabe und das Probieren der Türme drauf und zu wenig für wirkliche Denkleistungen. Hinzu kommt noch, dass man oft keinen echten, logischen Ansatz verfolgt: Man kann wenig schließen “Ah, dass muss so gemacht werden” sondern probiert eher rum: “Welche Teile passen an den Anfang? Ich probiere es mal so”.

Für zusätzlichen Frust sorgt, dass es durchaus manchmal mehrere Lösungen gibt. Frustig ist das deshalb, weil zumindest ich mir dann immer die Frage stelle: Habe ich wirklich alles richtig gemacht? Habe ich eine Regel vergessen? Eine Gerade oder eine Ebene übersehen? Das kommt nicht zuletzt deshalb, weil die Regeln weniger intuitiv sind als die von Rushhour oder  Solitaire Chess – und das gilt sowohl für die Regeln an sich als auch für das überprüfen derselben. Es bleibt dann immer die nagende Ungewissheit: War das jetzt eine gültige Lösung?

Gravity Maze hat eine schöne Haptik, ohne Frage. Die Aufgaben sind – wie immer bei ThinkFun – herausfordernd und wachsen genau richtig im Schwierigkeitsgrad (auch wenn ich etwas das Gefühl habe, dass es keine ganz überraschenden “dasgeht-wirklich?”-Aufgaben gibt). Aber das Verhältnis Aufbau – Denkspiel ist schräg. So schräg, dass das Lösen der Aufgaben für diese Rezi für mich mehr und mehr zur Arbeit wurde, zu der ich mich fast zwingen musste. Keine guten Vorraussetzungen für ein Solospiel!

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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