spielbar.com

Club of Cthulhu

Autorin: Shi Chen

Verlag: Play with us Design

Für 2-4 Personen ab 15 Jahren

Spieldauer: 15-30 Minuten

Push your luck – Spiele haben oft eine ähnliche Dramaturgie: Am Anfang spielen alle eher verhalten, vorsivhtig Grenzen austestend, aber‑ BUMM ‑ irgend jemanden erwischt es dennoch – Gescheitert! Die anderen ziehen punktetechnisch davon und wer früh scheitert muss mehr riskieren und auch wenn so natürlich glorreiche Comebacks möglich sind, ist es ebenso möglich, dass Hintenliegende immer weiter vom Schicksal getreten werden, weil sie immer mehr und mehr riskieren müssen….

Gute Spiele des Genres versuchen diese Zyklen zu durchbrechen, etwa indem sie die vorne liegenden Personen dazu verleiten, zu sehr auf Sicherheit zu spielen (und daher wieder eingefangen werden können) oder spätere Wertungen im Wert erhöhen (so dass frühe Rückschläge weniger ins Gewicht fallen). Club of Cthulhu geht dabei einen interessanten eigenen Weg: Wer scheitert bekommt stärkere Fähigkeiten – so starke, dass es sich u.U. sogar lohnen kann, es aufs gelegentliches Scheitern anzulegen. Gerade bei Spielbeginn kann sich ein Scheitern im Nachhinein als positiver Schicksalsschlag herausstellen. Garantiert ist das aber nicht…

Rein mechanisch betrachtet, geht es um das Sammeln von Karten, die man mit einem kleinen Tauschmechanismus aus der Mitte zieht. Zieht man zu viele Karten derselben Farbe, hat man überzogen und bekommt zwar die gezogenen Karten, muss aber eine Farbe für die Endwertung entwerten – alle gesammelten Karten dieser Farbe zählen Null. Für alle anderen normalen Farben hängt die Punktzahl von der Farbe und vor allem der Anzahl der Karten ab, die man sammeln konnte. Dabei zahlt es sich massiv aus, sich auf wenige Farben zu fokussieren. Die Wertung unterstützt es also durchaus, auch mal zu überziehen, denn wenn es eine Farbe trifft, wo man eh nur wenige Karten hat, ist der Schaden klein, der Vorteil aber groß: Immer wenn man Karten gezogen hat, ohne zu überziehen, darf man eine kleine Sonderaktion (basierend auf den gezogenen Karten) durchführen. Ist man in einer Farbe bereits gescheitert, ist diese Sonderaktion jedoch sehr viel stärker. Das hilft beim Aufholen enorm – aber ! Da ich nur eine Aktion machen kann, deren Farbe ich gezogen habe, diese Farbe ja aber keine Punkte für mich zählt, ist die ganze Angelegenheit ein feiner Tanz aus : Karten ziehen, um Aktionen durchzuführen, aber nicht zu viele und auch nur, wenn ich dadurch auch Karten bekommen kann, die mir am Ende Punkte bringen. Tatsächlich passt das Thema um Kultisten, die mit Mächten spielen, die sie nicht vollends kontrollieren können überraschend gut – ständig reizt man den dämonischen Bären, um gerade genug Karten sammeln zu können.

Ich habe die Spiele von Shi Chen schon häufiger hier (oder hier) besprochen und wenn man sich ihr bisheriges Werk ansieht, so fällt immer wieder auf, dass sie auf unterschiedliche Art mit Informationen spielt. Da ist auch Club of Cthulhu keine Ausnahme: Hier ist es der Markt, von dem man Karten zieht, der für die Beteiligten unterschiedliche Ausgangslagen bietet: Zum einen werden dort Karten offen reingelegt (die dann später genommen werden können), zum anderen bieten die Fähigkeiten die Möglichkeit, sich die ebenfalls enthaltenden verdeckten Karten anzusehen. Und auch wenn das kleine, dadurch entstehende Memory-Element vielleicht der uninteressanteste Teil des Spieles ist, bietet es doch die Möglichkeit eher auf Sicherheit zu spielen (indem man möglichst viel „scoutet“, um das blinde Ziehen weniger blind zu gestalten) oder eben nicht. Zudem sorgt die Marktdynamik dafür, dass verstärkt Farben in den Markt kommen, die für einige am Tisch nicht zählen, andere Farben können dann quasi im Stapel feststecken. Somit ist Club of Cthulhu auch schon fast eine Art Aktienspiel.

Wie auch schon Vita Mors oder Vita Mors: Conspiro aus demselben Verlag, schafft es auch Club of Cthulhu einem bewährten Genre eine Seite abzugewinnen, die es vorher in der Form nicht gab. Das Ergebnis spielt sich frisch und überraschend. Und ist nebenbei vielleicht sogar das thematischste „Niedliche-Monster-Spiel“ auf dem Markt.

 

 

#spiel2025

Peer Sylvester
Letzte Artikel von Peer Sylvester (Alle anzeigen)