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GiftTrap

Verlag: GiftTrap Enterprise (Vertrieb durch Heidelberger)
Autor: Nick Kellett
Spieleranzahl: 3-8
Alter: ab 8 Jahre
Spieldauer: ca. 30-60 Minuten

Ich liebe Weihnachten! Das liegt wohl daran, dass ich eine große Familie habe und allen was schenken darf und auch von allen Geschenke bekomme…
Dieses Jahr habe ich folgende Geschenke zum vergeben besorgt: Ein Aktenvernichter, ein extrem lauter Wecker, ein Baseball-Handschuh, ein Kalligraphie-Set und ein Gutschein für ein Essen mit vier Personen in einem indischen Restaurant. Jetzt muss ich nur noch überlegen, wem ich was gebe… Natürlich wollen alle das Essen im Restaurant, aber das gibt’s nur einmal, also muss ich überlegen, was ich den anderen Familienmitgliedern andrehen kann. Also, mein Vater bekommt den Aktenvernichter, der kann den gut gebrauchen. Für seine Akten nämlich. Meine Schwester bekommt das Kalligraphie-Set. Die malt gerne Drachen, da schreibt sie bestimmt auch gerne. Meine Mutter bekommt das Essen, die weiß das zu würdigen.
Was würde ich selbst am liebsten haben? Klar, ebenfalls das Essen! Der Aktenvernichter wäre OK, der Wecker wäre auch noch ganz brauchbar. Den Baseball-Handschuh will ich nun wirklich nicht – Was soll ich damit?

Nanu, wieso muss ich überlegen, was ich selbst will? Und warum gibt es zwei Geschenke, die niemand bekommt?
Weil dieses Szenario aus einer Partie GiftTrap stammt. Und GiftTrap ist quasi „Weihnachten – Das Brettspiel“, nur ohne Baum und Lebkuchen. Und da hat nun mal jeder dieselben Geschenke für seine lieben Mitspieler zur Auswahl. Natürlich will man jedem möglichst etwas schenken, das derjenige auch haben will. Das Gemeine ist aber, dass oft nur 2 oder 3 wirklich brauchbare Dinge in der (zufälligen) Auswahl liegen – und die möchte natürlich jeder. Zum Glück ist jeder per Regel-Dekret dazu gezwungen, drei Geschenke irgendwie positiv zu bewerten (eines als Toll, eines als Gut und eines als OK) und nur eines als absolutes No-Go – der Rest bleibt indifferent. Viel Auswahl ist eh nicht, denn es liegt immer nur ein Geschenk mehr in der Auswahl, als es Mitspieler gibt, da man sich selbst nicht beschenkt, bleiben immer zwei Geschenke ungenutzt – der Rest muss vergeben werden und wenn es noch so ein Müll ist.
Dieses Geschenke vergeben macht wirklich Laune – wenn auch nicht so viel Laune, wie die Kommentare die sich zwangsläufig ergeben, wenn die Geschenke aufgedeckt werden. Kennen sollte man seine Mitspieler aber schon ein wenig, sonst ist das Raten ein bisschen zu zufällig.

Ein Problem bei Einschätzspielen ist oft, dass Spieler mit bewusst falschen Angaben den anderen Spielern alle Punkte klauen können. Bei GiftTrap wird dieses Problem geschickt umgangen, denn hier gibt es zwei Siegpunktleisten: Eine für das richtige Schenken und eines für richtige beschenkt (eingeschätzt) werden. Erst wenn man auf beiden Leisten das Ziel erreicht, gewinnt man das Spiel. Wer seine Mitspieler also bewusst in die Irre führt, schießt sich selbst ins Knie. Die Kehrseite der berühmten Medaille ist eine auf den ersten Blick etwas verwirrende Wertung, bei der man sich regelmäßig vertut. Und bei der die Reihenfolge des Auswerten durchaus auch mal über Sieg oder Niederlage entscheiden kann. Aber egal, aufs Gewinnen kommt es hier sowieso nicht an. Und überhaupt ist GiftTrap ideal für Familien und Wenig- bis Nichtspieler: Einfache, intuitive Regeln, die sich beim Spielen erklären lassen (Strategie ist hier eh nicht gefragt) und sehr liebevolle Geschenkbeutel mit dem Spielmaterial der Spieler laden förmlich zum Spielen ein. Einzig die Regel ist nicht optimal und eine etwas dezentere Schachtelgraphik hätte dem Spiel auch gut getan. Spielbar ist es mit bis zu acht Spielern, optimal sind 4-6. Mit mehr Spielern kann es sich etwas ziehen, zu dritt ist zu wenig los.

Doch sei´s drum! GiftTrap ist das ideale Funspiel! Und wer es sich nicht kaufen will, kann es sich ja schenken lassen…

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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3 Kommentare

  • Der Satz “Und bei der die Reihenfolge des Auswerten durchaus auch mal über Sieg oder Niederlage entscheiden kann” ist völlig unsinnig.
    Die Auswertungsreihenfolge entscheidet über gar nichts, da erst nach kompletter Auswertung einer Runde geschaut wird, ob und wer mit seinen Figuren im Zielfeld steht (siehe Regelheft!).

    Und worauf bezieht sich der Satz “Einzig die Regel ist nicht optimal”?
    Die Regeln sind allesamt sehr einfach, es gibt keine Ausnahmen und keiner wird irgendwie benachteiligt.

  • Ja, es wird erst a Ende geschaut. Aber: Es wird nacheinander ausgewertet (steht sogar als Empfehlung in der Regel. Nehme an:
    A geht 1 Feld vor – ist im Ziel. Dann geht er nochmals 1 Feld vor – Kann er nicht! Und noch mal – Kann er nicht! Und nochmal – Kann er nicht! Nun geht er 3 Felder zurück und landet 2 Felder vorm Ziel.
    B steht zu Beginn auf demselben Feld wie A und geht erst 3 Felder zurück und dann viermal 1 Feld vor – wo landet er dann? Richtig im Ziel!
    B hat damit gewonnen, A nicht, obwohl beide gleich viele Minuspunkte und gleich viele Pluspunkte bekommen haben. Also entscheidet die Reihenfolge doch!
    Oder man macht das komplizierte und rechnet alles gleichzeitig aus – das ist aber extrem unübersichtlich und rechenaufwendig!

    Und der andere Satz bezog sich auf die gedruckte Spielregel.