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Feurio / Vulkan

Verlag: Edition Erlkönig
Autor: Heinrich Glumpler
Spieleranzahl: 1-4
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: ca. 30 Minuten (jeweils)

„Zwei Spiele schlagen – ach – in meiner Brust“ mag die Spieleschachtel ausrufen, sofern sie denn ausrufen könnte. Und weiter würde sie sagen: „Und ach, das eine ist deutlich zu sehen, aber das andere bekommt nur, wer des Downloads mächtig ist“.

Gemeint ist Feurio! (das ich in Zukunft ohne das Ausrufezeichen schreiben werde, da mich die Textverarbeitung sonst um den Verstand bringt) aus dem Kleinverlag Edition Erlkönig. Es kommt also als Feurio daher, ist aber gleichzeitig so etwas wie eine Minispielesammlung, denn dasselbe Material ermöglicht eine Partie Vulkan – vorausgesetzt man lädt sich die Regeln unter www.erlkoenig.net herunter. Beide Spiele haben außer dem Material nicht viel gemein, folgerichtig ist dies eine Doppel-Rezension.

Beginnen wir mal mit Feurio. Ein Waldbrand bricht auf einigen Plättchen aus. Dann geht’s Schlag auf Schlag:
Immer wenn ein Spieler dran ist, kommt ein Plättchen dazu. Wie in der Wirklichkeit auch, entzieht sich das Feuer meist aller Kontrolle: Das Waldstück kommt dahin, wo es am heißesten ist. Die Hitze hat hierbei eine Temperatur zwischen 1 und 6 und steht auf jedem Waldfeld. Die heißen Teile fordern die Feuerwehrleute besonders (dort dürfen drei stehen), während die 1er die Löschteiche darstellen (und Platz für einen Mann haben).

Nachdem das Feuer weiter gewütet hat, darf der Spieler bis zu drei Pöppel auf einem Waldstück abwerfen – vorausgesetzt dort ist noch Platz und das entsprechende Stück nicht umschlossen.

Bei den Feuerwehrmännern scheint es sich um eine ziemlich hilflose Truppe zu handeln, denn das Spiel endet, wenn alle Waldstücke brennen ergo im Spiel sind – und keiner mehr Männchen absetzen will bzw. kann.
Nun wird abgerechnet: Alle zusammenhängenden Waldstücke, auf denen Männer einer Farbe stehen, bilden eine Waldfläche. Jeder addiert alle Zahlenwerte einer Waldfläche und – hier kommt die Pointe – TEILT die Summe durch das RANDstück mit der kleinsten Zahl. Wessen Männer vom Feuer eingeschlossen wurden, hat Pech gehabt – 0 Punkte; was mit den tapferen Mannen passiert, mögen wir uns nicht ausmalen. Wer dagegen ein Löschteich – sprich eine 1 – angeschlossen hat, ist vom Glück begünstigt und mit einer runden Summe gesegnet. Wer die wertvollsten Waldflächen löschen konnte gewinnt natürlich.

Feurio ist einfach – wenige Regeln (wie ich es geschafft habe, gleich mehrfach irgendwelche – und immer andere – Regeln zu vergessen, bleibt mir im Nachhinein ein Rätsel. Letztlich hab ich’s aber dann doch geschafft fehlerfreie Partien hinzukriegen) und ein organischer Spielablauf. Man kann, ja muß, sich gegenseitig ärgern, hat ein paar taktische Möglichkeiten, und ist dem Glück ein bißchen, aber nicht zu sehr ausgeliefert. Ein schönes Familienspiel, auch gerade weil das Plazieren der Waldstücke mal nicht bedacht sein will, sondern dies automatisch passiert. Ideal für die 30-Minuten-Familienspielrunde!

Davon abgesehen konnte der Autor nicht genug kriegen: Eine Solovariante (ich persönlich bevorzuge alleine ja den Computer, aber das ist Geschmackssache), eine kooperative Variante (alle zusammen gegen das Feuer, da wird’s somit etwas thematischer) und eine Profivariante, die etwas mehr Steuerung des Feuers erlaubt und die der Autor generell empfiehlt (und hier ein kleiner Tip: Er empfiehlt sie anders als in der Spielregel angegeben: Wer eine Feuerschneise spielt, darf zwar keine Feuerwehrmänner spielen, braucht aber auch keinen zu bezahlen).

Klarer Fall von Daumen hoch!

Aber das ist ja noch nicht alles. Wir haben jetzt aufgebaut, ergo eine Waldlandschaft gebildet. Mit der können wir jetzt Vulkan spielen. Wir müssen lediglich irgendein Teil aus der Mitte nehmen, umdrehen und so als Vulkan deklarieren. Jetzt sind unsere Feuerwehleute zu Löschladungen mutiert, die wir abwerfen – Die Löschaktion ist also eine Nummer größer und dafür löschen wir jetzt tatsächlich etwas.

Wer dran ist, entscheidet sich für eine Flugroute. Diese führt immer in gerade Reihe über benachbarte Wälder, aber nicht über den Vulkan. Auf jedem überflogenen Waldstück MUSS genau eine Ladung abgeworfen werden. Werden dabei alle Landeplätze eines Sechsecks besetzt UND falls dieses Waldstück zwei zusammenhängende Kanten ausweist, so wird es entfernt – der Spieler bekommt es, der dort die Mehrheit hat, bei Gleichstand dann der, der zuletzt geflogen ist (also meistens der, der den Flug durchgeführt hat). Eventuell wird dadurch auch ein weiteres Feld frei.

Besonders geschickt kann man agieren, wenn man Waldstücke so löscht, daß einige Teile isoliert vom Rest (genauer: Vom Vulkan) sind. Diese werden entfernt, wenn sie leer sind und gehen an den Mehrheitsinhaber (wieder bei Gleichtand der letzte Flieger), falls dort Feuerwehrleute stehen. Eine gute Möglichkeit die knappen Ladungen zu sparen!
Das Spiel endet, wenn keiner mehr fliegen kann (kein Wasser mehr vorhanden) und dann werden die Punktwerte aller gesammelten Waldstücke addiert.

Während bei Feurio mehr aus dem Bauch heraus agiert wird, ist Vulkan eine Ecke kniffliger. Die Ladungen sind extrem knapp und jeder Mann will gut eingesetzt sein. Dummerweise muß immer gleich die Ganze Länge abgeflogen werden, auch wenn man nur ein Randstück haben will. Wer sich da verfliegt, endet mit einer Bataillon armer Wasserbomben irgendwo in den Tiefen des Waldes und die Konkurrenz lacht sich ins Fäustchen. Zudem möchte man seinem Nachbarn ja keine Steilvorlage in Form halbgelöschter Plättchen servieren – es sei denn man hat dort ne Mehrheit, aber die kostet gewaltig! Da es ja eine ganze Menge möglicher Wege gibt (zumal grundsätzlich kein Weg so richtig optimal sein will) darf man schon ein bißchen über den eigenen Zug nachdenken. Da das Spiel aber bereits nach wenigen Runden beendet ist, hält sich die Spieldauer auch hier im halbstündigen Bereich auf. Fast unnötig zu sagen, daß auch Vulkan sowohl Solo als auch kooperativ spielbar ist.

Also, dieses Doppelpack gefällt! Zwei recht unterschiedliche Spiele zum Preis von einem, da kann man nicht meckern. Wenn dann auch noch beide Spiele schön einfach und schnell von der Hand gehen und wirklich Spaß machen, darf man eine Kaufempfehlung aussprechen!

Und wer immer noch unsicher ist, kann sich bei den Solospielen auf www.erlkoenig.net selbst von den Qualitäten dieser Spiele überzeugen! (Mir persönlich gefällt übrigens das Vulkan-Solospiel deutlich besser als das Feurio-Spiel, aber das ist wohl Geschmackssache).

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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