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Attribut

Verlag: LookOut Games
Autor: Marcel-André Casasola Merkle
Spieler: 3-8 Spieler
Alter: ab 10 Jahren
Spieldauer: 30 Minuten

Wir wissen nicht, was ihr Arzt oder Apotheker empfiehlt – die Jury des Spiel des Jahres jedenfalls empfiehlt Attribut und hat es auf die Auswahlliste gepackt. Grund genug, sich das Spiel einmal näher anzusehen.

Attribut wurde als Online-Spiel für die Brettspielwelt entwickelt. Für die „Hardware-Fassung“ wurde die Wertung etwas modifiziert, was nicht überall auf Gegenliebe stieß. Doch dazu später mehr…

Wie der Name andeutetet, ist Attribut irgendwo ein Wortspiel – aber ein recht ungewöhnliches! Jeder Spieler hat vier Karten mit Attributen auf der Hand (da ist von „preiswürdig“ über „vitaminreich“ bis zu „ausgelutscht“ alles dabei), hinzu kommt ein Geheimauftrag in Form eines grünen oder roten Schafes. Einer in der Reihe gibt nun einen Oberbegriff vor. Der kann beliebig speziell oder allgemein sein – das schöne an diesem Spiel ist, daß man bei der Oberbegriffswahl völlig freie Hand hat. Jeder Spieler wählt nun ein Attribut aus und zwar je nach Geheimauftrag eines, das möglichst besonders gut (grünes Schaf) oder eines, das möglichst überhaupt nicht (rotes Schaf) zum Oberbegriff paßt. Dann wird gleichzeitig aufgedeckt und das Gemetzel beginnt: Wer einen Begriff sieht, von dem er meint, daß sich ein grünes Schaf darunter verbirgt, der kann dies „klatschen“, also draufhauen. Damit nimmt er das Schaf in Besitz. Haben alle, die klatschen wollen, geklatscht, so kommt die Wertung, die sich viel kryptischer anhört, als sie letztlich ist:

  • Wer ein rotes Schaf behalten hat, bekommt einen Pluspunkt. Wer ein grünes Schaf geklatscht hat, auch. Diese Spieler haben anscheinend etwas richtig gemacht.
  • Wer dagegen ein grünes Schaf nicht loswurde (weil alle dachten, dass das Attribut wohl nicht zum Oberbegriff passen sollte) oder ein rotes Schaf geklatscht hat, bekommt einen Minuspunkt. Der Punktestand wird – einfach aber genial – durch umgedrehte Attributskarten markiert.

Wenn jeder zweimal einen Oberbegriff nennen durfte, endet das Spiel.

Attribut ist ein wirklich lustiges locker-leichtes Zwischendurchspiel, das auch (und gerade) in Familien- und Wenigspieler-Kreisen viele Freunde findet.

Womit manche Leute Probleme haben ist die Wertung: Sei es, daß sie sich erst mal gewöhnen müssen, daß es eigentlich kein richtig oder falsch gibt (aber das Spielprinzip hat man schnell intus), sei es daß Spieler – im Gegensatz zur Brettspielwelt – mit roten Schafen bevorteilt werden (weil grüne Schafe bestenfalls keine Minuspunkte bringen). Doch die Punktewertung ist bei diesem Spiel ebenso unwichtig wie bei anderen Spielen dieses Genres und nicht selten wird am Ende einfach aufs Zählen verzichtet.

Der einzige wirkliche Kritikpunkt ist die Schachtel. Die ist zwar gut ausgefüllt, nur leider passen die Karten dort nicht wie bei Anno Domini quer hinein sondern nur längs. Dadurch vermischen sich die Geheimaufträge und die Attributskarten sehr leicht. Zumindest mein Exemplar hatte auch keinen sehr haltbaren Boden. Aber darüber kann man bei einem Kleinverlag sicherlich hinwegsehen.

Auf jeden Fall hat die Jury hat eine gute Entscheidung getroffen, dieses Spiel ins Licht der Öffentlichkeit zu rücken!

Peer Sylvester

Begann seine Spielerkarriere recht früh, weil sein Vater einen Gegner beim Schach brauchte. Berufswunsch in der dritten Klasse: “professioneller Schachspieler”. Lebt in Berlin und arbeitet als Lehrer für Mathematik und Chemie. Hat bereits erfolgreich seine ersten Spiele als Autor bei verschiedenen Verlagen veröffentlicht.
Peer Sylvester

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