Autor: Joe Hout
Verlag: Amigo
Für 2-6 Personen ab 10 Jahren (eher für 4-6 Personen)
Spieldauer: 30 Minuten (eher so 5 Minuten pro Person)
Gleich DREI Chapter auf einmal? In der heutigen Zeit? Das geht nun wirklich nicht! Tatsächlich würde ich hier fast irreführende Werbung anzeigen, wurde die Anzahl der Kapitel doch mMn um so ungefähr 50% übertrieben – das letzte Chapter ist lediglich die Wertung der im ersten Teil gezapften Karten. Das ist vielleicht schon fast mehr als Glossar, aber auch nur fast – vielleicht doch eher so ein Epilog, quasi eine „Was machen die Protagonisten heute?“, denn eine (Spiel-)Handlung findet nicht statt. Nur eben, ut supra dixi, eine Wertung.
Die Kapitel davor sind dagegen so etwas wie die Nordische Kombination unter den Spielen: Karten zapfen (Kaptel 1) und Stichspiel (mit den zuvor gezapften Karten). Eigentlich wollte ich 3 Chapters wegen letzterem in unserem Stichspiel–Doublefeature besprechen, doch tatsächlich würde ich 3 Chapters eher als Drafting-Spiel bezeichnen wollen, denn das Zapfen der Karten steht klar im Mittelpunkt.
Gezapft werden Karten, die sich einerseits im Wert (zwischen 1 und 50) unterscheiden und andererseits (bis auf die höchsten Karten) kleine Wertungen mitbringen: Einige Karten bekommen Punkte im Stichspielteil, andere erhöhen Punkte am Ende, meistens aber tatsächlich in beiden Fällen. Und zwar immer dann wenn sie auf bestimmte andere Karten treffen, die thematisch verknüpft sind. So bekommt Schneewittchen Punkte für Zwerge oder Hänsel punktet für Gretel – egal ob sich beide auf derselben Hand befinden oder im selben Stich. Beides gleichzeitig geht logischerweise nicht und natürlich ist letzteres ungleich schwieriger zu erreichen als ersteres, denn wer weiß wann die anderen die passende Karte spielen? Oder ob sie überhaupt mitspielt? Beim Zapfen liegen insofern die Entscheidungen, als dass einerseits eruiert werden muss, welche Karten überhaupt punkten könnten (also im Spiel sind) und andererseits man sich überlegt, ob man eher auf die Endwertung (bei der die eigene Hand gewertet wird) oder eher auf das Stichspiel schielt.

Beim Stichspiel dagegen gewinnt schlicht die höchste Karte, Farben oder so gibt es nicht. Damit hält sich cleveres Stichspiel in Grenzen – man kennt die Werte der eigenen Hand genau und die einzige Unsicherheit ist, was die anderen wann spielen oder überhaupt spielen können. Stiche bringen zwar recht gut Punkte, aber gerade weil die Werte so klar und die Stiche z.T. quasi bereits vergeben sind, hat die Phase noch eine zweite Funktion: Man hofft auf oben beschriebene Synergieeffekte: Spiele ich z-B. Gretel gleich aus, hoffe ich, dass Hänsel folgt, weil er dann ebenfalls mit mir zusammen punktet. Oder ich hoffe auf bestimmte Symbole bzw. verzichte in Hinterhand auf den Stich, wenn es stattdessen aufgrund passender Symbole mit einer niedrigen Karte etwas zu gewinnen gibt. Als Konsequenz hat 3 Chapters in diesem Kapitel zwar die Struktur eines Stichspieles, nicht aber das Spielgefühl, weil die Überlegungen in eine ganz andere Richtung gehen. Das ist gut, denn der Stichspielteil für sich genommen wäre recht dünn.
Als Draftingspiel gelingt 3 Chapter dabei bemerkenswertes: Es ist ja nun bei weitem nicht das einzige Spiel, wo man sich durch Zapfen eine Kartenkombo zusammenzapft, bei der sich die Karten möglichst maximal aufeinander beziehen. Allerdings gehen die verschiedenen Elemente oft etwas auf Kosten der Einstiegshürde, da zahlreiche z.T. gegenläufige Wertungen gelernt werde müssen. Hier wird das doppelt entlastet: Zum einen ist der Konflikt Hohe Karte fürs Stichspiel gegenüber Niedrige Karte mit vielen Wertungsmöglichkeiten während und nach dem Spiel schnell erfassbar. Zum anderen hat jede Karte ihre eigenen Wertungsmöglichkeiten gleich aufgedruckt und die ist dabei in allen Fällen einfach und fast immer zudem thematisch verankert. Trotz zweier sehr unterschiedlicher Phasen spielt sich 3 Chapters daher locker runter – auch weil durch den hohen Unsicherheitsfaktor des unvollständigen Decks auch gar nicht erst versucht wird, irgendwas zu berechnen. Und ohne Farben gibt es beim Stichspiel auch nicht viel zum mitzählen.
Umgekehrt sind die 3 Chapters dadurch eher leichte Literatur, mehr Kurzgeschichte denn Roman. Und genauso sollte man sie angehen.
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