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Gobblet Mampfer

Verlag: Blue Orange/Asmodee
Autor: Thierry Denoual
Spielerzahl 2
Alter ab 5 Jahren
Spieldauer: Wenige Minuten

Eher zufällig hat sich hier auf der Spielbar in den letzten Monaten eine kleine Reihe über Spiele, die Kindern den Einstieg in klassische Brettspielkonzepte ermöglichen können: Shogun, Showdown Tactics und jetzt eben das Spiel mit dem eher schlecht als recht aus dem französischen übersetzte Titel Gobblet Mampfer, die Junior Version von Gobblet.

Klassischer als Tic-Tac-Toe geht schon fast gar nicht mehr: Jedes Kind kann das Spiel fast schon intuitiv erfassen und lernt schnell aufzupassen, Reihen zu bilden und zu blockieren. Der Schlüssel ist natürlich eine aggressive Verteidigung, also den Gegner zu blocken UND gleichzeitig eine Gewinnstellung zu forcieren. Die kurze Spieldauer erlaubt eine intensive Beschäftigung mit dem Spiel – bis man halt feststellt, dass der Zweite ein Unentschieden immer erzwingen kann und das Spiel langweilig wird.

Dennoch ist das Spiel so beliebt, dass immer wieder andere Versionen auftauchten, die zumindest so lange interessant sind, bis dort die optimale Strategie entdeckt wurde, z.B. die Miseré – Form (wer als erstes 3 in einer Reihe hat, verliert), die flexible Form (beide dürfen Kreuze und Kreise setzen, es gewinnt, wer die Dreierreihe vervollständigt, der erste darf nicht ins Mittelfeld setzen) die Asymmetrische Form (einer versucht drei in eine Reihe zu bekommen, der andere das zu verhindern, beide können Kreuze und Kreise setzen) oder Formen bei denen die Felder, auf die gesetzt werden können  eingeschränkt sind (z.B. nur benachbart zum letzten, oder nur im Rösselsprung zur letzten Figur und in das Mittelfeld nur, wenn dadurch eine Reihe geschlossen wird). Alles nette Spielereien, mehr aber auch nicht. Interessant wurde es eher, wenn das Spielbrett erweitert wurde, wie z.B. bei Super 3. Gobblet Mampfer behält nun Spielfeld und Siegbedingung bei und führt stattdessen neue Figuren ein: Pro Spieler 6 Becher, je 2 in drei verschiedenen Größen. Dabei können größere Figuren auch auf Felder eingesetzt werden, auf denen kleinere Figuren (egal von wem) stehen und überdecken die einfach. Unentschieden sind schon deshalb unmöglich, weil ein Becher auch versetzt werden kann – und eben auch auf einen anderen Becher.

Diese Regeländerung sorgt für Dynamik auf dem Brett, denn nur die großen Becher sind sicher, alles andere kann überdeckt werden. Theoretisch können überdeckte Steine sogar wieder ins Spiel kommen, wenn der überdeckende Becher bewegt wird. Praktisch ist das Spiel bei zügiger Spielweise meist vorher aus.

Damit sind wir auch beim Thema: Ich bezweifle nicht, dass es bei diesem Spiel eine Gewinnstrategie für eine der beiden Seiten gibt – aber sie ist zumindest nicht so einfach anzuwenden, wie das Erzwingen eines Unentschiedens beim Original. Wer sich jetzt nicht aufmacht, die zu suchen, wird sie auch nicht so schnell finden. Praktisch, insbesondere im Spiel gegen Kinder, ist die Existenz dieser Gewinnstrategie ohne Bedeutung.

Allerdings merkt man auch ohne Strategietipps bald schnell, dass das Platzieren der großen Becher am Anfang des Spieles schlicht alternativlos ist und dass die beiden kleinen Becher eigentlich nie ins Spiel kommen, weil sie nicht gebraucht werden. Eine andere Stückelung der Becher ‑ z.B. 3 kleine, 2 mittlere, 1 großer ‑ wäre hier vermutlich interessanter geworden, aber ich will mich auch nicht zu sehr aus dem Fenster lehnen – vielleicht hätte eine andere Stückelung das Tor für eine einfache Gewinnstrategie geöffnet.

So wie es ist, reichen wenige Becher aus, bis jemand einen Fehler macht, meistens weil die Möglichkeit des Ãœberdeckens übersehen wurde. Normalerweise ist es eher negativ, wenn ein Spiel eher durch einen schlechten Zug verloren, als durch einen guten Zug verloren wird, aber hier ist die Spieldauer ohnehin so kurz und das verfügbare Schlachtfeld ohnehin so klein, dass es hier nicht negativ auffällt. Zudem ist der Bezug zu Tic-Tac-Toe überdeutlich, wo das ja ganz ähnlich ist. Dabei gelingt es Gobblet Mampfer eine Hommage zu sein und nicht nur eine Variante. Es wird zitiert und sorgt so für einen Ansatzpunkt, aber es überrascht dennoch immer wieder. Dabei ist der Kontext durchaus wichtig: Gobblet Mampfer ist nicht in der Gipf-Reihe zu Hause, es ist eher in der Tradition von Shogun oder Showdown Tactics: Ein Spiel, dass Kindern zeigt, was „Erwachsenenspiele“ so tun, ohne dass es den Erwachsenen langweilig wird, weil sie sich zu sehr zurücknehmen müssten. Allerdings muss auch die Bemerkung gestattet sein: So nett und sympathisch Gobblet Mampfer auch sein mag – der materielle Aufwand (und damit auch der Preis) für eine Tic-Tac-Toe-Variante ist doch recht hoch. Aber das muss jeder für sich selbst entscheiden.

 

Kleines Tic-Tac-Toe-Rätsel von Martin Gardner: Zwei perfekte Spieler haben sich bei diesem Spiel auf ein Unentschieden geeinigt. Was war der erste, was der letzte Zug?

 

Peer Sylvester

Brettspielradio

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